
Laktobazillen
Scheideninfektionen: Sauer macht gesund
Milchsäurebakterien können die Vagina vor Infektionen schützen, weil sie für ein saures Milieu sorgen. Das mögen Pilze und Bakterien gar nicht. Der beste Zeitpunkt für eine Milchsäure-Kur ist nach der Menstruation.
Neue Pilzinfektionen verhindern
Silvia ist skeptisch: "Milchsäure gegen Scheideninfektionen?" Aber sie hat richtig gehört. LIFELINE-Expertin Dr. Anja Oppelt bekräftigt: "Frauen, die immer wieder an Scheidenpilz erkranken, sollten nach einer Infektion die Flora der Vagina mit Milchsäurebakterien wieder aufbauen."
Der Grund: Milchsäurebakterien (Laktobazillen) sind ein natürlicher Bestandteil der Vagina. Sie sorgen für ein saures Klima, das Pilze und Bakterien am Ausbreiten hindert. Ist das Scheidenmilieu nicht sauer genug, kann es zu einer Infektion kommen. Milchsäureprodukte gibt es als Gel, Tabletten und Zäpfchen in Apotheken zu kaufen.
Laktobazillen vermögen sogar oft noch etwas auszurichten, wenn sich ein Scheidenpilz bereits anbahnt, urteilt Oppelt. "Bei Verdacht auf eine beginnende Pilzinfektion kann eine Frau daher versuchen, ihre Flora mit Milchsäurebakterien zu stabilisieren", sagt die Gynäkologin. "Tritt aber innerhalb von 2-3 Tagen keine deutliche Besserung ein, ist die Wahrscheinlichkeit gering, dass der Scheidenpilz dadurch verschwindet." Dann muss die Frau der Infektion mit einem Antipilzmittel zu Leibe rücken, um die Beschwerden los zu werden.
Bakterien den Garaus machen
Auch bei Scheideninfektionen durch Bakterien ist Milchsäure nützlich. Denn die Antibiotika, die die Keime bekämpfen sollen, reizen die Schleimhaut der Scheide. Laktobazillen können ihr beim Regenieren helfen. Und noch mehr: Eine Studie ergab, dass die Kombination des Antibiotikums Metronidazol mit Milchsäure besser wirkt als eine Monotherapie mit dem Antibiotikum.
Da bakterielle Scheideninfektionen zu Fehl- und Frühgeburten führen können, sollten Schwangere den pH-Wert in ihrer Scheide regelmäßig kontrollieren. Liegt der pH-Wert über 4,5, sollte die Schwangere Ihren Gynäkologen aufsuchen und ggf. ein Milchsäureprodukt verwenden, um den pH-Wert zu regulieren und zu stabilisieren.
Wie sinnvoll es ist, wenn Schwangere den vaginalen pH-Wert regelmäßig messen und in einem stabil saueren Milieu halten, belegte ein Modellprojekt in fünf Bundesländern, bei dem Wissenschaftler über 150.000 Entbindungen auswerteten. Das Ergebnis: Von den Frauen, die zweimal in der Woche ihren pH-Wert kontrollierten, hatten nur 0,49 Prozent Frühgeburten vor der 32. Schwangerschaftswoche, ohne Selbstmessung betrug die Rate 0,79 Prozent.
Milchsäure-Gele lassen Kondome ganz
Ob Milchsäure in Form von Tabletten, als Zäpfchen oder als Gel das Richtige ist, muss jede Frau ausprobieren, sagt Frauenärztin Dr. Oppelt: "Die Verträglichkeit kann unterschiedlich sein." Ein Vorteil von Milchsäure-Gel ist, dass es Kondome nicht angreift. Durch Milchsäure-Zäpfchen kann Latex hingegen porös werden und reißen.
Eine Milchsäure-Kur sollte nach der Menstruation beginnen, sagt Prof. Dr. Klaus Friese von der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe. Zu diesem Zeitpunkt ist das Scheidenmilieu recht trocken und daher besonders angreifbar. Das liegt vor allem am niedrigen Level des Hormons Östrogen zu Beginn des Zyklus. LIFELINE-Expertin Dr. Oppelt empfiehlt, Milchsäure-Gel oder -Zäpfchen abends in die Scheide einzuführen. So kann die Körperwärme das Präparat nicht so stark verflüssigen, dass es aus der Scheide wieder herausläuft.













