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Harnwegsinfekt oder Scheidenpilz?

Wenn das Wasserlassen brennt und schmerzt

Eine Blasenentzündung hat oft eine Pilzinfektion im Schlepptau. Schuld sind die eingenommenen Antibiotika. Milchsäurebakterien können die Scheide schützen.

Erst eine entzündete Blase, dann eine entzündete Vagina

Wenn es beim Wasserlassen brennt und schmerzt, denken viele Frauen zuerst an eine Pilzerkrankung. Oft kommen die Beschwerden jedoch von einer Blasenentzündung. Ein deutlicher Hinweis darauf ist es, wenn der bröckelige, weiße Ausfluss fehlt, der für eine Infektion mit Scheidenpilz (Vaginalmykose) typisch ist. Neben Ähnlichkeiten bei den Symptomen verbindet Blasenentzündungen und Scheidenpilz aber noch anderes: Die Blasenentzündung geht, der Scheidenpilz kommt – so die leidvolle Erfahrung vieler Frauen. Schuld daran ist die Behandlung des Harnwegsinfekts mit Antibiotika. Die Mittel stören die Zusammensetzung der Keime in der Scheidenschleimhaut. So entsteht ein Ungleichgewicht, dass das Wachstum der Pilze fördert. In seltenen Fällen kann auch einmal ein Pilz eine Blasenentzündung auslösen, sagt die Gynäkologin und LIFELINE-Expertin Dr. Anja Oppelt. In der Regel sind es jedoch Bakterien aus dem Darm, die in die Harnröhre wandern und eine Infektion entfachen. Bei Mädchen und Frauen haben die Keime dabei vergleichsweise leichtes Spiel – ihre Harnröhre ist um einiges kürzer als bei Jungen und Männern.

Antibiotika bringen das Scheidenmilieu durcheinander

Jede zweite Frau hat mindestens einmal in ihrem Leben eine Blasenentzündung. Die macht sich neben dem Brennen und Schmerzen beim Wasserlassen vor allem durch das Gefühl bemerkbar, ständig auf die Toilette zu müssen. Der Urin ist dunkelgelb und riecht oft schlecht. Wer solche Zeichen bemerkt, sollte viel trinken, rät die Urologin Dr. Schultz-Lampel. Flüssigkeit spült die Harnwege. Zu empfehlen sind neben Mineralwasser vor allem Tees für Blase und Nieren. Sie enthalten Pflanzen wie Brennesseln, Birke, Schachtelhalm oder Wacholder, die die Harnproduktion anregen. Bewährt hat sich auch Tee aus Bärentraubenblättern. Er desinfiziert und bekämpft Bakterien. Heilpraktiker verweisen außerdem auf gute Erfahrungen mit Kapuzinerkresse und Meerrettich. Beide wirken antibakteriell und steigern die Körperabwehr. Weniger gute Getränke sind Schwarztee, Kaffee und Alkohol – sie können die Blase reizen. Darüber hinaus heißt es: den Unterleib warmhalten und Ruhe gönnen. Bessert sich die Blasenentzündung dennoch nach zwei Tagen nicht deutlich, sollte die Frau einen Arzt aufsuchen. Die Keime können sich nämlich weiter ausbreiten und in einer Entzündung des Nierenbeckens gipfeln. Spätestens jetzt verschreibt ein Arzt Antibiotika. Anders sei einer hartnäckigen bakteriellen Harnwegsinfektion nicht beizukommen, sagt Oppelt. Die Gefahr, im Anschluss an die Therapie mit Antibiotika eine Vaginalmykose zu entwickeln, müsse eine Frau dabei in Kauf nehmen. Um dem entgegen zu wirken, empfiehlt die Medizinerin, die Scheidenflora mit Milchsäurebakterien aufzubauen. Solche Laktobazillen gibt es z.B. als Tabletten zu kaufen.

Ein starkes Immunsystem trotz Bakterien und Pilzen

Am besten ist es, sich sowohl Blasenentzündung als auch Pilzinfektion zu ersparen. Das gelingt am besten durch bewusstes Vorbeugen. Besonders wichtig ist es, Unterkühlung zu vermeiden. Sie setzt die Abwehr des Körpers herab. So haben es Krankheitskeime leichter, in den Körper einzudringen und eine Infektion auszulösen. Daher Unterleib und Füße warmhalten, nicht in nassen Badesachen umherlaufen und bei mäßigen Temperaturen keine bauchfreien Tops tragen. "Stabilisierend können außerdem Preiselbeeren als Kapseln oder Saft wirken", sagt Dr. Schultz-Lampel. "Sie säuern den Urin an und lähmen die Flimmerhärchen der Bakterien." Das hemmt Wachstum und Ausbreitung. Ein Tipp, um Blasenentzündungen wie Scheidenpilz zu verhindern: Nach dem Toilettengang immer von vorn nach hinten wischen. So werden keine Bakterien und Pilze in Richtung Scheide und Harnröhre geschleppt.


Quelle: Nach Informationen von Dr. Anja Oppelt, Gynäkologin und LIFELINE-Expertin, von der Urologin Dr. Daniela Schultz-Lampel und von Elvira Bierbach, Naturheilpraxis heute, Urban & Fischer Verlag 2000
Autor: Martina Janning
Stand: 03-07-2008



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