Akuter, wiederkehrender und chronischer Scheidenpilz: Wie kommt es dazu?

Mund, Scheide, Darm: Wenn die Pilze überall sind

Woran liegt es, dass manche Frauen immer wieder an Scheidenpilz erkranken? Diese Frage gibt Patientinnen und Ärzten in vielen Fällen Rätsel auf. Wissenschaftler konnten nachweisen, dass sich bei Betroffenen auch vermehrt Pilze am Po, im Darm und Mund finden. Oft ist der Partner ebenfalls infiziert - ohne es zu merken.

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Bei chronischem Scheidenpilz sollte auch der Partner untersucht werden.
Getty Images/Wavebreak Media

Studien zeigen: Bei Frauen mit wiederkehrendem Genitalpilz siedeln auch vermehrt Keime an anderen Körperstellen. So identifizierten schwedische Mediziner bei 41 Prozent der Patientinnen auch Pilze am Gesäß und bei 28 Prozent im Darm. Litten die Frauen akut an einer Pilzinfektion, stieg die Häufigkeit deutlich an: Bei 74 Prozent der Untersuchten stellten die Wissenschaftler auch Hefepilze am Po fest, bei 52 Prozent im Darm. Eine Quelle für Neuansteckung? "Es ist bekannt, dass Pilze aus dem Darm durch so genannte Schmierinfektionen in die Scheide gelangen können", sagt Dr. Anja Oppelt, Gynäkologin und Lifeline-Expertin.

Eine Darmbehandlung sei jedoch normalerweise nicht erforderlich, betont die Arbeitsgemeinschaft für Infektionen und Infektionsimmunologie der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe. Auch von Antipilzdiäten raten die Fachleute ab, denn ihre Wirksamkeit auf das Darmmilieu ist wissenschaftlich nicht belegt.

Umsichtige Genitalpflege beugt Schmierinfektionen vor

Um Schmierinfektionen zu verhindern, helfe vor allem richtige Intimhygiene, erklärt Dr. Oppelt. Konkret heißt das: Nach dem Stuhlgang immer von vorne nach hinten wischen. Im Genitalbereich keine Seife verwenden. Keine Sitzbäder nehmen. Dr. Oppelt: "Bei empfindlichen Frauen können Tampons das natürliche Scheidenmilieu stören und eine Pilzinfektion begünstigen. Möglicherweise hilft der Faden Keimen sogar beim Aufsteigen." (Mehr zur richtigen Intimhygiene: Weniger ist viel, viel mehr)

Die Scheide gesund erhalten

 

Während der Monatsblutung seien Frauen sowieso anfälliger für Infektionen, da die Scheide trockener ist als sonst. Die Frauenärztin empfiehlt daher gegen Ende der Periode auf Binden umzusteigen. In ihrer Studie sahen die schwedischen Wissenschaftler sehen einen Zusammenhang mit mangelnder Hygiene bei Analsex und engen Hosen. Beides begünstigt ihrer Meinung nach das Verschleppen von Pilzsporen in die Scheide.

Die Zunge als Drehscheibe für Pilzinfektionen

"Der Mund ist eindeutig ein Reservoir für Scheidenpilz", berichtet Frauenärztin Oppelt. Untersuchungen zeigen: Frauen mit chronischen Infektionen haben denselben Pilz, den sie in der Vaginalschleimhaut haben, meist auch in der Mundhöhle. Allerdings verursacht er dort häufig keine Beschwerden. Diese Ansteckungsquelle wird daher oft vernachlässigt. Doch die Mundhöhle und insbesondere die Zunge als Drehscheibe weiterer Übertragung dürfe nicht unterschätzt werden, schreibt Professor Eiko E. Petersen in seinem Lehrbuch "Infektionen in Gynäkologie und Geburtshilfe". Keime können beim Küssen und beim Oralsex übertragen werden.

Petersen empfiehlt Ärzten daher, Abstriche aus dem Mund der Patientin und ihres Partners sowie von dessen Penis zu nehmen. Findet sich beim Mann der gleiche Pilzstamm wie bei der Frau, muss er auf jeden Fall behandelt werden.

Autor: Lifeline
Letzte Aktualisierung: 08. Mai 2015
Quellen: Mardh PA, Novikova N, Stukalova E, Colonisation of extragenital sites by Candida in women with recurrent vulvovaginal candidosis, Department of Obstetrics and Gynecology, University Hospital and Lund University, BSMO-Gespräch mit Dr. Anja Oppelt, Gynäkolo

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