Scheidenpilz-Test
Untersuchung vor der Geburt bringt Sicherheit
Gesundheit ist für Schwangere ein besonders wichtiges Thema. Schließlich tragen sie nicht nur für sich Verantwortung. Bange Fragen rundum den dicken Bauch beschäftigen Frauen ebenso wie die Geburt. Was viele nicht wissen: Eine Pilzinfektion kann sich aufs Kind übertragen. Zudem ist sie potenzieller Wegbereiter für Bakterien, die eine Frühgeburt auslösen können.
Zuerst eine gute Nachricht: Eine vaginale Infektion durch Hefepilze kann keine Frühgeburt auslösen. Sie entsteht, wenn das Scheidenmilieu gestört ist. Dieser Zustand gefällt allerdings auch anderen Keimen. Daher besteht die Gefahr, dass eine bakterielle Infektion auf einen Scheidenpilz aufsattelt. In der Tat ist ein Großteil von Frühgeburten auf unbemerkte Scheideninfektionen mit Bakterien zurückzuführen. "Deshalb ist es wichtig, eine Pilzinfektion in der Schwangerschaft nicht zu bagatellisieren, sondern zu behandeln", urteilt Thomas Gent vom Berufsverband der Frauenärzte in Hamburg. "Dabei sollte ein Gynäkologe auch schauen, ob nebenbei Bakterieninfekte da sind, die übersiedeln können." Zum Behandeln von Scheidenpilz in der Schwangerschaft eignen sich z.B. Vaginaltabletten mit dem Wirkstoff Clotrimazol. Übrigens: Entgegen einer verbreiteten Meinung betreffen Pilzinfektionen Schwangere nicht vermehrt. Im Gegenteil leiden sie sogar seltener darunter als andere Frauen. Als Gründe vermutet Gynäkologe Albrecht Scheffler weniger Partnerwechsel und Sexverzicht. Allerdings seien Schwangere grundsätzlich anfälliger für Infektionen, wenn ab der 10. Woche der Ausfluss zunimmt.
Kind kann sich bei der Geburt anstecken
Nicht immer bemerkt eine Frau, dass sie sich eine Pilzinfektion eingefangen hat. Etwa 5% der Gebärfähigen entwickeln keine Symptome, schätzt Scheffler. Passiert das während einer Schwangerschaft, steigt nicht nur das Risiko für bakterielle Infekte und eine Frühgeburt - das Kind kann sich auch anstecken. Mehrere Studien von Professor Johannes Schnell an der Frauenklinik der Universität Düsseldorf zeigten, dass der Hefepilz meist bei der Geburt übertragen wird. Die häufigsten Folgen sind Infektionen in der Mundhöhle und an Genitalien und Po. Sie lassen sich zwar mit den gängigen Anti-Pilzmitteln behandeln, aber Vorbeugen ist natürlich besser. Deshalb empfiehlt die entsprechende Behandlungsleitlinie ab der 34. Schwangerschaftswoche auf Pilze zu prüfen. Dazu nimmt ein Gynäkologe einen Abstrich aus der Scheide und lässt ein Labor eine Kultur anlegen. Das kostet die Frau zwischen 15-25 Euro, berichtet Gent. Gesetzliche Krankenversicherungen zahlen den Test nicht. Finden sich Pilze, sollte eine Therapie spätestens eine Woche vor Eintritt der Wehen gemacht werden.
Handschuh zeigt Infektion
Eine verbindliche routinemäßige Untersuchung von Schwangeren auf vaginale Infekte durch Bakterien und Pilze könnte Ansteckung und Frühgeburten verhindern. Solange jedoch so ein Screening nicht in Sicht ist, bleibt Schwangeren die Selbsthilfe. Mit einem pH-Handschuh, der im Rahmen eines Programms zur Vermeidung von Frühgeburten entwickelt wurde, können sie den Säuregehalt ihrer Scheide messen. Bei einer Infektion steigt der normalerweise saure pH-Wert der Scheidenflüssigkeit nämlich an. Stellt eine Frau eine solche Veränderung fest, sollte sie die Ursache zügig von ihrem Gynäkologen klären lassen. (mj)
Quellen: BSMO-Gesprächen mit Dr. Albrecht Scheffler vom Berufsverband der Gynäkologen in Berlin und Dr. Thomas Gent vom Berufsverband der Gynäkologen in Hamburg und nach Informationen der Leitlinie Vulvovaginal-Kandidose der Arbeitsgemeinschaft für Infektionen und Infektionsimmunologie in der Gynäkologie und Geburtshilfe (AGII) der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe, Deutschsprachige Mykologische Gesellschaft e.V., Deutsche Dermatologischen Gesellschaft und Berufsverband der Deutschen Dermatologen und nach Karger Verlags AG 1982: Vaginalmykose und perinatale Pilzinfektion









