Trockene Scheide

Wie eine Frau ihre Intimregion am besten pflegt

Es juckt, es brennt und Sex tut weh – eine trockene Scheide kann einer Frau ganz schön zusetzen. Mit der richtigen Behandlung und Pflege lässt sich das Problem oft jedoch lösen.

Scheidentrockenheit erhöht Infektionsgefahr

Eine trockene Scheide ist ein Thema, über das betroffene Frauen nicht so gerne reden. Dabei beeinträchtigt das Übel nicht nur das Wohlbefinden und Spaß am Sex für beide Partner. Ihre natürliche Feuchtigkeit schützt die Vagina auch vor Krankheiten wie Pilz- und anderen Infektionen. Es macht daher gleich mehrfach Sinn, für eine gesunde Feuchtigkeit in der Scheide zu sorgen.

Schritt Nummer eins ist dabei, gemeinsam mit dem Arzt herauszufinden, warum die Scheide nicht über genügend Feuchtigkeit verfügt, und dann die richtige Behandlung und Pflege einzuleiten. Häufig tritt Scheidentrockenheit infolge einer Pilzinfektion auf.

Milchsäureprodukte sind erste Wahl nach einer Pilzinfektion

Wenn Frauen nach einer Pilzinfektion über eine trockene Scheide klagen, ist das eine Folge der Entzündung. Denn der Pilz schilfert die oberste Hautschicht in der Vagina ab. Davon erholt sich die Haut nur langsam, da sie Zellschicht für Zellschicht wieder aufbauen muss. „Das dauert in der Regel drei bis fünf Wochen“, sagt LIFELINE-Expertin Dr. Anja Oppelt. Um den Körper dabei zu unterstützen, kann die Frau Produkte, die Milchsäure enthalten (z. B. eine Milchsäurekur), in ihre Scheide einführen. Diese säuern das Milieu in der Vagina an – so wie es bei einer gesunden Frau von Natur aus der Fall ist. Dadurch wird die Scheidenflora regeneriert und stabilisiert, Pilze und Bakterien in Schach gehalten sowie Infektionen verhindert.

Bei Milchsäureprodukten haben Kundinnen derzeit die Wahl zwischen Gel, Tabletten und Zäpfchen. Welche Form am besten wirkt, müsse eine Frau ausprobieren, sagt Dr. Oppelt: „Die Verträglichkeit kann unterschiedlich sein.“ Ein Vorteil von Milchsäure-Gel ist jedoch, dass es Kondome unversehrt lässt. Milchsäure-Zäpfchen hingegen können Latex angreifen. Außerdem ist hier der zusätzlich befeuchtende Aspekt zu beachten, der insbesondere bei einer Scheidentrockenheit wichtig ist. Zäpfchen und Tabletten führen der Scheide keine zusätzliche Feuchtigkeit zu.

Falls es mit einem Milchsäurepräparat allein nicht gelingt, die Schleimhaut der Scheide zu regenerieren, „kann eine Frau zusätzlich für eine gewisse Zeit ein Östrogenpräparat verwenden", rät LIFELINE-Expertin Oppelt. Das empfiehlt die Ärztin insbesondere auch Frauen, die immer wieder an Scheidenpilz erkranken, da deren Schleimhaut entsprechend malträtiert ist.

Östrogenpräparate helfen in den Wechseljahren und nach einer Geburt

Bei Frauen in und nach den Wechseljahren ist meist die hormonelle Umstellung schuld, wenn eine Scheidentrockenheit auftritt. Da der Östrogenspiegel sinkt, verändern sich die Eigenschaften der Haut in der Scheide. Sie ist schlechter durchblutet, kann an Elastizität verlieren und sich mit der Zeit zurückbilden. Zudem produzieren die Drüsen im Gebärmutterhals weniger Schleim. Die Folge ist eine so genannte Scheidenatrophie.

Auch bei Frauen, die noch nicht in den Wechseljahren sind, kann ein niedriger Östrogenspiegel Ursache für eine trockene Scheide sein. Oft klagten darüber Frauen, die lange eine Antibabypille genommen haben, berichtet Dr. Oppelt. Das enthaltene Pillen-Östrogen Ethinylestradiol könne in der verwendeten niedrigen Dosierung dazu führen, dass in der Scheide zu wenig Östrogen vorhanden und die Schleimhaut dünner und weniger ausgereift sei.

Stillende Frauen litten ebenfalls oft an einer trockenen Scheide, sagt Dr. Oppelt. Denn nach einer Geburt fällt der Östrogenspiegel stark ab und bleibt niedrig, solange die Frau ihr Kind stillt. Das kann sich auch in der Vagina bemerkbar machen.

Um eine Scheidentrockenheit zu behandeln, die aus einem niedrigen Östrogenspiegel resultiert, gibt es Arzneimittel, die eine geringe Dosis Östrogen enthalten. Da Frauen sie lokal anwenden, wirken die Hormone nicht auf den ganzen Körper. Sie stellen keine Hormontherapie dar, und Gynäkologen halten mögliche Bedenken daher für unbegründet. Östrogenpräparate für die Vagina gibt es als Creme, Zäpfchen und Ovulum.


Quelle: Nach Informationen von Dr. Anja Oppelt, LIFELINE-Expertin und Gynäkologin, sowie Dr. Kade Pharmazeutische Fabrik
Autor: Springer Medizin
Stand: Sep 15, 2009


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