Flaute im Bett
Pilzinfektion: Sexpausen meistern
Sex bei Scheidenpilz ist unangenehm, oft sogar schmerzhaft. Viele Frauen verspüren daher wenig Lust, mit ihrem Partner zu schlafen. Mit Reden und Fantasie lassen sich Frust und Beziehungskrisen vermeiden.
Karen* macht sich Sorgen: Sie erkrankt häufig an Scheidenpilz und hat dann keine Lust mit ihrem Freund zu schlafen. "Mit einer Pilzinfektion ist Geschlechtsverkehr echt unangenehm und ich möchte am liebsten in Ruhe gelassen werden", sagt sie. Karen lässt sich dennoch dann und wann auf Sex ein, weil sie fürchtet, ihr Freund könnte sonst in anderen Laken wühlen und sie vielleicht sogar verlassen. Keine leichte Situation, aber auch keine unlösbare. Viele Menschen erleben Phasen, in denen Geschlechtsverkehr zum Beispiel wegen einer Krankheit oder einer schwierigen Schwangerschaft nicht infrage kommt. Aber das Liebesleben braucht deswegen nicht zu pausieren. Solche Zeiten bieten die Chance, Neues auszuprobieren. "Paare sollten auf andere Praktiken ausweichen, um sich wechselseitig zu befriedigen", sagt Professor Dr. Dirk Zimmer von der Tübinger Akademie für Verhaltenstherapie (TAVT). Das wirkt manchmal sogar wie eine Erweckung: Schon manches Pärchen hat so neuen erotischen Schwung in seinen Liebesalltag gebracht. Anregungen für sinnliche Massagen, Sexspiele und andere Freudenspender finden sich in Tantrabüchern und anderen Sexratgebern.
Wenn es um mehr als Sex geht
Panische Sorge, dass der Partner während einer pilzbedingten Sexflaute fremdgeht, hat jedoch meist weitergehende Gründe, wie zum Beispiel tief verankerte Verlustängste. Eine Frau sollte dann darüber nachdenken, welche Bedeutung Sexualität für sie hat, rät Paartherapeut Zimmer. Es gebe etliche Motive, die mitschwingen könnten: Sex als Bestätigung für die eigene Attraktivität, als Test für Zuneigung, als Liebesbeweis für Ihn, als Zeichen von Macht. "Je mehr Sex von solchen Sachen überlagert ist, desto schwieriger wird es, ihn davon zu entkoppeln", urteilt der Psychologe. Ohne die Hilfe eines Therapeuten gelingt das oft gar nicht.
In Ruhe reden
Bei einer Sexpause gleich in die Praxis eines Psychologen zu eilen, ist jedoch übertrieben. Zu allererst sollte das betroffene Paar das Gespräch miteinander suchen. Meistens müsse die Frau die Initiative ergreifen, sagt Zimmer: "Viele Männer sind in Beziehungsfragen wie Kühe auf dem Glatteis. Frauen müssen sie vorsichtig führen." Der Paartherapeut rät, sich zu einer Aussprache in ruhiger, entspannter Atmosphäre zu verabreden. Nach anfänglichem Herumdrucksen klappten Gespräche über Sexualität und Beziehungsfragen meistens ganz gut, sagt Zimmer. Seine Erfahrung: "Die Angst vor dem Gespräch ist in der Regel schlimmer als das Gespräch selbst." Im Übrigen sind Flauten im Bett verbreiteter, als viele denken: 17 Prozent der deutschen Paare legen vier Wochen oder länger andauernde Sexpausen ein. Das ist das Ergebnis einer Studie von Forschern der Georg-August-Universität in Göttingen im Jahr 2005. Die Wissenschaftler hatten dafür mehr als 13.000 Männer und Frauen befragt.
Pilzinfektionen bekämpfen
Genauso wichtig, wie eine Sexpause durch Scheidenpilz gut zu überstehen, ist es aber, die Ursache für wiederkehrende Pilzinfektionen zu finden. Suchen Sie sich einen versierten Gynäkologen und lassen Sie nicht locker. Der Arzt sollte in jedem Fall eine Pilzkultur anlegen, um den Erreger bestimmen und gezielt bekämpfen zu können. In der Regel zeigen Antipilzmittel mit dem Wirkstoff Clotrimazol gute Resultate, je nach Pilzart kann aber auch ein anderer Wirkstoff sinnvoll sein. Frauen, die zu Scheidenpilz neigen, sollten zusätzlich ihr Immunsystem stärken. Das gelingt am besten durch eine ausgewogene Ernährung, Bewegung, Entspannung und ausreichend Schlaf.
* Name geändert











