Vulvodynie
Vulvodynie: Machen Scheidenzäpfchen krank?
"Vulvo dü wie?" Verständnislose Nachfragen sind noch immer die Regel, wenn es um Vulvodynie geht. Erst durch die TV-Serie "Sex and the City" wurde das Frauenleiden mehr Menschen bekannt. Darin litt Charlotte an den Schmerzen im Bereich der Vulva. Manche Frau mit chronischem Scheidenpilz ist seither verunsichert: Gibt es einen Zusammenhang zwischen Pilzinfektionen und Vulvodynie?
Vulvodynie heißt übersetzt: Schmerzen im Bereich der Vulva. Die können z.B. durch Hautkrankheiten wie Lichen Sklerose, Schuppenflechte, allergische Ekzeme oder durch Erkrankungen wie Endometriose entstehen. Doch: Ärzte sprechen erst von Vulvodynie, wenn sie eine medizinische Ursache für die Schmerzen ausschließen können. Vulvodynie ist somit eine chronische Empfindlichkeitsstörung im Scheidenbereich - die Frauen allerdings erheblich zu schaffen macht: Schmerzen beim Sex, oft auch beim Sport und anderen Bewegungen. Viele können keine Tampons einführen, kaum enge Hosen ertragen oder lange sitzen. Ständiges Brennen, Stechen, Wundsein, oft auch Jucken lassen das Leben zur Qual werden. Dennoch wurde Vulvodynie von Medizinern lange nicht ernst genommen.
Noch immer ist unklar, wie viele Frauen betroffen sind. Doch eine US-Studie der University of Michigan Medical School legt den Schluss nahe, das Vulvodynie verbreiteter ist als bisher gedacht. Rund die Hälfte der rund 1.000 Befragten gab an, schon unter Schmerzen im Genitaltrakt während des Geschlechtsverkehrs gelitten zu haben. 27,9% der Frauen berichteten von Schmerzen im Scheidenvorhof; bei 3% dauerten die Beschwerden länger als drei Monate.
Oft verwechselt: chronischer Scheidenpilz und Vulvodynie
"Viele Symptome einer Vulvodynie ähneln denen einer chronischen Scheidenpilzinfektion", erläutert Frauenärztin Anja Oppelt. "Doch bei einer Vulvodynie fehlt der Ausfluss, außerdem ist die Scheide oft nicht gerötet." Im Internet kursiert das Gerücht, dass Tabletten und Salben gegen Scheidenpilz zu Vulvodynie führen können. Dem erteilt die LIFELINE-Expertin eine klare Absage: "Vulvodynie wird nicht durch Anti-Pilzmedikamente verursacht." Lokal angewandte Mittel könnten zwar Brennen und Rötungen zur Folge haben, wenn die Frau allergisch auf sie reagiert. In so einem Fall aber ist der Grund der Beschwerden klar - im Gegensatz zur Vulvodynie. Für sie liegt eben keine medizinische Ursache vor. Die Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe räumt allerdings ein, dass Vulvodynie "nicht selten über lange Zeit erfolglos antimykotisch behandelt wird. Hier sind andere therapeutische Maßnahmen notwendig."
Vulvodynie ist schwer zu therapieren
Die Behandlung von Vulvodynie ist vertrackt, da wenig über die Ursachen bekannt ist. Vielmehr existieren verschiedene Theorien. Ein Ansatz macht Nervenreizungen oder -entzündungen, ein weiterer dauernde Anspannung der Beckenbodenmuskeln verantwortlich. Auch werden falsche Intimhygiene mit reizenden Stoffen und hormonelle Faktoren diskutiert. Andere Mediziner sehen Vulvodynie als psychosomatische Erkrankung, die z.B. auf Probleme in der Partnerschaft deuten kann. "In so einem Fall kann es sinnvoll sein, eine Frau an einen Sexualtherapeuten zu überweisen", urteilt Gynäkologin Oppelt. "Oft empfiehlt sich auch eine eingehende Untersuchung durch einen Hautarzt." Anderen Betroffenen helfen antidepressive Medikamente, die die Kontrolle der Nervensensitivität verbessern, Beckenbodentraining mit Biofeedback oder Entspannungstechniken, um mit den Schmerzen besser umzugehen. In der Regel ist die Therapie von Vulvodynie mit viel Ausprobieren verbunden. Deswegen heißt es für Betroffene und Ärzte: nicht die Geduld verlieren.
(mj)
Quellen: BSMO-Gespräch mit Dr. Anja Oppelt, Gynäkologin und LIFELINE-Expertin und nach Informationen von Eurekalert, des Journal of Lower Genital Tract Disease, der Leitlinien der Deutschen Dermatologischen Gesellschaft, der Deutschsprachigen Mykologischen Gesellschaft und der Arbeitsgemeinschaft für Infektionen und Infektionsimmunologie (AGII) der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe sowie des Familienplanungsrundbriefes 07/04 von Pro Familia












