Pilz resistent?
Wiederkehrende Infektionen
Vaginalmykose ist für Susanne W. kein unbekanntes Fremdwort. Seit der Pubertät erkrankt die heute 34-Jährige hin und wieder an Scheidenpilz. Lästig, doch bisher nicht beunruhigend. Seit einem Jahr aber häufen sich die Infektionen. Es scheint, als ob die Behandlung gar nicht mehr anschlägt. Kann der Pilz tatsächlich gegen die Therapie resistent werden?
Scheidenpilz ist keine Seltenheit: 75% aller Frauen erwischt es mindestens einmal im Leben. Auch Männer können sich anstecken. Abwarten, dass die Infektion von alleine wieder verschwindet, bringt leider nichts. Scheidenpilz muss behandelt werden. In der Apotheke gibt es dafür rezeptfreie Mittel in verschiedenen Darreichungsformen, die jedoch alle eins gemeinsam haben: Sie wirken örtlich. Cremes werden daher in die Scheide und auf die Schamlippen aufgetragen, Zäpfchen und Tabletten in die Vagina eingeführt. In der Regel helfen diese Medikamente zuverlässig und nach etwa drei Tagen bessern sich die Beschwerden. Allerdings nicht immer. Susanne W. beispielsweise hat Scheidenpilzinfektionen stets erfolgreich mit einem Anti-Pilz-Mittel bekämpft. Plötzlich jedoch hilft das Präparat nicht mehr. Ist der Pilz immun geworden?
Eine Pilzkultur schafft Klarheit
"Wenn eine Frau ständig gegen Scheidenpilz behandelt werden muss, kann es zu einer Resistenz gegen die Therapie kommen", erklärt Dr. Anja Oppelt, Gynäkologin und LIFELINE-Expertin. Dafür sind verschiedene Ursachen denkbar. Am häufigsten gedeihen unter der Therapie solche Pilze, die nicht auf das Mittel ansprechen. Die gängigen Anti-Pilz-Mittel wirken nämlich vor allem gegen den Hefepilz Candida Albicans. Der ist in 90% aller Fälle für eine Scheidenpilzinfektion verantwortlich. Doch in der Vagina befinden sich auch diverse andere Pilze. Wird nun gegen Candida Albicans behandelt, kann dies das Wachstum anderer Pilze fördern, erklärt Frau Dr. Oppelt. Ein anderer Grund: Der behandelte Pilz verändert sich so, dass ihm die Therapie nichts mehr anhaben kann. Auch Resistenzen gegen ein bestimmtes Anti-Pilz-Präparat kommen vor.
"Zeigen lokale Anti-Pilz-Mittel keine Wirkung, bringt es nichts, auf gut Glück weiter zu behandeln", sagt die Gynäkologin. "Um gezielt vorgehen zu können, muss zunächst die betreffende Pilzart bestimmt werden. Dazu entnimmt der Frauenarzt einen Abstrich aus der Vagina und legt eine Pilzkultur an." Als Behandlung folgt dann meist eine orale Therapie, bei der Tabletten eingenommen werden müssten. Während einer Schwangerschaft sind diese Medikamente jedoch tabu, so Frau Dr. Oppelt.
Lange Behandlung kann Allergie auslösen
Bei einer langen örtlichen Behandlung gegen Scheidenpilz beobachten Frauenärzte noch ein anderes Phänomen. Bis zu 2 von 100 Frauen reagieren auf die Wirkstoffe oder ein spezielles Produkt allergisch. Die Folgen sind unübersehbar: Die Haut an den Genitalien und Oberschenkeln rötet sich, brennt und nässt. Wer solche Symptome bei sich bemerkt, sollte sie von einem Haut- oder Frauenarzt abklären lassen.










