Der Erreger

Sehr hartnäckig

Candida glabrata verursacht 5-10 % der Scheidenpilzfälle

"Candida glabrata" klingt wie der Name einer italienischen Süßspeise. Doch leider bezeichnet er einen Hefepilz, der alles andere als Freude und Genuss bereitet. Denn nach Candida albicans ist er die häufigste Ursache für Scheidenpilzinfektionen. Das Problem: Candida glabrata ist schwer zu erkennen und vor allem standhaft in der Behandlung.

Bei 80 bis 90% aller Scheidenpilzinfektionen ist Candida albicans der Erreger. Doch in immerhin 5 bis 10 % der Fälle verursacht Candida glabrata das unangenehme Jucken und Brennen in der Scheide. In der Regel dauert es allerdings ein wenig, bis er als Übeltäter enttarnt und gezielt angegangen werden kann. Denn geht eine Frau mit ihren Beschwerden zu einem Frauenarzt, behandelt der routinemäßig zunächst auf Candida albicans. Erst wenn die gebräuchlichen Salben, Tabletten oder Zäpfchen keine Wirkung zeigen, liegt der Verdacht nahe, dass ein anderer Hefepilz für die Infektion verantwortlich ist. An den Symptomen ist das leider nicht eindeutig zu erkennen. Zwar schreibt die Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe in ihren Diagnose-Leitlinien, dass bei einer Candida-glabrata-Infektion meist nur ein geringes Jucken vor der Menstruation oder nach dem Sex auftritt, die Vagina weniger stark gerötet und der Ausfluss manchmal mehr oder weniger cremig sowie ohne besonderen Geruch ist. Doch diese Hinweise erweisen sich in der Praxis häufig als zu vage. So urteilt Dr. Anja Oppelt, Frauenärztin und LIFELINE-Expertin: "Der Ausfluss (Fluor) liefert keinen eindeutigen Anhaltspunkt, ob es sich um Candida albicans oder Candida glabrata handelt. Bei beiden Arten ist er meist weiß und bröckelig, nur manchmal ist der Fluor bei Candida glabrata etwas flüssiger."

Bei Candida glabrata versagt lokale Therapie

Um den Hefepilz zu identifizieren, muss der Gynäkologe einen Abstrich machen. Davon legt ein Labor eine Pilzkultur an, die bei 28-37 °C im Brutschrank bebrütet wird. Nach 3 Tagen liegt dem Arzt das Ergebnis vor; die Behandlung kann beginnen. Eine lokale Therapie reicht bei Candida glabrata häufig nicht, es müssen Tabletten genommen werden - Ärzte bezeichnen dies als "systemische Therapie". Das liege daran, dass die Pilze tiefer in der Schleimhaut sitzen als etwa Candida albicans, weiß Expertin Oppelt. Klingt die Candida-glabrata-Infektion nach der zweiwöchigen Intensivbehandlung nicht ab, wird sie gegebenenfalls nach einer Pause wiederholt. "Der Partner muss nur mitbehandelt werden, wenn er ebenfalls Beschwerden hat", erläutert Dr. Thomas Gent vom Berufsverband der Frauenärzte in Hamburg. "Aber auch wenn eine Frau ständig an Scheidenpilz leidet, sollte ein Arzt das Sperma ihres Partner kontrollieren. Vielleicht hat er sich unbemerkt infiziert und steckt sie immer wieder an."


Quelle: bsmo-Gespräche mit Dr. Anja Oppelt, Gynäkologin und LIFELINE-Expertin und Dr. Thomas Gent vom Berufsverband der Frauenärzte in Hamburg sowie nach den Leitlinien der Deutschen Dermatologischen Gesellschaft, der Deutschsprachigen Mykologischen Gesellschaft
Autor: Martina Janning
Stand: Jul 26, 2005


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