
Lust & Liebe
Wenn Sex nach einer Pilzinfektion schmerzt
Der Vaginalpilz ist überstanden – endlich wieder Sex! Doch dann kommt die Ernüchterung: Das Eindringen des Partners tut weh. Zeit, der Scheide erste Hilfe zu leisten.
Erst Scheidenpilz, dann Schmerzen beim Sex
Mandy* ist ratlos: Sie hatte vor vier Monaten das erste Mal einen Scheidenpilz. Die Infektion ist sie mit einer 3-Tage-Therapie mit einem Antipilzmittel (Wirkstoff Clotrimazol) losgeworden. Ein Problem blieb jedoch bestehen. „Ich habe seitdem schlimme Schmerzen, wenn mein Freund in mich eindringen will.“ Das macht der jungen Frau sehr zu schaffen. Inzwischen plagt sie schon vor dem Sex die Angst, dass es wehtun könnte. „Ich weiß einfach nicht mehr weiter. Die Schmerzen gehen nicht weg, und ich verliere langsam die Lust am Sex“, berichtet sie LIFELINE-Expertin Dr. Anja Oppelt.
Milchsäurekur: Hilfe für angegriffene Scheidenhaut
Die Gynäkologin weiß aus den Erfahrungen in ihrer Praxis, dass Mandy kein Einzelfall ist. Viele Frauen klagen nach einer Pilzinfektion über Schmerzen beim Liebemachen. Es braucht einfach seine Zeit, bis die Scheidenhaut sich erholt. Denn ein Vaginalpilz schädigt die oberste Hautschicht - die muss der Körper Zellschicht für Zellschicht wieder aufbauen. Das dauert in der Regel drei bis fünf Wochen, berichtet Frauenärztin Oppelt. Sie empfiehlt, den Körper bei diesem Prozess mit Milchsäurepräparaten zu unterstützen. Diese helfen, das natürlich saure Milieu in der Vagina wieder herzustellen. Ein milchsäurehaltiges Gel kann gleichzeitig Feuchtigkeit spenden und Schmerzen beim Eindringen des Penis verhindern, die durch Trockenheit der Scheide entstehen. Eine spezielle Milchsäurekur zum Nachbehandeln von Scheidenpilz wird sieben Tage angewandt. Sie ist frei von Konservierungs-, Duft- und Farbstoffen, die die angegriffene Scheide zusätzlich reizen könnten.
Östrogensalben für hartnäckige Fälle
„Wenn Milchsäurepräparate allein nicht ausreichen, um die Schleimhaut der Scheide zu regenerieren, kann eine Frau für eine gewisse Zeit ein Östrogenpräparat nehmen", sagt Gynäkologin Oppelt. Das ist besonders für Frauen mit wiederkehrenden Pilzinfektionen eine Option, deren Scheidenhaut kaum dazu kommt, sich ganz zu erholen. Diese verschreibungspflichtigen Mittel, die es als Vaginalcreme und –zäpfchen gibt, bewirken den Wiederaufbau von Zellschichten und Blutgefäßen. Durch die gesteigerte Durchblutung und die veränderten Hautzellen entsteht ein gesundes, saures Milieu in der Scheide. Östrogensalben und –zäpfchen werden zunächst täglich und dann ein bis zweimal pro Woche angewandt, bis die Scheidenhaut wieder intakt ist, sagt Oppelt. Frauen, die in dieser Erholungsphase vaginalen Sex haben wollen, können sich zusätzlich mit einem Gleitmittel helfen.
Gute Zeit, um neue Sexspiele zu probieren
Wenn vaginaler Sex nach einer Pilzinfektion schmerzt, bedeutet das noch lange nicht, dass das Liebesleben auf der Strecke bleiben muss. Kreative Menschen nutzen die vermeintliche Krise als Chance für die Erotik. „Paare sollten auf andere Praktiken ausweichen, um sich wechselseitig zu befriedigen“, empfiehlt Professor Dr. Dirk Zimmer von der Tübinger Akademie für Verhaltenstherapie. Etwas Neues auszuprobieren, hat schon bei so manchem Paar ungekannten Schwung in den Liebesalltag gebracht. Wer seiner Fantasie auf die Sprünge helfen will, findet in Sexratgebern und Sexshops reichlich Anregungen.
* Name von der Redaktion geändert














