Immer wieder Scheidenpilz

Vom beschwerdefreien Partner übertragen

Bei Frauen mit wiederkehrenden Scheidenpilzinfektionen könnte unter anderem der Geschlechtsverkehr als Infektionsquelle in Frage kommen – selbst, wenn der Partner beschwerdefrei ist.

Grundsätzlich wird Scheidenpilz nicht zu den sexuell übertragbaren Krankheiten gerechnet. Denn die Erreger kommen bei vielen Frauen natürlicherweise in der Scheide und auch in anderen Körperregionen vor. Sie können aber auch auf sexuellem Wege übertragen werden. Im Normalfall, wenn die Scheidenflora intakt ist, wird dies nicht zur Scheidenpilzinfektion führen. Ebenso kann es sein, dass der Mann den Pilz überträgt, ohne dass bei ihm selbst Beschwerden auftreten.

Scheidenpilz nach Sex keine Seltenheit

Insbesondere für Frauen, die zu Scheidenpilzinfektionen neigen, kann der Sex mit dem Partner jedoch eine fortwährende Infektionsquelle sein. Die unangenehme Folge: Nach dem Geschlechtsverkehr treten immer wieder die typischen Scheidenpilzsymptome wie Juckreiz, Brennen oder auch Ausfluss auf, auch wenn der Partner selbst keine Beschwerden hat. Scheidenpilzerreger werden allerdings nicht nur vom Penis in die Scheide übertragen. Sie können auch im Mund, im Analbereich oder Darm beider Sexualpartner auftreten, ohne Symptome zu verursachen, und durch bestimmte Sexualpraktiken in die Scheide der Frau gelangen.

„Pilzerreger können an der Penisoberfläche haften oder aus der Harnröhre des Mannes stammen und auch beim Oral- oder Analverkehr übertragen werden.“, sagt Lifeline-Expertin und Gynäkologin Dr. Anja Oppelt. Bei wiederkehrenden Scheidenpilzinfektionen der Frau könne es daher sinnvoll sein, auch Abstriche aus dem Mund beider Sexualpartner sowie vom Penis des Partners zu entnehmen und auch Harnröhre auf Scheidenpilzerreger zu untersuchen. Finden sich hier dieselben Erreger wie in der Scheide der Frau, kommt eine Übertragung auf sexuellem Wege als Ursache für die ständigen Scheidenpilzprobleme in Betracht.

Bei wiederkehrenden Scheidenpilzinfektionen auch andere Ursachen möglich

Dennoch sind Infektionen über den Partner nur eine mögliche Ursache für wiederkehrende bzw. hartnäckige Scheidenpilzinfektionen. Grundsätzlich können ein durch bestimmte Erkrankungen oder Therapien geschwächtes Immunsystem, Diabetes oder Hormonveränderungen in der Schwangerschaft oder eine erblich bedingte lokale Abwehrschwäche in der Scheide neben weiteren Risikofaktoren auch ohne Beteiligung des Sexualpartners zu ständig wiederkehrenden Scheidenpilzinfektionen führen.

Scheidenpilz behandeln

Zur Behandlung einer Scheidenpilzinfektion stehen je nach Erreger wirksame Mittel wie Clotrimazol (z.B. in KadeFungin) zur Verfügung. Diese können z.B. in Form von Vaginalcreme oder Vaginaltabletten oder als Kombination aus Creme und Vaginaltabletten angewendet werden. Entgegen früheren Empfehlungen ist es in der Regel nicht nötig und bringt auch keine Vorteile für die Frau, den Partner generell, also auf Verdacht, ebenfalls mit einem Antipilzmittel zu behandeln. Bei chronisch wiederkehrenden Scheidenpilzinfektionen sollten jedoch Penis und Harnröhre des Partners untersucht werden. Dies ist beim Urologen oder Hausarzt möglich. Finden sich dieselben Erreger wie in der Scheide der Frau, ist eine Mitbehandlung des Partners sinnvoll. Häufig kommen dabei auch Tabletten zum Einsatz, die im Gegensatz zu Cremes und Zäpfchen systemisch, also im ganzen Körper, wirken, und alle Infektionsquellen, z.B. auch Pilze im Mund oder in der Darmregion eliminieren.

Enthaltsamkeit während der Behandlung?

Wichtig ist, dass die Antipilzmittel ausreichend lange angewendet werden, damit die Erreger vollständig beseitigt werden und die Infektion nicht gleich wieder aufflammt. Während der Therapie sollte laut Experten auf Geschlechtsverkehr verzichtet werden. So besteht einerseits die Gefahr, dass die angewendeten Arzneimittel die Sicherheit von Latex-Kondomen beeinträchtigen kann, andererseits droht gerade auch bei Oral- und Analverkehr der sogenannte Ping-Pong-Effekt: „Die Pilze, die während der Therapie möglicherweise noch nicht vollständig ausgemerzt sind, können sonst von einem zum anderen Partner gelangen und man steckt sich immer wieder gegenseitig an“, so Dr. Oppelt.


Quelle: Mendling, W.: Vaginose, Vaginitis, Zervizitis und Salpingitis, Springer Verlag Heidelberg (2006), S. 119-122;
Gespräch mit LIFELINE-ExpertinDr. med. Anja Oppelt am 14.11.2011;
Hof, H.: Vaginale Candidose In: Der Gynäkologe (3) 2006, S. 206-212;
Hof, H.: Candida in der Scheide. Wann und warum entwickelt sich eine Vaginalmykose. In: MMW- Fortschr. Med. (3) 2010, S. 36;
Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (DGGG), Arbeitsgemeinschaft für Infektionen und Infektionsimmunologie in der Gynäkologie und Geburtshilfe (AGII),Deutsche Dermatologische Gesellschaft (DDG), Deutschsprachige Mykologische Gesellschaft (DMyKG): Die Vulvovaginalkandidose. Stand August 2010. URL: http://www.dggg.de/fileadmin/public_docs/Leitlinien/1-4-1-vulvovaginalkandidose-2010.pdf (10.11.2011)
Autor: Claudia Urban
Stand: Nov 17, 2011


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