Wirklich Candida albicans?
Selbstdiagnose auf dem Prüfstand
Seitdem Präparate gegen Scheidenpilzinfektionen nicht mehr rezeptpflichtig sind, gehen viele Frauen bei vermeintlichem Pilzbefall nicht mehr zum Gynäkologen, sondern direkt in die Apotheke. Liegen sie aber dabei mit der Selbstdiagnose einer vaginalen Candidamykose immer richtig? Dieser Frage wurde in einer kürzlich veröffentlichten US-amerikanischen Studie nachgegangen.
95 Frauen, die aufgrund typischer Symptome ein Antipilz-Präparat zur akuten Behandlung in der Apotheke gekauft und angewandt hatten, wurden ärztlich untersucht und entsprechenden Labortests unterzogen.
Etwa ein Drittel der Frauen wiesen tatsächlich eine vaginale Candidainfektion auf und lagen somit mit ihrer Diagnose goldrichtig. Bei knapp 19 Prozent fanden die Ärzte eine bakterielle Fehlbesiedlung der Scheide (bakterielle Vaginose) und bei 21 Prozent eine Mischinfektion. Etwa 10 Prozent litten unter anderen Erkrankungen und bei 2 Prozent stießen die Untersucher auf eine Trichomonaden-Infektion. Bei 14 Prozent der Frauen fand man überhaupt keinen krankhaften Befund.
Frauen, bei denen vom Arzt schon früher einmal eine Scheidenpilzinfektion diagnostiziert worden war, schnitten bei der Selbstdiagnose nicht besser ab als diejenigen, die noch keine entsprechenden Erfahrungen hatten. Auch das aufmerksame Lesen des Beipackzettels hatte keinen Einfluss auf die Richtigkeit der Diagnose. Die Ergebnisse zeigen, dass Candida albicans bei einem nicht unerheblicher Teil der Frauen mit vermeintlichem Scheidenpilz gar nicht der Übeltäter ist. Bleibt der erhoffte Behandlungserfolg aus, sollte man daher die Beschwerden ärztlich abklären lassen, um eine möglicherweise notwendige andere Behandlung nicht zu versäumen.
Fischartiger Geruch muss nicht auf Scheidenpilz hindeuten
Sehr viel wahrscheinlicher stammt der Geruch von einer sogenannten bakteriellen Vaginose. Das ist keine Infektion im engeren Sinne, sondern vielmehr eine Störung der normalen Scheidenbesiedlung. Für den unangenehmen Geruch ist meist der Keim Gardnerella vaginalis verantwortlich. Der Arzt kann die Vaginose mit Antibiotika behandeln.










