Oft psychosomatisch
Ständiger Scheidenpilz
Manche Frau leidet andauernd unter Scheidenpilz: Kaum ist eine Infektion abgeklungen, kündigt sich schon die nächste an. Pilzdiäten, Darmsanierung und Stärkung des Immunsystems - keine dieser Therapien fruchtet. Das überrasche nicht, meint Helga Seyler, Frauenärztin bei Pro Familia. Chronischer Scheidenpilz sei nämlich häufig psychosomatisch bedingt.
Oft würden sich Probleme mit der Partnerschaft oder der Sexualität hinter immer wiederkehrenden Pilzinfektionen verbergen. "Das ist Stress, der das Immunsystem verändert", sagt Helga Seyler, die im Familienplanungszentrum in Hamburg arbeitet. Es lässt sich aber nicht immer eindeutig sagen, ob die sexuellen Probleme den Scheidenpilz hervorrufen oder erst durch diesen entstehen.
Viele Frauen reagieren mit übertriebener Hygiene
"Hinzu kommt, dass nur wenige Frauen ein uneingeschränkt positives Verhältnis zu ihrer Vagina haben. Sie empfinden Ausfluss als etwas Schmutzige und Ekliges. Das führt zu einer Panik vor Infektionen", meint die Gynäkologin. Viele Frauen reagieren mit übertriebener Hygiene, was den Scheidenpilz fördert. Schließlich zerstören Scheidenspülungen, ständige Waschungen mit Seife und Slipeinlagen das saure Scheidenmilieu.
Zäpfchen helfen vorübergehend
Hektisches Herumdoktern nützt bei einem chronischen Scheidenpilz nach Meinung von Seyler wenig. "Es gibt keine Behandlung, mit der man ihn für immer los wird." Zäpfchen können die Infektion vorübergehend beseitigen, doch sie ändern nichts an der grundsätzlichen Neigung zu Scheidenpilz. Bei der einen oder anderen Frau finden sich Ursachen, die sich therapieren oder vermeiden lassen - wie ein latenter Diabetes oder exzessives Naschen. "Doch das ist äußerst selten", sagt die Gynäkologin.
Was die Pilzinfektion erträglicher macht
"Wenn die Frau sich jedoch klar macht, dass sie mit dem Scheidenpilz leben muss, ist schon ein Teil des Problems gelöst. Wie bei allen psychosomatischen Leiden lohnt es sich, darüber nachzudenken, was einem die Erkrankung zu sagen hat", meint Seyler. Das kann zu einem anderen Umgang mit der Pilzinfektion führen. Hilfreich ist, wenn die Frau sich nicht mehr darauf konzentriert, den Scheidenpilz loszuwerden, sondern eher nach Wegen sucht, die Beschwerden zu lindern - etwa mit Heilsalben. Die Pro Familia Ärztin empfiehlt: "Sich pflegen und in der Partnerschaft hinschauen, was nicht den eigenen Wünschen entspricht - auch das kann eine chronische Pilzinfektion erträglicher machen."










