
Geschlechtskrankheit
Die Syphilis ist zurück
Jedes Jahr stecken sich mehr als 3.000 Menschen in Deutschland mit Syphilis an. Schuld daran sei ein Trend zu ungeschütztem Sex, sagen Experten. Sie raten: Auch beim Oralverkehr ein Kondom benutzen.
Großstädte sind Hochburgen der Syphilis
Die Nachricht ist erfreulich, aber nicht gut: Die Zahl der bekannten Syphilis-Infektionen in Deutschland hat sich seit dem Jahr 2004 stabilisiert. 2007 registrierte das Berliner Robert Koch-Institut (RKI) 3.258 Fälle dieser Geschlechtskrankheit. Doch die Dunkelziffer ist hoch. Nach Schätzungen des RKI liegt sie zwischen 30 und 40 Prozent. Denn oft wird eine Syphilis gar nicht erkannt. Gerade junge Ärzte wissen nicht mehr, wie das Krankheitsbild aussieht. Außerdem ist Syphilis sehr wandlungsfähig - ihre drei Stadien ziehen sich über etliche Jahre.
Besonders oft stecken sich homosexuelle Männer an: Im Jahr 2007 machten sie fast 80 Prozent der Erkrankten aus. Als Grund sehen Mediziner einen Trend zu Sex ohne Kondom. Ein folgenreicher Verkehr - besonders, weil Syphilis und HIV sich gegenseitig verstärken: Ist jemand HIV-positiv und steckt sich zusätzlich mit Syphilis an, kann die HIV-Infektionsgefahr für Sexualpartner um das Zehnfache steigen. Andererseits haben Syphiliskranke ein erhöhtes Risiko, sich mit HIV zu infizieren. Und: Beide Krankheiten zusammen verlaufen schlimmer, die Erfolgsaussichten einer Therapie sinken.
Das RKI glaubt, dass sich die Syphilis-Fälle zwischen 3.000 und 3.500 pro Jahr stabilisieren - mit regionalen Unterschieden und Schwerpunkten in den Städten. Hochburg war 2007 Berlin mit 13,2 Fällen pro 100.000 Einwohnern, gefolgt von Hamburg mit 8,4 Erkrankten pro 100.000 Einwohnern. Schleswig-Holstein, Thüringen und Brandenburg hingegen lagen mit zwei Fällen pro 100.000 Einwohnern weit unter dem Bundesdurchschnitt.
Die vielen Erscheinungsformen der Syphilis
Auslöser von Syphilis ist das Bakterium Treponema pallidum, das vor allem beim Sex übertragen wird. Schwangere können ihr ungeborenes Kind aber auch über den Blutweg infizieren.
Im ersten Stadium, drei bis vier Wochen nach der Ansteckung, entsteht ein schmerzloses, nässendes Geschwür an der Infektionsstelle. Ein bis zwei Wochen später schwellen die benachbarten Lymphknoten an. Auch unbehandelt heilen die Geschwüre von selbst wieder ab.
Im zweiten Stadium, etwa acht Wochen nach der Ansteckung, kommt es oft zu grippeartigen Beschwerden. Alle Lymphknoten sind vergrößert. Nach zehn Wochen erscheint meist ein Hautausschlag, bei dem sich schwachrosa gefärbte Flecken langsam zu kupferfarbenen Papeln wandeln. Oft kommt die Syphilis jetzt zu einem Stillstand.
Im dritten Stadium, nach drei bis fünf Jahren, haben die Erreger sich im ganzen Körper ausgebreitet und auch innere Organe befallen. Auf der Haut bilden sie Knoten und mitunter große Geschwüre. Wenn die Knoten aufbrechen, zerstören sie das umliegende Gewebe. Ohne Behandlung kann es zehn bis zwanzig Jahre nach Beginn der Syphilis zu schweren neurologischen Störungen kommen. Ein Viertel der Patienten erkrankt an chronischer Hirnentzündung, die zu geistiger Behinderung führt. Auch das Rückenmark und seine austretenden Nerven werden geschädigt. Am Ende sind die Erkrankten gelähmt.
Antibiotika bekämpfen Syphilis
Seit es Antibiotika gibt, hat die einst gefürchtete Syphilis viel von ihrem Schrecken verloren. In den meisten Fällen wird eine Infektion mit Penicillin behandelt.
Um eine Ansteckung mit Syphilis zu verhindern, raten Mediziner, beim Sex Kondome zu benutzen. Das gilt auch für Oralverkehr. Denn dabei kann Syphilis über die Mundschleimhäute übertragen werden. Falsch ist hingegen das Gerücht, dass man sich über Toilettenbrillen, in Schwimmbädern oder durch gemeinsam benutztes Besteck anstecken kann.













