Scheidenpilz
Pillenwechsel kann helfen
"Vermehrte Vaginalinfektionen (vereinzelt)" - dieser Hinweis findet sich bei vielen Anti-Baby-Pillen auf dem Beipackzettel. Vereinzelt? Diesen Eindruck kann die Gynäkologin und LIFELINE-Expertin Dr. Anja Oppelt nicht teilen: "Ich höre relativ häufig davon." Es lohne sich darum, bei immer wiederkehrendem Scheidenpilz über einen Pillenwechsel nachzudenken.
Den Scheidenpilz hervorrufen können die Gestagene in den Pillen-Präparaten. "Es gibt Rezeptoren bei den Pilzen, die auf Gestagene reagieren", sagt Oppelt. Gestagene sind künstliche Hormone, die dem körpereigenen Progestoron (Gelbkörperhormon) nachempfunden sind und unter anderem den Aufbau der Uterusschleimhaut fördern.
Gänzlicher Verzicht ist nicht nötig
Allerdings lässt sich nicht sagen, welche Art von Gestagenen im Einzelfall den Scheidenpilz hervorrufen, meint die Gynäkologin. Es gibt Frauen, die auf ein bestimmtes Gestagen mit einer Infektion reagieren, während andere gerade dieses gut vertragen. Oft kommt es auch nicht sofort zur Pilzinfektion, sondern erst, wenn die Frau die Pille bereits etwas längere Zeit genommen hat.
Dr. Oppelt rät Frauen, die die Pille nehmen und unter häufigem Scheidenpilz leiden, ein Präparat mit einem anderen Gestagen auszuprobieren. Gänzlich auf die Pille zu verzichten, ist nicht nötig, da die Infektion nicht von der Pille als solcher hervorgerufen wird.
Nicht alle Ärzte sehen Zusammenhang mit der Pille
Es ist möglich, dass der eine oder andere Gynäkologe den Pillenwechsel für komplett überflüssig hält. Schließlich sehen nicht alle Ärzte einen Zusammenhang zwischen Pille und Scheidenpilz. Er habe in seiner zehnjährigen Tätigkeit als Gynäkologe nicht einmal erlebt, dass eine Frau von der Pille einen Scheidenpilz bekommen habe, meint etwa der Hormon-Spezialist Dr. Peyman Hadji vom Klinikum der Phillips-Universität Marburg.
Sicherlich kann eine häufige Scheidenpilzinfektion noch ganz andere Gründe haben als die Anti-Baby-Pille, meint auch Oppelt. Dennoch lohne sich ein Pillenwechsel. Sollte die Infektion trotzdem fortbestehen, weiß die Frau zumindest, dass es an der Pille offenbar nicht gelegen hat.










