Duschen, baden, waschen
Wann die Gesundheit im Bad ein Wörtchen mitreden sollte
Manchmal verbieten Gynäkologen Vollbäder, um einer Infektion vorzubeugen. Bei Scheidenpilz spricht aber nichts dagegen, in die Wanne zu steigen. Mit Seifen und Intimsprays sollte eine Frau jedoch vorsichtig sein.
Badeverbot gegen Keime
Tanja* staunte, als sie den Hinweiszettel ihres Frauenarztes las. Dort stand, dass sie bis zur nächsten Monatsblutung kein Vollbad nehmen soll. So ein Badeverbot ist nach einer Ausschabung der Gebärmutter üblich und die hatte Tanja gerade hinter sich. "Wannenwonnen" sind aber auch nach anderen gynäkologischen Eingriffen tabu. Nämlich immer dann, wenn der Doktor den Muttermund aufdehnen muss, um mit seinen Instrumenten in der Gebärmutter arbeiten zu können, erklärt Frauenärztin und LIFELINE-Expertin Dr. Anja Oppelt. Das ist etwa bei einer Gebärmutterspiegelung der Fall, bei einem Schwangerschaftsabbruch, bei manchen Geburten und gelegentlich beim Einsetzen einer Verhütungsspirale. Badeverbot gilt auch für Frauen während des Wochenbettes. "In der Scheide sind immer Keime vorhanden", berichtet Expertin Oppelt, "und durch das Badeverbot soll verhindert werden, dass sie aufsteigen und zu einer Infektion der Gebärmutter führen können." Damit ist nicht zu spaßen: Eine Gebärmutterentzündung ist oft sehr schmerzhaft und kann im schlimmsten Fall zu Unfruchtbarkeit führen.
Nach OP nur duschen
Wer das Gesundheitsrisiko kennt, versteht, dass auch Sitzbäder und Besuche im Schwimmbad erst einmal unterbleiben müssen, wenn der Muttermund aufgedehnt wurde. Geschlechtsverkehr ist ebenfalls tabu, und die Frau darf keine Tampons anwenden. "Beides könnte Keime einschleppen", erklärt Oppelt. Für wie lange der Arzt einen vorsichtigen Lebensstil und Duschen anmahnt, hängt vom Eingriff ab. Bei einer Operation über die Scheide sind es etwa sechs Wochen, bei einer Ausschabung etwa vier und bei einer Spiegelung der Gebärmutterhöhle rund eine Woche. Fachfrau Oppelt nennt als Regel: Wenn der Ausfluss versiegt, ist die Schonzeit vorüber. Dann darf die Frau wieder in die Wanne steigen und so viel Sex haben, wie sie will.
Sind Keime einmal trotz der Vorsichtsmaßnahmen in die Gebärmutter gelangt, kann eine Frau das zu allererst an einem dünnflüssigen, übel riechenden Ausfluss bemerken. "Später kommen Schmerzen im Unterleib, allgemeines Unwohlsein und manchmal auch Fieber hinzu", sagt Oppelt. Bei diesen Anzeichen muss eine Frau auf jeden Fall ihren Gynäkologen aufsuchen und sich behandeln lassen.
Seife strapaziert die Scheide
Weißer, bröckeliger Ausfluss kann ebenfalls ein Grund für einen Termin beim Gynäkologen sein. Nämlich dann, wenn die Frau sich nicht sicher ist, ob eine Pilzinfektion dahinter steckt. Hat sie schon Erfahrung mit Scheidenpilz sammeln müssen, kann sie die Infektion in Eigenregie mit so genannten Antimykotika aus einer Apotheke therapieren. Bringt das aber keinen Erfolg, muss sie zum Arzt. Eine gute Nachricht: Während der Dauer der Behandlung sind Vollbäder erlaubt!
Eine Frau, die zu Scheidenpilz neigt, sollte aber ihre Intimhygiene kritisch überprüfen. Häufiges Waschen mit Seifen oder aggressiven Duschgels sowie der Gebrauch von Intimsprays schädigen die normale Flora im Genitalbereich und machen es Pilzen leicht, eine Infektion zu entfachen. Die wichtigste Prophylaxe von Scheideninfektionen sei jedoch, nach dem Toilettengang immer von vorne nach hinten zu wischen, sagt Oppelt. Darmkeime können so erst gar nicht in die Vagina gelangen.
* Name geändert












