Hausmittel gegen Scheidenpilz
Oft mehr Schaden als Nutzen
Viele Hausmittel gegen Scheidenpilz stammen aus der Küche. Da sollten sie auch bleiben! Denn Knoblauch und Essig tun der Scheidenflora gar nicht gut, sondern reizen sie zusätzlich zur bestehenden Infektion. Auch Naturjoghurt ist kein guter Tipp unter Freundinnen. Häufig ist er mit Keimen belastetet und kann selbst zur Infektionsquelle werden.
Knoblauch – Schärfe stört das Scheidenmilieu
Als das Jucken im Genitalbereich unerträglich wurde, erinnerte sich Silvia R. an ein Hausmittel. "Ich habe eine Knoblauchzehe in die Scheide gesteckt und alle paar Stunden erneuert. Schon am nächsten Tag ließen die Beschwerden nach." Das klingt vielversprechend – ganz zu Unrecht. Mediziner raten davon ab, eine Pilz- oder Bakterieninfektion mit Knoblauch in der Vagina zu bekämpfen. "Das Gewürz ist zu scharf und stört das Scheidenmilieu", erklärt Dr. Anja Oppelt, Gynäkologin und LIFELINE-Expertin. Gleich der biblischen Redewendung wird so versucht, den Teufel mit dem Beelzebub auszutreiben. Denn Knoblauch greift die Milchsäurebakterien (Laktobazillen) in der Vagina an. Die aber verhindern gerade das Vermehren von Hefepilzen, das zur Infektion führt. Naturheilkundlich orientierte Frauenärzte empfehlen bei chronischem Scheidenpilz zwar reichlich Knoblauch – allerdings auf dem Speiseplan. Wie Zwiebeln, Kümmel oder Meerrettich gilt das Liliengewächs als pilzhemmend. Eine konventionelle Behandlung einer Vaginalmykose ersetzt dies nicht.
Essigwasser schädigt die Vaginalflora
Hartnäckig hält sich die Meinung, dass Essigwasser gegen Scheideninfektionen hilft. Ob als Spülung oder mit einem Tampon in die Vagina gebracht, soll Obstessig Pilzen und Bakterien den Garaus machen. Die Idee dahinter: Bei einer Infektion erhöht sich der pH-Wert der Scheide – Ansäuern senkt ihn wieder. Falsch gedacht, befinden Frauenärzte. Vielmehr zerstört Essig meist die empfindlichen Bakterienkulturen auf der Oberfläche der Schleimhaut. Als Folge kann das gesunde Scheidenmilieu sich nur langsam wieder aufbauen. "Von solchen Selbstversuchen sollte jede Frau die Finger lassen", warnt Dr. Albrecht Scheffler vom Berufsverband der Frauenärzte in Berlin.
Teebaumöl reizt die Schleimhäute
Teebaumöl hat in den vergangenen Jahren einen Boom erlebt. Kaum ein Arzneischrank, in dem nicht ein Fläschchen steht, um bei Hautproblemen oder Verdauungsbeschwerden zum Einsatz zu kommen. Auch gegen Scheidenpilz wird es gepriesen. Viele Gynäkologen sind jedoch skeptisch. Teebaumöl reizt die Schleimhäute der Vagina, urteilt etwa Dr. Helga Seyler, Frauenärztin bei der Beratungsstelle "Pro Familia" in Hamburg. Das bekommt ihnen nicht gut - schon gar nicht als Zugabe zu einer Pilzinfektion.
Frischer Joghurt nährt die Vagina
Stichwort Joghurt: Er enthält Laktobazillen, die in einem gesunden Scheidenmilieu dafür sorgen, dass Pilze sich nicht über Gebühr vermehren können, und eine Infektion entsteht. In Joghurt getauchte Tampons gelten daher bei vielen Frauen als Geheimtipp gegen Scheidenpilzinfektionen. Viele Gynäkologen raten von dieser Methode ab – nicht nur, weil ein Tampon die Schleimhäute austrocknet. Frauenarzt Scheffler hält eine Joghurtbehandlung sogar für gefährlich. Im Joghurt befänden sich nicht nur erwünschte Bakterien. Er kann als Nährboden für andere Keime dienen, die in der Vagina nichts zu suchen haben – bis hin zum typischen Scheidenpilz-Erreger Candida albicans. Außerdem befinden sich auch in Naturjoghurt chemische Zusätze oder konservierende Mittel, die der Vaginalflora nicht zuträglich sind. Sicherer als selbst herumzudoktern, ist es, einen Apotheker um Rat zu fragen. Tritt eine Pilzinfektion zum ersten Mal, sollte eine Frau besser einen Gynäkologen konsultieren, um die Symptome eindeutlich abklären zu lassen.
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