Frau mit Kaffee und Zucker

Diabetes

Bei Diabetes Pilzinfektion gezielt vorbeugen

Scheidenpilz kann jede treffen - vor allem aber Frauen mit schwachem Immunsystem. Schlecht eingestellte Diabetikerinnen sind zusätzlich gefärdet.

Zucker nährt Hefepilze

Diabetikerinnen müssen gut auf sich achtgeben. Das gilt auch im Punkte Scheidenpilz. Zum einen ist ihr Immunsystem „etwas reduziert", erklärt Gynäkologin Dr. Anja Oppelt. „Daher sind Diabetikerinnen gefährdeter für Infektionen als gesunde Frauen." Zum anderen ist in ihrem Gewebe und in der Gewebeflüssigkeit mehr Zucker vorhanden. „So können sich Bakterien und Pilze besser vermehren", sagt die LIFELINE-Expertin. Um zu wachsen, benötigen Hefepilze nämlich Zuckerbausteine. Sie wandeln diese zu Kohlendioxid und Alkohol um. Letzterer ist für das Brennen bei Infektionen im Vaginalbereich verantwortlich. Bei Frauen mit Diabetes mellitus ist auch der Zuckeranteil auf den Schleimhäuten der Scheide erhöht - beste Voraussetzungen also für eine Pilzinfektion. Die wird in der Regel durch Hefepilze vom Typ Candida albicans ausgelöst. Hefepilze besiedeln zwar die Schleimhäute und Haut jeder Frau. Doch sie werden zum Problem, wenn das Gleichgewicht der Vaginalflora gestört wird, und sich der saure pH-Wert in den neutralen oder basischen Bereich verschiebt. Dann kommt es zu einer Pilzerkrankung. Typische Anzeichen: krümeliger weißer Ausfluss, starkes Jucken und Brennen beim Wasserlassen.

Milchsäurebakterien schützen Diabetikerinnen

Um Scheidenpilz vorzubeugen, sollten Diabetikerinnen vor allem einige Hygieneregeln beachten, sagt Doktor Oppelt. Dazu gehört zu allererst: Nach dem Toilettengang immer von vorn nach hinten wischen. So werden keine Hefepilze aus dem Darm in Richtung Scheide geschleppt. Außerdem warnt die Gynäkologin vor übertriebener Genitalhygiene. Intimsprays und Scheidenspülungen, aber auch Seifen und aggressive Duschgels können die Flora der Vagina angreifen, und Pilzsporen das Vermehren erleichtern. Ein weiterer Wegbereiter sind luftdichte Slipeinlagen. Sie legen die Schleimhaut der Scheide trocken. Sie bekommt so Risse, und es entstehen leichter Infektionen. Deshalb: Slipeinlagen am besten ganz weglassen oder wenigstens nur luftdurchlässige ins Höschen kleben. Ihre Bikinizone sollten Diabetikerinnen lediglich mit lauwarmem Wasser waschen. Das reicht, sagen Ärzte. Weitere Tipps: Slips aus Baumwolle tragen statt synthetischer Unterwäsche. Sich nicht in allzu enge Jeans quetschen. Nasse Badekleidung und verschwitzte Sportwäsche rasch ausziehen. All dies verhindert jenes feucht-warme Klima, das Pilzen ideale Bindungen zum Gedeihen schafft. „Zusätzlich kann eine Diabetikerin Milchsäurebakterien verwenden, um Scheidenpilz vorzubeugen", erklärt Frauenärztin Oppelt. Solche Laktobazillen in Form von Vaginalzäpfchen helfen auch, die Vaginalflora nach einer Pilzinfektionen wieder aufzubauen.

Gut eingestellter Blutzucker verhindert Pilzinfektionen

Wenn eine Diabetikerin wiederholt an Scheidenpilz erkrankt, ist das ein Zeichen dafür, dass ihr Blutzucker schlecht eingestellt ist. Sie sollte diesen Hinweis nicht leichtfertig abtun und so weitere Folgeerkrankungen riskieren. Stellt eine Patientin beim regelmäßigen Messen des Blutzuckers häufig erhöhte Werte fest, sollte sie dringend zu ihrem behandelnden Arzt gehen und ihre medikamentöse Einstellung anpassen lassen. Ein optimaler Blutzuckerspiegel ist für eine Diabetikerin die beste Prophylaxe gegen eine Pilzinfektion der Scheide! Ferner sollte eine Diabetespatientin ihr geschwächtes Immunsystem aufpäppeln. Wichtig sind vor allem ausreichend Vitamine. Obst und Gemüse gehören daher täglich auf den Speiseplan. Ein gesunder Lebensstil mit genug Schlaf, Bewegung und Entspannung stärkt ebenfalls die Körperabwehr.

Scheidenpilz rasch behandeln

Konnte sich ein Scheidenpilz breitmachen, sollte sich eine Diabetikerin unverzüglich auf den Weg in eine Apotheke machen. Eine Infektion wirkt sich nämlich negativ auf ihren Blutzuckerspiegel aus, was wiederum die Infektionen schwerer verlaufen lässt. Um eine Pilzerkrankung zu behandeln, gibt es rezeptfreie Salben und Zäpfchen, die in die Scheide eingeführt werden. Eine Behandlung mit Clotrimazol dauert beispielsweise drei Tage, dann ist die Sache in der Regel überstanden. Ist dem nicht so oder entwickelt eine Diabetespatientin immer wieder Scheidenpilz, sind die Grenzen der Selbstbehandlung erreicht. Die Erkrankung gehört dann in ärztliche Hände – und zwar in die eines Gynäkologen und des behandelnden Diabetologen. (mj)


Quelle: Nach Informationen eines BSMO-Gesprächs mit Dr. Anja Oppelt, Gynäkologin und LIFELINE-Expertin, der ABDA und den AWMF-Leitlinien für Diagnostik und Therapie von Vaginalmykosen
Autor: BSMO Redaktion
Stand: 16-05-2007



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