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Naturheilkunde

Natürlich ist nicht natürlich besser!

Viele Frauen schwören auf Hausmittel und alternative Medizin und das schon immer. Auch bei der Monatshygiene oder der Bekämpfung von Scheideninfektionen greifen sie auf das zurück, was die Großmutter schon wusste. Doch Essigspülungen, Joghurt-Tampons oder Naturschwämme richten oft mehr Schaden an als sie nützen.

In jeder Familie kursiert mindestens ein guter Rat zur Monatshygiene oder der Bekämpfung von Scheidenpilzen. Das bekannteste der Hausmittel gegen Scheideninfektionen ist sicherlich der Tampon, der in naturbelassenen Joghurt getaucht die Scheidenflora regenerieren soll. "Gefährlich!" urteilt Dr. Albrecht Scheffler, Landesvorsitzender des Berufsverbands der Frauenärzte e.V. Denn im Joghurt sind nicht nur die erwünschten Bakterien. "Ich weiß von Fällen, in denen sogar der typischen Scheidenpilz-Erreger Candida im Joghurt gefunden wurde", bestätigt auch sein Kollege Dr. Christian Albring aus Hannover. Der Joghurt kann als Nährboden für andere Keime dienen, die in der Vagina nichts zu suchen haben. Zudem finden sich auch in so genanntem naturbelassenem Joghurt chemische Zusätze oder Konservierungsmittel, die der Scheidenflora nicht zuträglich sind.

Essigspülungen schädigen das Scheidenmilieu

Auch andere beliebte Hausmittel gegen Scheideninfektionen wie Spülungen mit Essigwasser schaden mehr als sie nützen. "Von solchen Selbstversuchen sollte jede Frau die Finger lassen" erklärt Dr. Scheffler. Das Scheidenmilieu hat mit der bestehenden Infektion schon genug zu tun. Richtig ist zwar, dass der pH-Wert der Vagina in Verlauf der Infektion erhöht wird. Der Versuch, den pH-Wert durch einen sauren Einlauf zu senken, gelingt jedoch in den wenigsten Fällen. Die empfindlichen Bakterienkulturen auf der Schleimhautoberfläche werden oft durch Essigkuren zerstört und das gesunde Scheidenmilieu kann sich nur langsam wieder aufbauen.

Scheidenschwämmchen nicht empfehlenswert

Vor dem Gebrauch von Scheidenschwämmen warnt Dr. Albring eingehend: "Naturschwämme bestehen aus einer unglaublich feinen Struktur und haben darum eine riesige Oberfläche mit unzähligen Kratern, Rillen und Falten", erklärt er. Krankheitserreger finden im Naturschwamm ideale Lebensbedingungen, vor allem, wenn noch das Menstruationsblut und eventuelle Hausmittel wie Naturjoghurt hinzukommen. Zudem ist es fast unmöglich, den Schwamm zu desinfizieren ohne ihn zu zerstören.

Für Umweltbewusste: Tampons und Binden aus Naturfasern

Während der Periode greifen Frauen, die auf Grund ihres Umweltbewusstseins keine Einmalbinden oder Tampons benutzen wollen, oft zu waschbaren Binden aus Wolle und/oder Seide. "Solche Produkte müssen nach Gebrauch immer gekocht werden", sagt Dr. Albring. Vor allem, wenn eine Scheideninfektion vorliegt. Anderenfalls könnten sich die Keime in der Binde einnisten und zu immer neuen Infektionen führen. Zudem dürfen die Binden nicht zu dick sein, damit die Haut im Intimbereich nicht zu schwitzen beginnt und der Säureschutzmantel zerstört wird. Wie bei den Einmalprodukten gilt: Binde wechseln, sobald sie feucht geworden ist.

Eine Alternative für umweltbewusste Frauen, die Tampons bevorzugen, können Produkte aus reiner Baumwolle sein. Sie beeinflussen das Scheidenklima auch während einer Infektion nicht negativ, erzeugen keinen Nässestau am äußeren Intimbereich und sind auf Grund der strengen Kontrollen bei der Herstellung garantiert keimfrei. Es werden auch ungebleichte Produkte angeboten, die das Grundwasser nicht durch unnötige Farb- oder Bleichmittel belasten. Der Rohstoff Baumwolle kommt aus biologischem Anbau, ist schadstoffgeprüft und wächst unbegrenzt nach. Im Hausmüll entsorgt verrotten diese Tampons schnell und ohne Rückstände.

Beim Verdacht auf eine ernste Infektion sollte in jedem Fall der Frauenarzt oder die Frauenärztin aufgesucht werden. Nicht immer müssen "scharfe" Medikamente verschrieben werden. Oft kann der Arzt schon mit einigen einfachen Tipps zur Ernährung oder mit einem Präparat zur Wiederherstellung der natürlichen Scheidenflora weiterhelfen.


Autor: Springer Medizin
Stand: Sep 24, 2003


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