Symptomlose Pilzinfektion
In der Schwangerschaft immer therapieren
Ein Scheidenpilz, der keine Beschwerden bereitet, muss nicht behandelt werden, sagt LIFELINE-Expertin Dr. Anja Oppelt. Außer: Die Frau ist schwanger.
Zufallsfund Scheidenpilz
Es juckt und brennt im Intimbereich, die Haut ist gerötet, Sie haben weißen, bröckeligen Ausfluss, und es brennt, wenn Sie Wasser lassen? Dann haben Sie wahrscheinlich eine Infektion mit Scheidenpilz. Jedenfalls deuten Ihre Symptome darauf hin. Doch nicht immer verursacht ein Scheidenpilz Beschwerden. Manche Frau erfährt nur per Zufall, dass sie eine Pilzinfektion mit sich herumträgt. Oft stellt ein Frauenarzt einen Scheidenpilz fest, wenn er für eine Untersuchung einen Abstrich aus der Scheide nimmt und beim Blick durchs Mikroskop unerwartet Pilzsporen sieht. Da mag jetzt ungut klingen, braucht Sie aber nicht zu beunruhigen. Gynäkologin Anja Oppelt urteilt: "So lange eine Scheidenpilzinfektion keine Symptome verursacht, braucht man sie nicht zu behandeln." Bis auf eine Ausnahme: Die Frau ist schwanger.
Gefährliches Duo: Scheidenpilz plus Bakterieninfektion
Wird in der Schwangerschaft ein Scheidenpilz festgestellt, sollte die Infektion auf jeden Fall behandelt werden, auch wenn sie keine Beschwerden verursacht. Eine Pilzinfektion kann indirekt das Risiko einer Frühgeburt erhöhen. Ursache für eine Vermehrung von Vaginalpilzen ist nämlich, dass sie Scheidenflora aus dem Gleichgewicht geraten ist. Dafür können z.B. Hormonschwankungen, Medikamente oder Stress verantwortlich sein. Ist der natürliche Schutzschild der Vagina bereits durch einen Scheidenpilz geschwächt, können Bakterien ebenfalls leichter eindringen und sich ausbreiten. Dabei besteht die Gefahr, dass eine bakterielle Infektion auf einen Scheidenpilz aufsattelt, zur Reifung des Muttermunds führt und eine vorzeitige Wehentätigkeit auslöst, sagt LIFELINE-Expertin Oppelt. Grundsätzlich sind Schwangere anfälliger für Infektionen, wenn ab der 10. Woche der Ausfluss zunimmt.
Ansteckungsgefahr fürs Kind
Ein zweiter wichtiger Grund für die Therapie symptomloser Pilzinfektionen in der Schwangerschaft: Das Kind kann sich bei der Geburt anstecken. Kein guter Start ins Leben. Die Behandlungsleitlinie der Frauenärzte empfiehlt daher, eine werdende Mutter ab der 34. Schwangerschaftswoche auf Pilze zu prüfen. Ein speziell dafür entwickelter Test kostet zwischen 15-25 Euro, die Versicherte der gesetzlichen Krankenkassen aus eigener Tasche zahlen müssen. Bei einer normal verlaufenden Schwangerschaft sei ein solcher Test aber kein Muss, urteilt Fachärztin Oppelt. Normalerweise werde eine vaginale Pilzinfektion auch so, bei den regulären Untersuchungen in der Schwangerschaft, festgestellt.
Wirkstoff Clotrimazol für Schwangere geeignet
Um einen symptomlosen Scheidenpilz in der Schwangerschaft zu behandeln, eignen sich beispielsweise Salben und Vaginaltabletten mit dem Wirkstoff Clotrimazol. Aus Vorsichtsgründen sollten werdende Mütter die Tabletten ohne Applikator einführen. Eine Behandlung dauert in der Regel drei Tage. Zur Sicherheit können drei weitere Tage angeschlossen werden. Dann muss der behandelnde Gynäkologe überprüfen, ob die Schwangere die Pilzinfektion erfolgreich bekämpfen konnte.












