Herbst und Winter
Scheidenpilz - Was zieh ich an?
Im Winter werden viele Frauen vor eine Zwickmühle gestellt: Einerseits sollte die Kleidung vor allem unten herum schön warm halten, gerade bei Frauen, die häufiger unter Blasenentzündungen leiden. Andererseits gedeiht Scheidenpilz in einer warmen und feuchten Umgebung am besten. Was ist also im Winter bei der Wahl der Bekleidung zu beachten?
"Wichtig ist die richtige Unterwäsche", rät der Gynäkologe Dr. Albrecht Scheffler, Gynäkologe und Landesvorsitzender des Berufsverbands der Frauenärzte e.V. in Berlin. Wer sich mit einer Scheidenpilzinfektion herumplagt, sollte keinesfalls Stringtangas tragen, selbst wenn eine wärmende zweite Unterhose darüber gezogen wird. Das Selbe gilt für Frauen, die zu Blasenentzündungen neigen. Der String kann in der Bewegung leicht Bakterien und Pilze aus der Analgegend in Richtung Scheide und Harnröhre transportieren und so Infektionen in diesem Bereich Vorschub leisten. Reibt das Kleidungsstück die Intimgegend auch noch wund, ist der negative Effekt gleich verdoppelt: Durch die wunde Haut können Erreger wie Pilze und Bakterien leicht eindringen.
Funktionswäsche sorgt für optimales Klima
Ein weiteres Tabu unter warmer Winterkleidung sind Kunststoffdessous, die keine Feuchtigkeit abtransportieren. Viele Frauen unterschätzen, wie leicht sie auch bei Temperaturen unter Null Grad ins Schwitzen geraten, besonders wenn sie sich für den Spaziergang besonders warm eingepackt haben. Es kommt zu einer Art Staunässe, die das Wachstum der lästigen Erreger der Scheideninfektion begünstigt. Das gleiche unangenehme feuchtwarme Klima lösen Slipeinlagen aus, vor allem solche, in denen Kunststofffolien verarbeitet sind.
Doch auch Baumwollslips sind nicht immer die Lösung: Besonders beim Wintersport, wenn man so richtig ins Schwitzen gerät, saugt Baumwolle den Schweiß zwar auf. Sie speichert ihn aber auch an Ort und Stelle. Auf diese Weise bleibt die Intimzone nicht nur dauerhaft feucht. Durch die Nässe kühlt der Bereich auch noch aus, die Blutzufuhr nimmt ab und somit auch die natürliche Abwehrkraft der Schleimhaut.
Ideal für den Winter, wenn auch nicht so verführerisch wie ein Spitzendessous, ist darum so genannte Funktionsunterwäsche. Diese aus speziellen Kunstfasern gefertigte Unterwäsche nimmt den abgesonderten Schweiß auf und transportiert ihn von der Haut weg. Die Hautoberfläche bleibt trocken und weicht nicht auf. Durch den raschen Abtransport bleibt der leicht kühlende Effekt des Schweißes zwar vorhanden, da die Wäsche aber sehr schnell trocknet, wird ein dauerhaftes Auskühlen, zum Beispiel beim Warten auf den Skilift, verhindert.
Enge Hosen können Infektionen begünstigen
Doch auch was "oben drüber" getragen wird, kann die Entstehung oder Ausheilung einer Scheideninfektion beeinflussen. Enge Kleidungstücke wie Jeans drücken den Intimbereich zusammen. Dadurch wird nicht nur die Durchblutung des gesamten Bereichs vermindert. Enganliegende Hosen unterbinden zudem die nötige Belüftung des gesamten Schambereichs. Selbst bei hochwertiger Funktionsunterwäsche können so Infektionen vorangetrieben werden.
Besonderes Augenmerk sollten Patientinnen auch ihrer Schuhmode widmen. Kalte Füße führen zu einer verminderten Durchblutung des Intimbereichs. Darum können nicht nur Blasenerkrankungen entstehen, auch einer Scheideninfektion wird Tür und Tor geöffnet.
Warum also beispielsweise nicht eine warme Strumpfhose mit einem schicken Rock kombinieren? Gemeinsam mit gefütterten Stiefeln und Funktionsunterwäsche ist das ein ideales Outfit, um sich auch im Winter einen gesunden Intimbereich zu bewahren und trotzdem eine gute Figur zu machen.
(Susanne E. Kaiser/BSMO)
Quelle: Interview mit Dr. Albrecht Scheffler, Landesvorsitzender des Berufsverbands der Frauenärzte e.V. in Berlin










