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Chronische Pilzinfektion?

Vermeintlicher Scheidenpilz entpuppt sich als Östrogenmangel

Bei vielen Frauen entpuppt sich eine angeblich chronische Pilzinfektion als Östrogenmangel. Mit ihren gerade mal 20 Jahren war eine Patientin nach diversen medikamentösen Behandlungsversuchen ziemlich frustriert. Denn nach jedem Intimverkehr setzte das Brennen wieder ein, über Stunden. Privatdozent Dr. med. Andreas Clad von der Frauenklinik der Universität Freiburg über Östrogenmangel als Ursache für chronische Beschwerden, die den Symptomen von Scheidenpilz ähneln.


Was steckte bei der Patientin hinter den Beschwerden?

Dr. med. Andreas Clad

Diese angeblich chronische Pilzinfektion war nichts anderes als eine Scheidentrockenheit, bedingt durch einen Mangel an Östrogenen. Die Patientin hat seit einigen Jahren die Pille genommen. Dieses Verhütungsmittel enthält zwar auch Östrogene, aber sie wirken im Vergleich schwächer als die körpereigenen Hormone. Als Folge kann es im Scheidenbereich zu Mangelerscheinungen kommen. Die schützende Haut im Eingangsbereich der Scheide, die östrogenabhängig aufgebaut wird, verdünnt sich dann mit der Zeit.

Und wird dadurch empfindlicher?

Dr. med. Andreas Clad

Genau. Sie müssen sich das vorstellen wie bei einer Schürfung am Knie: Die dünne Haut brennt allein schon beim Kontakt mit dem Badewasser. Ähnlich leicht zu irritieren ist die verdünnte Haut im Scheidenbereich. Die Patientinnen haben zwar keine Beschwerden im vorderen Eingangsbereich der Scheide, deshalb brennt es nicht beim Wasser lassen.

Aber beim Geschlechtsverkehr fängt es infolge der Reibung sofort an zu brennen, der Schmerz hält über Stunden an. Dasselbe passiert, wenn man mit einem Tupfer – oder die Frau mit dem Tampon oder Finger – die dünne, empfindliche Scheidenhaut des „hinteren" Eingangs¬bereiches berührt. Die Behandlung ist ganz einfach, erfordert aber ein bisschen Geduld, denn die Hautschichten müssen erst mit östrogenhaltiger Creme (wie OeKolp) wieder aufgebaut werden.

Wie lange dauert dieser Prozess? Verursacht das Auftragen nicht erneut Schmerzen?

Dr. med. Andreas Clad

Am Anfang brennt es schon ein bisschen, aber das liegt einfach an der dünnen Haut. Alles, was man aufträgt, löst diese Reaktion aus. Erst wenn sich unter dem Einfluss der lokal aufgebrachten Östrogene wieder die normale Anzahl der Zellschichten – im Alter von 20 Jahren sind das etwa zehn – aufbaut, gehen die Beschwerden zurück. Die Wirkung ist nach etwa einem Monat spürbar und nach weiteren vier Wochen vollständig.

Was verbindet dieses Krankheitsbild mit Pilzinfektionen?

Dr. med. Andreas Clad

Wahrscheinlich ist in vielen Fällen eine Infektion mit Hefepilzen der Auslöser: Oft liegt tatsächlich eine Pilzinfektion vor, wenn die Patientin zum ersten Mal die Schmerzen verspürt und deshalb den Frauenarzt aufsucht. Die Hefepilze bewirken, dass die oberste Lage der Scheidenhaut abschilfert. Ist diese von Haus aus aber schon dünn, weil zu wenig Östrogene vorhanden sind, wird die Schmerzschwelle unterschritten – und es kommt durch die reine Berührung schon zum brennenden Schmerz. Der Pilz selbst ist medikamentös einfach und gut zu behandeln, aber der Schmerz bleibt - wenn nicht gleichzeitig auch der Östrogenmangel ausgeglichen und die dünne Haut wieder aufgebaut wird. Dann kann selbst das Fahrradfahren zur Qual werden.



Es stimmt also nicht, dass Beschwerden mit einer „trockenen Scheide" nur bei Frauen nach den Wechseljahren auftreten?

Dr. med. Andreas Clad

Nach dem Klimakterium ist das Krankheitsbild häufiger, weil die Eierstöcke die Hormonproduktion eingestellt haben und deshalb eine Östrogen-Mangelsituation vorliegt. Vor dem gynäkologischen Abstrich muss deshalb nicht selten eine lokale Östrogenbehandlung erfolgen, damit bei der Untersuchung zur Krebsfrüherkennung die Zellen im Mikroskop sicher zu beurteilen sind.

Aber gerade bei jungen Frauen, die lange mit der Pille verhütet haben, sind diese Fälle immer wieder zu sehen und machen Probleme. Eine vergleichbare Situation kann auch in der Stillzeit entstehen – auch eine Periode, in der die Östrogen-Produktion erheblich gedrosselt ist. In dieser Phase ist die Vaginalhaut deshalb ebenfalls deutlich dünner. Allerdings haben die jungen Mütter in der Regel wenig Zeit und Lust zum Intimverkehr, weil sie nachts das Baby füttern müssen und unter chronischem Schlafmangel leiden. Doch wenn über einen längeren Zeitraum gestillt wird, kann sich das Problem durchaus stellen – und durch die lokale Gabe von Östrogenen zur allseitigen Zufriedenheit gelöst werden.


Autor: Springer Medizin
Stand: Aug 9, 2007


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