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Geht Scheidenpilz von allein weg?

Selbstheilung gelingt selten

Auch moderne Frauen denken manchmal wie ihre Großmütter: "Was von allein gekommen ist, geht auch von allein wieder." Das mag zwar beruhigen, eine Infektion mit Scheidenpilz bringt Abwarten jedoch selten zum Weichen. Im Gegenteil verschafft es der Entzündung meist nur Zeit, sich auszuweiten. Eine frühzeitige Behandlung kann das lästige Jucken und Brennen stoppen.

Es gibt Scheidenpilze, die eine Frau gar nicht registriert. Sie verursachen keine Beschwerden und belasten daher nicht. Oft fallen die Pilze nur auf, weil ein Gynäkologe sie bei einer Untersuchung unterm Mikroskop entdeckt. Unangenehm wird es erst, wenn sich eine Pilzinfektion durch Jucken, Brennen und quarkähnlichem Ausfluss bemerkbar macht. Diese typischen Symptome können einem den Alltag ganz schön verleiden – besonders, wenn der Pilz immer wieder zuschlägt und Betroffene mehr und mehr einschränkt. Klar, dass solche Frauen sich ohne Umschweife ein Anti-Pilzmittel in einer Apotheke besorgen oder ihren Gynäkologen konsultieren.

Der Körper kann eine Pilzinfektion selten allein bekämpfen

Anders liegt der Fall, wenn eine Pilzinfektion eine Frau zum ersten Mal erwischt. "Erst mal abwarten", denken die meisten. "Vielleicht verschwinden Jucken und Ausfluss von selbst wieder." Doch Gynäkologin Anja Oppelt weiß: Das Problem auszusitzen, bringt in der Regel nicht viel - zumindest nicht der Erkrankten. Je länger dem Pilz kein Paroli geboten wird, desto mehr Zeit haben die Sporen sich zu vermehren. "Nur wenn eine Frau eine stabile Scheidenflora hat, kann es sein, dass die Milchsäurebakterien die Pilzinfektion in den Griff bekommen. Allerdings ist die Entzündung dann noch nicht stark ausgeprägt." Die Laktobazillen kommen natürlicherweise in der Vagina vor. Sie sorgen für ein säuerliches Klima, das Pilze und Bakterien am Wachsen hemmt. Zu einer Infektion kommt es vornehmlich, wenn das Scheidenmilieu nicht sauer genug ist. "Bei Verdacht auf eine beginnende Pilzinfektion kann eine Frau daher versuchen, ihre Flora mit Milchsäurebakterien zu stabilisieren", sagt LIFELINE-Expertin Oppelt. "Aber wenn innerhalb von 2-3 Tagen keine deutliche Besserung bringt, ist die Wahrscheinlichkeit gering, dass der Scheidenpilz dadurch verschwindet."

Bei der Behandlung genau an die Packungshinweise halten

Dann gilt es dem Krankheitserreger wirksam zu Leibe zu rücken. Wer sich sicher ist, dass es sich um Scheidenpilz handelt, kann in einer Apotheke rezeptfrei eine Creme, Zäpfchen oder Tabletten dagegen kaufen oder sollte einen Frauenarzt klären lassen, was die Ursache für ihre Beschwerden ist. Mittel gegen Scheidenpilz müssen dorthin gebracht werden, wo die Sporen siedeln - also in die Vagina. Wichtig ist, die Hinweise auf der Packung zu befolgen und die Therapie nicht vorzeitig abzubrechen, auch wenn die Beschwerden verschwunden scheinen. Tritt nach drei Tagen Therapie keine Besserung ein, sollte die Frau einen Gynäkologen aufsuchen. Übrigens: Auch Scheidenpilze, die keine Beschwerden verursachen, sollten behandelt werden. Sie erhöhen nämlich die Gefahr für bakterielle Infektionen. Die können aufsteigen und schlimmstenfalls die Eileiter entzünden und verkleben.

Quelle: Nach Informationen eines Gesprächs mit Dr. Anja Oppelt, Gynäkologin und LIFELINE-Expertin sowie nach den Leitlinien der Deutschen Dermatologischen Gesellschaft, der Deutschsprachigen Mykologischen Gesellschaft und der Arbeitsgemeinschaft für Infektionen und Infektionsimmunologie (AGII) der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe


Autor: Martina Janning
Stand: Nov 25, 2002


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