Frühgeburt verhindern

Studie: pH-Wert-Kontrolle in Schwangerschaft ist wichtig

Studie- Warum pH-Wert-Kontrolle in der Schwangerschaft so wichtig ist
Die pH-Wert-Kontrolle kann Frühgeburten verhindert
Copyright Michael Blackburn

Durch Bakterien verursachte Scheideninfektionen sind viel häufiger die Ursache von Frühgeburten, als Mediziner bislang dachten. Um Infektionen vorzubeugen, können Schwangere ihre Scheidenflora mit Hilfe von Milchsäureprodukten sauer und gesund halten.

Das unterschätzte Risiko: Infektionen der Scheide lösen sehr viel häufiger Frühgeburten aus als bisher bekannt war. Zu diesem Ergebnis kommen Wissenschaftler der Universität Stanford (USA), nachdem sie das Fruchtwasser von 166 Schwangeren untersucht hatten, bei denen die Wehen vorzeitig einsetzten. Sie benutzen dazu ein neues Analyseverfahren und stellten fest: In 15 Prozent der Proben finden sich Bakterien oder Pilze. Bisher schätzten Gynäkologen, dass Infektionen lediglich für rund zehn Prozent der Frühgeburten verantwortlich sind. Insgesamt identifizierten die Mikrobiologen 17 verschiedene Bakterienarten und einen Pilz. Von manchen Keimen war bisher gar nicht bekannt, dass sie eine vorzeitige Geburt auslösen können.

Die Scheide gesund erhalten
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    Gesundes Scheidenmilieu

    Die gesunde Scheidenflora sorgt für eine saure Umgebung, das Pilze und andere Keime abwehrt. Eine wichtige Rolle bei der Selbstreinigung spielt auch der Scheidenausfluss.

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    Hygiene ist wichtig

    Die Scheide zusätzlich zu reinigen, ist vielen Frauen wichtig. Das muss aber höchstens ein Mal täglich sein, mit Wasser oder einer milden, pH-neutralen Waschlotion für den Intimbereich.

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    Übertriebene Hygiene ist falsch

    Allerdings: Wer sich im Intimbereich zu eifrig reinigt und pflegt, erreicht das Gegenteil vom Gewünschten und macht die Scheide anfälliger für Infektionen.

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    Kein Intimdeo

    Absolut tabu sind aggressive Seifen und Duschgele sowie Intimdeos, die die empfindliche Schleimhaut reizen können.

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    Riskante Piercings

    Intimschmuck kann Unverträglichkeitsreaktionen hervorrufen. Und selbst ohne Nickel oder Kobalt darin reiben Piercings untenherum und können so die Barriere gegen Bakterien und Pilze verletzen.

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    Tangas aus Synthetik

    Wenn die Haut durch Plastik nicht atmen kann, haben Pilze und Bakterien leichtes Spiel. Ein Stringtanga reibt zudem in der Poritze, was Entzündungen zusätzlich begünstigt.

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    Enge Jeans schaden

    Ähnlich steht es mit engen Jeans. Auch sie fördern ein heißes, ungesundes Scheidenklima.

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    Richtige Monatshygiene

    Deshalb sollten Frauen und Mädchen auch bei der Monatshygiene darauf achten, kein Plastik im Intimbereich zu tragen …

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    Tampon austauschen

    … und den Tampon, falls sie einen tragen, regelmäßig alle drei bis vier Stunden zu wechseln.

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    Richtig rasieren

    Frauen, die sich im Intimbereich die Haare wegrasieren, neigen oft zu Rasierpickelchen. Vorbeugend eine frische Klinge nehmen und nass rasieren, wenn möglich in Wuchsrichtung der Schamhaare.

  • Kleine Klopapierkunde-Bei Hämorrhoiden lieber weich, reißfest und ohne Zusatz_96922721.jpg
    Richtiges Abwischen

    Nach dem Toilettengang immer von vorne nach hinten abwischen, um keine Keime vom After an die Scheide zu transportieren.

Bakterien gaukeln das Ende der Schwangerschaft vor

Zu verfrühten Wehen kommt es, weil die Keime den Geburtskanal und das Fruchtwasser infizieren können und dabei die Freisetzung von Prostaglandinen provozieren. Diese Botenstoffe leiten eine Geburt ein. Der Körper einer Schwangeren bildet sie normalerweise, wenn es Zeit für die Entbindung ist. Die durch die Bakterien ausgelöste Antwort des Körpers gaukelt das Ende einer Schwangerschaft vor. Die Folge: Die Wehen setzen ein.

Übergewichtige erleiden häufiger Frühgeburten

Scheideninfektionen durch Bakterien sind eine wesentliche Ursache für Frühgeburten. Inzwischen kommt jedes 14. der jährlich knapp 700.000 in Deutschland geborenen Babys vor der 37. Schwangerschaftswoche auf die Welt, rund 8.000 sogar vor der 30. Woche. Normal ist eine Geburt nach 40 Wochen. Die größere Zahl an Frühgeburten ist auch auf die gestiegene Zahl der Mehrlingsgeburten nach künstlichen Befruchtungen, starkes Übergewicht der werdenden Mutter, Schwangerschaftsdiabetes und das höhere Alter, in dem Frauen schwanger werden zurückzuführen.

Vorzeitige Geburt wirkt oft ein Leben lang nach

Dank medizinischer Fortschritte haben auch Frühchen heute eine Überlebenschance, die bereits nach der vollendeten 24. Schwangerschaftswoche das Licht der Welt erblicken und bei der Geburt nur 500 Gramm wiegen. Viele der sehr früh geborenen Kinder zeigen jedoch im weiteren Leben Entwicklungsstörungen. Zudem haben Frühgeborene später seltener Kinder als regulär geborene Säuglinge und bringen oft selbst Frühchen zur Welt, fanden Forscher in einer Langzeitstudie heraus.

Saure Scheidenflora beugt Infektionen vor

Durch Scheideninfektionen verursachte Frühgeburten lassen sich gut verhindern, wenn die Erkrankung früh erkannt und behandelt wird oder - noch besser - erst gar nicht entsteht. Dazu müssen Frauen wissen, dass es zu einer Infektion kommt, wenn die natürliche Scheidenflora aus dem Gleichgewicht gerät. Die hormonelle Umstellung während einer Schwangerschaft begünstigt dies. Im Normalfall sorgen Milchsäurebakterien (Laktobazillen) für ein saures Klima in der Vagina und hindern Bakterien und Pilze am Ausbreiten. Ist das Scheidenmilieu nicht sauer genug, kann es zu einer Infektion kommen. Dem lässt sich vorbeugen, indem die Frau ein Milchsäureprodukt in die Vagina einführt und ihre körpereigene Abwehr so unterstützt. Diese Milchsäureprodukte gibt es zum Beispiel als Gel rezeptfrei in Apotheken.

Den pH-Wert in der Scheide am besten regelmäßig prüfen

Um zu überprüfen, ob das Scheidenklima ausreichend sauer ist, sollten Schwangere den pH-Wert in ihrer Scheide regelmäßig kontrollieren. Mit einem pH-Handschuh aus einer Apotheke können sie das selbst machen, oder sie lassen ihren Gynäkologen messen. Liegt der pH-Wert über 4,5, ist es ratsam, die Scheide mit Milchsäure anzusäuern. Wie sinnvoll Kontrolle und Regulieren des vaginalen pH-Werts sind, belegt ein Projekt, bei dem Wissenschaftler über 150.000 Entbindungen auswerteten. Dabei zeigte sich, dass die Schwangeren, die zweimal in der Woche ihren pH-Wert überprüften und sich danach entsprechend behandelten, ihre Frühgeburtsrate um 43 % reduzieren konnten.

Milchsäure-Kur hilft der Scheide beim Regenieren

Auch beim Behandeln einer Scheideninfektionen macht Milchsäure Sinn. Denn die Antibiotika, die der behandelnde Arzt üblicherweise verordnet, um den Keimen den Garaus zu machen, beeinträchtigen das natürliche Milieu der Vagina. Laktobazillen können hier helfen. Das belegte eine Untersuchung am Allgemeinen Krankenhaus Wien, an der 190 Frauen mit einer Bakterieninfektion teilnahmen. Von ihnen erhielt die Hälfte sieben Tage lang Milchsäure. Das Ergebnis: Vier Wochen nach Behandlung hatten 83 Prozent der Frauen eine gesunde Scheidenflora. Bei den Teilnehmerinnen, die keine Milchsäure verwendet hatten, war die Vagina nur bei 35 Prozent im optimalen Milieu und somit von einer erneuten Infektion bedroht.

Warum Behandlung mit Milchsäure in der Schwangerschaft sinnvoll ist

Durch Bakterien verursachte Scheideninfektionen sind viel häufiger die Ursache von Frühgeburten, als Mediziner bislang dachten. Um Infektionen vorzubeugen, können Schwangere ihre Scheidenflora mit Hilfe von Milchsäureprodukten sauer und gesund halten, erklärt Professor Dr. Werner Mendling im Interview.

Kade Fungin

Autor: Martina Janning <!-- viewpixel vgwort: 20080624 -->
Letzte Aktualisierung: 19. November 2012
Quellen: Mit Informationen der Stanford University, des Deutschen Ärzteblatts, von Dr. Ljubomir Petricevic von Universitätsklinik für Frauenheilkunde Wien und Dr. Kade Pharmazeutische Fabrik

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