Leidensdruck
Scheidenpilz belastet auch Psyche
Frauen, die immer wieder an Scheidenpilz erkranken, sind oft der Verzweiflung nahe. Doch nicht nur die chronischen Beschwerden zehren an ihren Nerven. Viele fragen sich irgendwann, wie gefährlich chronischer Scheidenpilz eigentlich ist: Haben die dauernden Infektionen langfristige Folgen für die Gesundheit? Kann wiederkehrende Vaginalmykose zu Unfruchtbarkeit führen?
"Chronischer Scheidenpilz selbst hat keine langfristigen Folgen auf die Gesundheit", beruhigt Dr. Thomas Gent vom Berufsverband der Frauenärzte e.V. in Hamburg. "Doch die dauernden Infektionen können Wegbereiter für andere Bakterienerkrankungen sein." Solche "Superinfektionen" stellten ein therapeutisches Problem dar, weil sie auf die ursprüngliche Erkrankung draufsattelten und schwer zu behandeln seien. "Häufig treten z.B. Blasenentzündungen auf. Steigt so eine Infektion auf, können auch die Nieren erkranken", erklärt der Gynäkologe.
Kehre ein Scheidenpilz immer wieder, liege das möglicherweise an einer geschwächten Körperabwehr, ergänzt Dr. Anja Oppelt, Gynäkologin und LIFELINE-Expertin. Diese könne auch andere Erkrankungen begünstigen. Daher müsse das Immunsystem stabilisiert werden.
Scheidenpilz selbst macht nicht unfruchtbar
"Viele Frauen befürchten, dass chronischer Scheidenpilz sie langfristig steril macht", erläutert Expertin Oppelt. "Das stimmt nicht. Allerdings kann Unfruchtbarkeit dadurch entstehen, dass im Zuge einer Scheidenpilzinfektion Bakterien aufsteigen, sich die Eileiter entzünden und verkleben." Angstmacherei sei zwar fehl am Platze, meint Gynäkologe Gent: "Doch eine Scheidenpilzinfektion ist keine Bagatelle. Sie muss ernst genommen und behandelt werden." Wer typische Symptome bei sich feststellt, sollte damit zum Frauenarzt gehen. Dazu gehören: Juckreiz, Brennen, Rötung und Schwellung der äußeren Genitalien sowie Schmerzen beim Wasserlassen. Auch in der Scheide kann es jucken und brennen. Geschlechtsverkehr schmerzt. Bei einem Großteil der erkrankten Frauen tritt ein grauweißer, bröckeliger Ausfluss auf.
Chronischer Scheidenpilz bedrückt die Partnerschaft
"Bei Scheidenpilz geht es nicht um ein bisschen Jucken", resümiert Experte Gent. "Die Infektion führt zu einer deutlichen Verschlechterung der Lebensqualität." Dies trifft nicht nur die erkrankte Frau, sondern auch ihre Partnerschaft - insbesondere wenn die Infektion immer wiederkehrt. Betroffene erleben Scheidenpilz als sehr beherrschend. Frauen haben keine Lust mehr an Sex, denn er tut weh. Zudem haben viele Angst, sich beim Mann wieder anzustecken. Eine berechtigte Sorge. Der Partner sollte daher bei einer Infektion immer mitbehandelt werden, auch wenn er keine Symptome hat. Viele Frauen mit chronischem Scheidenpilz schotten sich nach und nach von ihrem Partner ab, um gar nicht erst in eine erotische Situation zu gelangen. Schon manche Partnerschaft ist wegen ständiger Vaginalinfektionen zerbrochen. Betroffenen Paaren hilft nur eins: Offen über Ängste und Wünsche reden. Manchmal macht es sogar Sinn, die Hilfe eines Paar- oder Sexualtherapeuten in Anspruch zu nehmen.










