Zweifelhafte Anti-Pilz-Diät

Zimtsterne, Stollen, Plätzchen – bei Scheidenpilz tabu?

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Zimtsterne gehören zur Vorweihnachtszeit wie Glühwein oder süße Plätzchen, doch bei Scheidenpilz wurde lange empfohlen, auf Zucker zu verzichten.
Getty Images/iStockphoto

Keine Süßigkeiten bei Scheidenpilz - diese Empfehlung hält sich hartnäckig. Doch wer will schon in der Vorweihnachtszeit auf Lebkuchen, Plätzchen und Co. verzichten? Neueren wissenschaftlichen Erkenntnissen zufolge ist eine streng zuckerarme Ernährungsweise, wie sie bei der Anti-Pilz-Diät empfohlen wird, nicht vielversprechend im Kampf gegen eine Pilzerkrankung. Tatsächlich stehen heute weitaus modernere Behandlungs- und Vorbeugemaßnahmen zur Verfügung.

Doch Frauen, die zu Scheidenpilz neigen, ergreifen oft jeden Strohhalm, um eine erneute Infektion zu vermeiden. Eine Empfehlung, die als Vorbeugemaßnahme häufig gegeben wird, ist, auf Süßigkeiten möglichst zu verzichten. Eine Maßnahme, die auf Professor Hans Rieth zurückgeht, einem altbekannten Mykologen (Experten für Pilzerkrankungen), der vor allem in den 1980er und frühen 1990er Jahren von sich reden machte.

Was ist eine „Anti-Pilz-Diät“?

Die Anti-Pilz-Diät basiert auf der Annahme, dass sich Scheidenpilzerreger vom Darm in die Scheide ausbreiten und dort für ständig wiederkehrende Scheidenpilzinfektionen sorgen können. Die Anti-Pilz-Diät nimmt eben diese Mikroorganismen im Darm ins Visier: Mit einer streng zuckerarmen Diät soll den Pilzen, die sich im Darm von Zucker ernähren, die Nahrungsgrundlage entzogen werden. Dadurch werde sich die Zahl der Pilzerreger im Darm minimieren - und damit ein wesentlicher Risikofaktor für wiederkehrende Scheidenpilzinfektionen, so die These. Auf der „roten Liste“ dieser traditionellen Diät stehen Lebensmittel wie etwa:

  • Zucker
  • Zuckerhaltige Speisen (also auch Kekse, Schokolade)
  • Fruchtzucker (also auch Früchte, Fruchtsäfte)
  • Ballaststoffarme Kohlenhydrate (z.B. Weißmehlprodukte wie polierter Reis, Nudeln oder Weißbrot)

Ballaststoffreiche Kohlenhydrate wie Vollkorngetreide, Hülsenfrüchten oder Kartoffeln werden im Rahmen der Anti-Pilz-Diät hingegen empfohlen. Der Grund: Die Ballaststoffe würden die Darmpassage beschleunigen und so zu einer verbesserten Ausscheidung der Pilzerreger aus dem Darm beitragen.

Doch was ist wirklich dran, an dieser Diät? Ist es lohnenswert, sich selbst in der Vorweihnachtszeit mit all ihren süßen Verlockungen regelrecht zu kasteien?

Beurteilung aus heutiger Sicht: Anti-Pilz-Diät größtenteils überholt

Nachdem die Anti-Pilz-Diät noch in den 1990iger Jahren allgemein propagiert wurde, ist sie heute eher ins Kreuzfeuer der Kritik geraten. Denn ihre Wirksamkeit zur Vorbeugung von Scheidenpilzinfektionen gilt wissenschaftlich bislang nicht belegt. Die Studienergebnisse sind vielmehr widersprüchlich.

Daneben gibt es weitere Argumente, die gegen eine allgemeine Empfehlung der Anti-Pilz-Diät sprechen. So weisen Frauen ohne Scheidenpilz Darmbesiedlungen oder auch Besiedlungen der Scheide mit Scheidenpilzerregern auf. Deshalb wird heute weniger die Besiedelung mit Pilzerregern als vielmehr die Infektabwehr, abhängig vom individuellen Immunstatus oder ein gestörtes Scheidenmilieu als Ursache wiederholter Scheidenpilzinfektionen angesehen. Die Anti-Pilz-Diät als Allroundempfehlung für Frauen mit häufigem Scheidenpilz muss daher je nach Fall überdacht werden.

Die Alternative: Moderne Pilzbehandlung und Vorbeugung

Wer selbst zu Scheidenpilzinfektionen neigt oder öfter akut unter den typischen Beschwerden wie Juckreiz, Brennen oder Ausfluss leidet, sollte eher auf moderne Behandlungsmethoden setzen. Experten empfehlen zur Akutbehandlung die Anwendung vonSalben und Vaginaltabletten Antipilzmitteln wie Salben und Vaginaltabletten mit dem Wirkstoff Clotrimazol (wie in KadeFungin 3, rezeptfrei), die in der Regel über drei Tage angewendet werden.

Die Behandlung des Scheidenpilzes sollte am besten beginnen, sobald sich die ersten Symptome zeigen. Nach einer erfolgreich durchgeführten Akut-Behandlung empfehlen Experten, die Vaginalflora zu regenerieren und zu stabilisieren, um erneuten Scheidenpilzinfektionen vorzubeugen. Hier hat sich die Anwendung einer Milchsäurekur etwa als Gel bewährt.

Autor: Lifeline
Letzte Aktualisierung: 09. Dezember 2013

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