Zyklus und Scheidentrockenheit

Pilzanfälligkeit hängt vom Zyklus ab

Pilzanfaelligkeit hängt vom Zyklus ab
Zyklus und Hormone haben entscheidenden Einfluss auf den Körper der Frau
Getty Images/Hemera

Zu Scheidenpilz kommt es oft während und nach der Periode, beobachtet Lifeline-Expertin Dr. Anja Oppelt. Die Rolle von Östrogen ist umstritten.

In Phasen, in denen der Körper viel Östrogen herstellt, gelten Frauen als besonders anfällig für eine Pilzinfektion der Scheide. Dies ist zum Beispiel in der Schwangerschaft der Fall, sagt Lifeline-Expertin Dr. Anja Oppelt. US-Wissenschaftler beobachteten in einem Versuch mit Mäusen bei hohem Östrogenspiegel deutlich mehr Hefepilze vom Typ Candida albicans in der Scheidenschleimhaut und häufiger Infektionen. Vorhandene Scheidenpilzinfektion hielten auch länger an. Die Forscher vermuten, dass Östrogen die Fähigkeit der Zellen in der Scheidenhaut senkt, Pilzwachstum zu hemmen. Die maximale Östrogenkonzentration im Blut wird am Tag des Eisprungs erreicht.

Monatsblutung schwächt Schutzwall der Scheide

Tatsächlich beobachtet der Hamburger Gynäkologe Dr. Thomas Gent, dass viele Patientinnen in der Zyklusmitte Scheidenpilz bekommen. Frauenärztin Oppelt kann den Einfluss von Östrogen auf Scheidenpilz allerdings nicht so klar bestätigen: Nach ihren Erfahrungen sind Frauen während der Periode und danach besonders anfällig, eine Pilzinfektion zu entwickeln.

Dafür verantwortlich sei die Trockenheit der Scheide, deren natürlicher Schutzwall durch die Blutung geschwächt wird. Außerdem enthalte Blut Eisen, erklärt die Frauenärztin. "Und Pilze ernähren sich unter anderem von Eisen."

Der weibliche Zyklus und die Anfälligkeit für Scheidenpilz

  • Es beginnt in der Pubertät und endet mit den Wechseljahren. Während dieser Zeit reift im Körper einer Frau jeden Monat eine Eizelle heran. Im Schnitt dauert der Zyklus 28 Tage, aber es gibt auch Frauen, bei denen er 21 oder 35 Tage lang ist. Auch im Laufe eines Jahres schwankt der Zyklus der meisten Frauen innerhalb dieser Grenzen. Stress, körperliche und seelische Belastungen oder Reisen können zu Unregelmäßigkeiten führen. Oft schwächen solche besonderen Situationen auch das Immunsystem einer Frau und erleichtert es einer Pilzinfektion Fuß zu fassen.
  • Taktgeber für den Zyklus sind Hormone. Unter dem Einfluss des follikelstimulierendes Hormons (FSH) beginnen einige Eizellen in den Eierstöcken zu reifen. Jede Frau besitzt zwei Eierstöcke, die links und rechts von der Gebärmutter angelegt sind. Schon vor der Geburt eines Mädchens werden in den Eierstöcken die Eizellen angelegt. Jedes Mädchen kommt quasi mit einem Vorrat an Eizellen auf die Welt. Das können bis zu 400.000 Stück sein. Jede Eizelle ist von einem Eibläschen, dem Follikel umgeben. So kann eine Eizelle Jahrzehnte überdauern.
  • Im Laufe des Zyklus setzt sich in der Regel eine Eizelle durch und wächst als einzige weiter. Die anderen gereiften Eizellen gehen zugrunde. Dabei produzieren sie Östrogen, ebenso wie die dominante Eizelle. Dieses Hormon bewirkt, dass die Gebärmutterschleimhaut verstärkt wächst. Hat das Östrogen eine bestimmte Menge im Blut erreicht, schüttet die Hypophyse vermehrt des luteinisierenden Hormons (LH) aus und es kommt zum Eisprung. Nach dem Eisprung ist eine Eizelle etwa zwölf Stunden bereit für die Befruchtung. Während der Zyklusmitte, wenn die Menge des Östrogens im Blut sehr hoch ist, gelten Frauen als anfälliger für Scheidenpilz.
  • Nach dem Eisprung startet der Gelbkörper unter dem Einfluss von LH mit der Produktion von Progesteron. Dieses Hormon sorgt dafür, dass die Gebärmutterschleimhaut auf eine befruchtete Eizelle vorbereitet wird. In die Schleimhaut lagern sich Nährstoffe ein. Zugleich drosselt der Körper die Herstellung von Östrogen.
  • Wird die Eizelle nicht befruchtet, entwickelt der Gelbkörper sich innerhalb der nächsten zehn bis elf Tage zurück und produziert auch kein Progesteron mehr. Dadurch ändert sich die Durchblutung der Schleimhaut und Teile von ihr sterben ab. Bei der Regelblutung stößt der weibliche Körper die abgestorbene Gebärmutterschleimhaut ab - nach den Erfahrungen von Expertin Dr. Anja Oppelt entwickeln viele Frauen zu diesem Zeitpunkt eine Scheidenpilzinfektion. Am Ende der Blutung reifen erneut Eizellen und die Gebärmutterschleimhaut wächst wieder unter dem Einfluss von Östrogenen - der Zyklus startet von vorne.
Die Scheide gesund erhalten
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    Gesundes Scheidenmilieu

    Die gesunde Scheidenflora sorgt für eine saure Umgebung, das Pilze und andere Keime abwehrt. Eine wichtige Rolle bei der Selbstreinigung spielt auch der Scheidenausfluss.

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    Hygiene ist wichtig

    Die Scheide zusätzlich zu reinigen, ist vielen Frauen wichtig. Das muss aber höchstens ein Mal täglich sein, mit Wasser oder einer milden, pH-neutralen Waschlotion für den Intimbereich.

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    Übertriebene Hygiene ist falsch

    Allerdings: Wer sich im Intimbereich zu eifrig reinigt und pflegt, erreicht das Gegenteil vom Gewünschten und macht die Scheide anfälliger für Infektionen.

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    Kein Intimdeo

    Absolut tabu sind aggressive Seifen und Duschgele sowie Intimdeos, die die empfindliche Schleimhaut reizen können.

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    Riskante Piercings

    Intimschmuck kann Unverträglichkeitsreaktionen hervorrufen. Und selbst ohne Nickel oder Kobalt darin reiben Piercings untenherum und können so die Barriere gegen Bakterien und Pilze verletzen.

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    Tangas aus Synthetik

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    Enge Jeans schaden

    Ähnlich steht es mit engen Jeans. Auch sie fördern ein heißes, ungesundes Scheidenklima.

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    Tampon austauschen

    … und den Tampon, falls sie einen tragen, regelmäßig alle drei bis vier Stunden zu wechseln.

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    Richtig rasieren

    Frauen, die sich im Intimbereich die Haare wegrasieren, neigen oft zu Rasierpickelchen. Vorbeugend eine frische Klinge nehmen und nass rasieren, wenn möglich in Wuchsrichtung der Schamhaare.

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    Richtiges Abwischen

    Nach dem Toilettengang immer von vorne nach hinten abwischen, um keine Keime vom After an die Scheide zu transportieren.

Autor: Martina Janning / Lifeline
Letzte Aktualisierung: 11. Juli 2013
Quellen: Gespräch mit Dr. Anja Oppelt, Gynäkologin und Lifeline-Expertin und Gynäkologe Dr. Thomas Gent vom Berufsverband der Frauenärzte in Hamburg sowie nach dem Brockhaus Gesundheit und dem Kursbuch Frauen

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