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Schwangerschaft

Scheideninfektion kann Frühgeburt auslösen

Ein Scheidenpilz während der Schwangerschaft stellt kein großes Risiko für das Baby dar. Bakterielle Scheideninfektionen aber können in die Gebärmutter aufsteigen und zu Fehl- oder Frühgeburten führen. Die werdende Mutter kann selbst überprüfen, ob ihr Scheidenmilieu noch ungestört ist, lange bevor Krankheitssymptome entstehen.

Eine Scheideninfektion fängt man sich schneller, als man denkt. Besonders während der Schwangerschaft, wenn die Vagina durch die Schwangerschaftshormone besonders anfällig für Bakterien und Pilze ist, kann eine solche Infektion aber mehr sein, als ein lästiges Übel. Während der Geburt kann sich das Baby mit dem Pilz anstecken und in den ersten Lebenswochen an Infektionen im Mund oder im Windelbereich leiden. Während der Schwangerschaft stellt ein Scheidenpilz jedoch kein großes Risiko für das Baby dar, weil die Gefahr einer Frühgeburt durch den Erreger Candida albicans ist sehr gering ist. Dennoch sollten auch Schwangere, die unter Scheidenpilz leiden, behandelt werden. Der Wirkstoff Clotrimazol - enthalten in Zäpfchen und Cremes - ist rezeptfrei in der Apotheke erhältlich.

Gefährlich sind Infektionen mit Bakterien

Viel gefährlicher für Mutter und Kind sind aber krankheitsauslösende Bakterien, die sich im Scheidenbereich vermehren und bis in die Gebärmutter aufsteigen können. Viele Früh- und Fehlgeburten gehen auf das Konto der bakteriellen Scheideninfektionen. Von einer Frühgeburt spricht man, wenn das Baby zur Welt kommt, bevor die 37. Schwangerschaftswoche abgeschlossen ist. Als extreme Frühchen werden Babys bezeichnet, die nicht einmal die 32. Schwangerschaftswoche abschließen konnten. Viele dieser Kinder wiegen nur 1.000 Gramm oder noch weniger. Ihre Überlebenschancen sind in den vergangenen Jahren dank der modernen Gerätemedizin zwar enorm gestiegen, doch viele der Frühchen behalten bleibende Schäden zurück.

Infektionen breiten sich rasch aus

Das Bedrohliche an Scheideninfektionen während der Schwangerschaft ist, dass sie sich so rasch ausbreiten. Auch wenn die werdende Mutter regelmäßig ihre Vorsorgetermine beim Frauenarzt einhält, kann in den Wochen zwischen den Untersuchungen eine gefährliche Infektion in die Gebärmutter aufsteigen.

Änderung des pH-Wertes ist ein Warnhinweis

Eine Scheideninfektion - egal ob Pilz oder Bakterien - kündigt sich immer auf die gleiche Art und Weise an: Der Säuregehalt der Scheidenflüssigkeit ändert sich messbar, noch bevor erste Krankheitszeichen auftreten. Diesen Anstieg des so genannten pH-Wertes kann jede Frau selbst messen.

Wird die Störung der Scheidenflora rechtzeitig erkannt, bevor sich eine regelrechte Infektion entwickeln kann, reicht es in manchen Fällen aus, den pH-Wert in der Scheide durch spezielle Präparate, die Milchsäure-bildende Bakterien enthalten, wieder zu senken. Ob sich schon Krankheitserreger in der Scheide breit gemacht haben, kann in der Frauenarztpraxis überprüft werden. Dort wird auch entschieden, ob und welche Medikamente nötig sind, um das Ungeborene vor aufsteigenden Keimen zu schützen.

Der Grund für die pH-Änderung ist eine Störung in der natürlichen Scheidenflora. Die Milchsäurebakterien, die im Normalfall für ein stark saures Milieu sorgen, geraten aus dem Gleichgewicht. Andere Keime haben nun ein leichtes Spiel. Steigen die Erreger während der Schwangerschaft bis in die Gebärmutter auf, kann es zu vorzeitigen Wehen und sogar zum Platzen der Fruchtblase kommen. Die Schwangerschaftshormone machen es den Schädlingen besonders leicht Fuß zu fassen, da sie die lokale Immunität herabsetzen. Den gleichen Effekt hat übrigens auch die Anti-Baby-Pille, weshalb es auch bei dieser Art der Verhütung häufiger zu Vaginalinfektionen kommt.

Das Frühgeburten-Vermeidungsprogramm

In Berlin hat es sich Prof. Erich Saling und sein Team vom Saling-Institut zur Aufgabe gemacht, die Anzahl der Früh- und Fehlgeburten durch Vorbeugung zu senken. Sie raten allen Schwangeren im Rahmen ihres Selbstvorsorge-Programmes, zweimal pro Woche einen einfachen Test durchzuführen und bei einem Anstieg des pH-Wertes umgehend zum Arzt zu gehen.

Eine groß angelegte Studie in Thüringen konnte belegen, dass sich durch die Selbstuntersuchung die Rate der Früh- und Fehlgeburten deutlich senken lässt.

Prof. Saling: "Durch konsequenten Einsatz unseres Frühgeburten-Vermeidungsprogrammes bei jeder Schwangeren ließe sich etwas jede zweite bis dritte Frühgeburt vermeiden, damit viel Leid verhindern und zudem enorme Kosten - ca. eine halbe Milliarde Euro pro Jahr in Deutschland - einsparen."


Autor: Susanne E. Kaiser / bsmo Redaktion
Stand: 20-07-2004



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