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Keine Angst!

Das erste Mal beim Frauenarzt

Im Leben gibt es viele Premieren. Eine davon ist der erste Besuch bei einer Frauenärztin oder einem Frauenarzt. Etwas Lampenfieber davor zu haben, ist ganz normal. Schließlich stellen sich viele Fragen: Muss ich mich ganz ausziehen? Was passiert bei der Untersuchung? Erfahren meine Eltern davon? Ein Blick hinter die Kulissen nimmt die Angst.

Es gibt kein konkretes Alter für den ersten Besuch beim Frauenarzt. "Die meisten Mädchen kommen mit 14 oder 15 Jahren zum ersten Mal", ist die Erfahrung von Dr. Anja Oppelt. Eine Umfrage der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung bestätigt die Beobachtung der Gynäkologin. Danach war jede zweite 15-Jährige bereits beim Frauenarzt - die meisten, weil sie Fragen zur Verhütung hatten. Zwei Drittel fanden den ersten Besuch in einer gynäkologischen Praxis übrigens "ganz okay".

Mit Spickzettel und Freundin fällt`s leichter

"Wenn ich weiß, dass ein Mädchen zum ersten Mal kommt, nehme ich mir mehr Zeit als sonst und erkläre ihr schon vor der Untersuchung genau, was ich mache und warum", berichtet LIFELINE-Expertin Oppelt. Deshalb sollte ein Mädchen schon bei der telefonischen Terminvereinbarung sagen, dass sie sich zum ersten Mal in einer gynäkologischen Sprechstunde vorstellt. Manche Ärzte und Ärztinnen haben sogar spezielle Teenagersprechstunden.

Am besten fragst Du mal im Kreis Deiner Freundinnen, wer so etwas anbietet, oder Du suchst im Internet. Bevor Du Dich dann auf den Weg in die Praxis machst, solltest Du Dir einen Spickzettel mit Deinen Fragen machen, damit Du später in der Aufregung nichts vergisst. Auch sonst kann es nicht schaden, sich ein wenig zu präparieren. Denn einiges will die Gynäkologin garantiert wissen:


  • Wann war die letzte Regel?

  • Wie lange dauert die Menstruation?

  • Wie stark ist die Periode?

  • Wann war die erste Monatsblutung?

  • Hattest Du schon Geschlechtsverkehr?

  • Werden oder wurden Verhütungsmittel benutzt? Wenn ja, welche?

  • Gibt es ernste Erkrankungen oder aktuelle gesundheitliche Probleme, auch in der Familie?

  • Welche Kinderkrankheiten hattest Du?

  • Welche Impfungen wurden vorgenommen?

Wichtig ist, die Versichertenkarte einzustecken, sonst kann der Arzt nicht mit der Krankenkasse abrechnen. Wenn Du Dich nicht traust, Deine Eltern danach zu fragen, kann der Arzt eine Bescheinigung bei der Krankenkasse anfordern. Bei privat Versicherten erfahren die Eltern aber in jedem Fall von dem Arztbesuch, da sie die Rechnung bekommen. Für die Gynäkologin bzw. den Gynäkologen gilt grundsätzlich Schweigepflicht. Er darf jemand anderem nicht sagen, ob und warum Du bei ihr oder ihm warst. Bei Mädchen unter 14 Jahren muss er allerdings die Eltern informieren und in Entscheidungen einbeziehen, wenn eine Behandlung notwendig ist. Zehn Euro Praxisgebühr fallen übrigens nur an, wenn Du über 18 bist. Ein Tipp von Fachfrau Oppelt: "Viele bringen zur ersten Untersuchung beim Frauenarzt eine Freundin oder Begleitperson mit, damit sie sich sicherer fühlen."

Die Untersuchung ist in wenigen Minuten vorbei

Nach dem Beratungsgespräch folgt die Untersuchung. Darauf brauchst Du Dich nicht speziell vorbereiten - wasch Dich zu Hause einfach wie sonst auch und zieh möglichst bequeme Kleidung an, z.B. ein langes T-Shirt, damit Du Dir nicht "bloß gestellt" vorkommst. "Bei einer Vorsorgeuntersuchung bitte ich das Mädchen, sich zuerst oben auszuziehen, damit ich die Brust abtasten kann", erklärt Oppelt. (Das Abtasten der Brust solltest Du übrigens auch selbst erlernen. So lassen sich Veränderungen frühzeitig erkennen). Danach kannst Du Dein Shirt wieder anziehen. Dann möchte der Arzt oder die Ärztin, dass Du Dich in der Umkleidekabine unten herum freimachst, also auch den Slip ausziehst.

Die Untersuchung findet auf einem so genannten gynäkologischen Stuhl statt. Das ist eine Liege, auf der Du auf dem Rücken liegst und Deine Füße links und rechts auf am Stuhl angebrachte Stützen stellst. In der Regel zeigen die Beine nach oben, und die Haltung erinnert ein wenig an die eines gestrauchelten Käfers. Zugegeben, es gibt Schöneres - aber besonders schlimm ist es auch nicht. Versuche Dich zu entspannen: Nicht die Luft anhalten, sondern den Po schwer machen und tief ein- und ausatmen.

Zunächst schaut die Ärztin oder der Arzt, ob außen alles okay ist - also keine Hautveränderungen oder Infektionen da sind. Anschließend untersucht sie Scheide und Muttermund. "Wenn das Mädchen schon Geschlechtsverkehr hatte, nehme ich einen Abstrich vom Muttermund und aus dem Gebärmutterhals", berichtet Oppelt. Dazu führt sie ein langes Wattestäbchen ein, mit dem sie vorsichtig etwas Sekret und Zellgewebe abstreicht. Ist die Patientin noch Jungfrau, entfällt der Abstrich.

Als nächstes tastet die Ärztin bzw. der Arzt Blase, Gebärmutter und Eierstöcke ab: Sie oder er streift dünne Gummihandschuhe über und führt einen oder zwei Finger in die Scheide ein. Mit der anderen Hand drückt der Arzt bzw. die Ärztin gegen die Bauchdecke. Das ist etwas ungewohnt, aber nicht schmerzhaft, so lange Du nicht verkrampfst. Ersatzweise oder zusätzlich kann die Gynäkologin bzw. der Gynäkologe eine Ultraschallaufnahme durch die Scheide machen. Die gesamte Untersuchung dauert nur wenige Minuten. Keine Sorge, ein guter Gynäkologe bzw. eine gute Gynäkologin erklärt Dir alles Schritt für Schritt. Sollte Dir etwas unangenehm sein oder schmerzen, dann sag das ohne Scheu. Ist die Untersuchung beendet, fordert Dein Arzt bzw. Deine Ärztin Dich auf, Dich wieder anzukleiden. Anschließend bespricht er das Ergebnis der Untersuchung mit Dir.


Quelle: Nach Informationen der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung und eines Gesprächs mit Dr. Anja Oppelt, Gynäkologin und LIFELINE-Expertin
Autor: Martina Janning
Stand: 13-01-2006




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