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Bidet & Dusch-WC

Kleine Kulturgeschichte der kultivierten Intimpflege

Bidets ermöglichen eine schonende Anal- und Genitalhygiene. Das hält gesund und unterstützt die Heilung bei Scheidenpilz und Hämorrhoidenleiden.

Fidel Castro verdankt einem Bidet sein Leben

Kaum einer weiß, dass ein Bidet Zeitgeschichte geschrieben hat: Damals, im Jahre 1959, war Marita Ilona Lorenz die Geliebte von Fidel Castro. Achteinhalb Monate dauerte die Liaison zwischen der Deutschen und dem kubanischen Revolutionsführer. Später sollte Marita Ilona Lorenz den Cubas Regierungschef im Auftrag von CIA und Mafia vergiften. Sie aber warf die Pillen aus Liebe ins Bidet, und Castro blieb der Welt erhalten. Wenig bekannt ist auch über die Entstehung des Bidets: Als einfaches Sitzbecken soll es schon in der Antike bekannt gewesen sein. Zum Spülen der Vagina vor und nach dem Koitus werde es in griechischen Eheverträgen erwähnt, berichtet das Museum für Verhütung und Schwangerschaftsabbruch in Wien. In seiner heutigen Form sollen französische Möbelbauer es im späten 17. oder frühern 18. Jahrhundert erfunden haben. Zu dieser Zeit stand das Bidet noch im Schlafzimmer. Erst als sich im 20. Jahrhundert die Sanitärtechnik entwickelte, wanderte das Sitzwaschbecken ins Badezimmer. Heutzutage ist das Bidet in Südwesteuropa, den arabischen Ländern und Lateinamerika ein selbstverständliches Badutensil, in Deutschland hat es sich noch nicht durchgesetzt. Ein Manko, dass Ausländer die Nase über die Unsauberkeit der Deutschen rümpfen lässt.

Wasser reinigt sanfter als Toilettenpapier

Wer zum ersten Mal ein Bidet sieht, hält es in der Regel für eine neuartige Toilette. Doch: Zunächst geht es aufs WC und danach erst aufs Bidet. Das Sitzwaschbecken dient nämlich dazu, After und Genitalien zu reinigen. Doch anders als die alten Griechen glaubten, kann ein Bidet keine Schwangerschaft verhüten. Dennoch sprechen handfeste Vorteile für das Badmöbel: Es reinigt gründlicher als Toilettenpapier und ist dabei schonender. Das kommt Menschen mit Hämorrhoidenleiden und Frauen mit Scheideninfektionen zugute, aber auch älteren und behinderten Leuten, die in ihren Bewegungen eingeschränkt sind. Der Gebrauch ist ganz einfach: Man setzt sich aufs Bidet - entweder mit dem Kopf zum Wasserhahn oder andersherum. Das Becken lässt sich mit einem Stöpsel verschließen und füllen. Die meisten Benutzer aber bevorzugen das Waschen unter laufendem Wasser.

Geduscht und gefönt nach dem WC-Gang

Bidets gibt es inzwischen in verschiedenen Varianten – als Standmodell oder an die Wand gehängt. Einige besitzen Armaturen, andere eine Düse, aus der Wasser sprüht. Außerdem lässt sich eine Toilette zum Bidet umrüsten. Solche „Dusch-WCs" werden hinten am Klosett befestigt. Sie können zwei Düsen haben: eine kurze zum Säubern des Afters und eine lange, mit der Frauen ihre Intimzone reinigen können. Einige Dusch-WCs haben sogar beheizte Sitzflächen und eingebaute Lufttrockner, die Po und Scheide nach dem Abduschen fönen. Bei Analerkrankungen raten Ärzte durchaus zum nachträglichen Einbau eines Dusch-WCs. Patienten mit Hämorrhoidenerkrankungen, polypenartigen Bildungen, einem Vorfall, Inkontinenz und entzündlichen Erkrankungen der Haut in dieser Region profitierten davon, urteilt Prof. Alfred Huber, Chirurg am Zentrum für Proktologie der Confraternität Wien. „Im Sinne einer guten Vorsorge kann gesagt werden, dass bei einer großen Zahl von Menschen durch prophylaktische Analhygiene mit Hilfe eines Dusch-WC viele Erkrankungen im Afterbereich verhindert werden können", sagt er. Und „bei bestehenden Krankheiten, wie Hämorrhoiden, leistet das Dusch-WC einen wichtigen Beitrag zur Heilung".

Abbrausen verhindert das Verschleppen von Keimen

Der Wiener Gynäkologe Dr. Franz Fischl hält Dusch-WCs gerade für Frauen empfehlenswert: „Neben einer angenehmen, hygienischen Reinigung im Analbereich hat es auch eine Art Bidetfunktion, womit es ebenso für die hygienische, einfache Säuberung des äußeren Genitalbereiches sehr gut verwendet werden kann, besonders während der monatlichen Regelblutung. Liegen doch der Analbereich und die Scheidenöffnung sehr nah beieinander, wodurch eine Keimverschleppung bei der ‚klassischen Säuberung’" leichter möglich ist als bei der Verwendung eines Dusch-WCs." Tatsächlich gelangen Bakterien und Pilze aus dem Darm oft durch eine Schmierinfektion in die Scheide. Gynäkologen werden daher nicht müde zu betonen, dass Frauen nach dem Stuhlgang stets von vorn nach hinten wischen sollten. Zudem raten Ärzte gerade Frauen mit Neigung zu Scheidenpilz von Sitzbädern dringend ab. Für Pilzgeplagte sind Dusch-WCs, aber auch herkömmliche Bidets, daher eine gute Ergänzung ihrer Intimhygiene. (mj)


Quelle: Nach Informationen von hausgarten.net, wc-bidet.com, balena.de und dem Museum für Verhütung und Schwangerschaftsabbruch in Wien
Autor: Springer Medizin
Stand: Jul 3, 2008


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