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Genitalpiercing

Auch Pilze finden Intimschmuck anziehend

Gepiercte Frauen sind anfälliger für Scheidenpilz – auch weil Keime sich gerne ans genitale Geschmeide klammern. Richtige Piercingpflege ist daher ein Muss.

Gereizte Haut, schutzlose Haut

Keesha ist ratlos: Sie hat seit zirka einem Jahr ein Piercing in der Klitorisvorhaut. "Leider habe ich seither des öfteren Probleme mit Pilzinfektionen", berichtet sie im Internet. Das sei vorher nur ganz selten der Fall gewesen. „Jetzt hab ich mir natürlich Gedanken gemacht, ob das wirklich etwas mit dem Piercing zu tun haben könnte?! Auf Hygiene und so was achte ich natürlich weiterhin ohne es zu übertreiben, sprich die Scheidenflora zu zerstören." Keesha ist nicht allein mit diesem Problem. Frauen, die ein Intimpiercing tragen, seien anfälliger für Infektionen mit Scheidenpilz, berichtet LIFELINE-Expertin Dr. Anja Oppelt. Der Grund: Die Haut um das Piercing ist gereizt, Scheuern an der Kleidung und leidenschaftliche Liebesspiele können den Effekt noch verstärken. Außerdem reagierten viele Frauen empfindlich auf das Metall des Piercings, beobachtet die Gynäkologin in ihrem Arbeitsalltag. Das gelte sogar für Materialien, die in dem Ruf stehen, selten eine Allergie auszulösen wie Titan, Weißgold oder Platin.

Piercing – Rettungsring für Keime

Hat sich ein Scheidenpilz erst einmal breit gemacht, ist es für gepiercte Frauen oft schwer, die Infektion wieder loszuwerden. Wer zu Pilzerkrankungen neigt, sollte sich besser erst nicht in der Intimzone piercen lassen, rät Doktor Oppelt. Die Sporen klammerten sich an den Piercingring und setzten sich im Stichkanal fest, sagt die Gynäkologin. Ein Problem: Das Loch für das Piercing lässt sich schwer reinigen. Ein weiteres Problem: Die meisten Frauen wollen den Ring nicht herausnehmen – auch wenn sich ihre Haut entzündet hat. "Sie fürchten, dass der Stichkanal wieder zuwächst", erklärt Oppelt. Eine berechtigte Sorge. „Doch das Piercing muss entfernt werden, damit die Wunde heilen kann." Bei einer schweren Infektion sollte das vorsichtshalber ein Arzt übernehmen, damit die Entzündung nicht eingeschlossen wird. Dann Stichkanal und Piercing reinigen – am besten mit einem sanften Desinfektionsmittel aus der Apotheke. Damit die Wunde schnell heilt, empfiehlt Oppelt außerdem Sitzbäder mit Meersalz.

Ohne Sex und Sauna in Ruhe heilen lassen

Frische Intimpiercings entzünden sich besonders häufig und schüren damit das Risiko für eine Scheidenpilzinfektion. Um das zu verhindern, sollte eine Frau die Pflege ihres neuen Schmucks sehr ernst nehmen. Oberstes Gebot dabei ist Reinlichkeit. Die Wunde und das Piercing niemals mit ungewaschenen Fingern berühren! Zwei Mal täglich Wundsekret und Verkrustungen vorsichtig mit einem in Wasser oder in eine Pflegelösung getauchten Wattestäbchen entfernen. Dann das Wunddesinfektionsmittel auf beide Seiten des Stichkanals auftragen und den Schmuck vorsichtig bewegen, damit das Mittel auch in den Wundkanal gelangt. Er braucht 4-12 Wochen zum Heilen, bei der äußeren Wunde dauert es 2-6 Wochen. Während dieser Zeit gilt: kein Sex, keine Sauna, kein Schwimmbad, kein Solarium. Außerdem nicht baden, sondern nur duschen und dabei maximal eine sanfte, unparfümierte Waschlotion verwenden. Wichtig: Das Piercing während der Heilungsphase nicht herausnehmen.

Nach dem Liebesakt ist vor dem Putzakt

Bis ein Intimpiercing ganz und ganz abgeheilt ist, sollte Sex nur mit Kondom stattfinden, raten Piercer. Das schützt den Stichkanal vor Verunreinigungen. Auch später, wenn die Wunde verheilt ist, macht es Sinn, das Piercing nach dem Liebesakt zu säubern, damit Sperma, Scheidensekret, Speichel oder Gleitgel nicht in den Stichkanal gelangen und ihn entzünden. Denn sonst heißt es womöglich mit dem Sex wieder warten, bis die Infektion abgeklungen ist.


Quelle: Nach Informationen eines BSMO-Gesprächs mit LIFELINE-Expertin Dr. Anja Opplet, piercing.de, seriouspiercing.de und der Organisation professioneller Piercer
Autor: Martina Janning
Stand: 27-06-2008




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