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Vererbung?

Scheidenpilz ist keine Erbsache

Die Vererbung spielt eine große Rolle in unserer Entwicklung. Das wusste schon Gregor Mendel im Jahre 1865. In Zeiten der Genomforschung wird der familiären Veranlagung aber oft zuviel Bedeutung bei der Entstehung von Krankheiten zugemessen. An der verstärkten Neigung zu Scheidenpilz sind nicht in erster Linie die Gene Schuld.

Wenn sowohl die Mutter als auch die Tochter oft unter Infektionen der Intimgegend leiden, lehnen sich viele zu schnell auf das "Schicksal" der Gene zurück. "Oft lernen junge Mädchen von ihren Müttern falsche Verhaltensweisen, die die Entstehung von Scheidenpilzen fördern", erklärt Dr. Christian Albring, der Landesvorsitzende des Berufsverbands der Frauenärzte e.V. in Niedersachsen.

Falsche Verhaltensweisen bei Frauen

Übertriebene Intimhygiene, das Waschen der Intimzone mit Reinigungslotions oder das tägliche Tragen von luftundurchlässigen Slipeinlagen sind die häufigsten "Erbfehler", die sich Töchter im Badezimmer von der Mutter abschauen. "Keine Reinigungsprodukte", warnt Dr. Albring, "nur klares Wasser verwenden." Slipeinlagen außerhalb der Mensis sorgen oft für starkes Schwitzen in der Intimgegend und damit zur einer Störung der empfindlichen Scheidenflora.

Auch der Kleidergeschmack kann einen Scheidenpilz mehr beeinflussen als die Gene: "In vielen Fällen raten wir den betroffenen Frauen, keine Stringtangas mehr zu tragen", berichtet Dr. Albring. Auch wenn sie schick aussehen, können diese Slips Pilze und Bakterien vom After zur Scheide befördern, zum Beispiel wenn sich die Trägerin hinsetzt und das Stoffband vom After Richtung Scheide verrutscht.

Falsche Verhaltensweisen der Männer

Auch männliche Familienmitglieder können dazu beitragen, dass Mutter und Tochter unter immer wiederkehrenden Pilzinfektionen zu leiden haben. Männer, die einen Pilz mit sich herumtragen, leiden selten unter den typischen Symptomen wie Jucken und schuppiger, wunder Haut. Ein Pilz kann sich so leicht unter der Vorhaut verstecken und wird bei jedem Urinieren auf der Klobrille verteilt. Dr. Albring rät darum Frauen, die männlichen Familienmitglieder zu einigen einfachen Hygieneregeln anzuhalten: Beim Urinieren unbedingt hinsetzen, oder wenigstens im Anschluss das gesamte Klo reinigen und desinfizieren (viele Männer werden das Hinsetzen vorziehen!). Zudem sollte der Geschlechtspartner einer erkrankten Frau stets auch auf die Erreger hin geprüft und gegebenenfalls behandelt werden.

Genetisch bedingt ist ein anfälliges Immunsystem

Ein Faktor, der jedoch wirklich von Mutter zu Tochter weitervererbt wird, ist ein anfälliges Immunsystem. Wer häufig krank ist, muss häufig Medikamente wie Antibiotika einnehmen - dann hat der Scheidenpilz ein leichtes Spiel. Doch auch wenn eine Frau eine erhöhte Infektanfälligkeit in der Familie vermutet, muss sie sich ihrem genetischen Schicksal nicht ergeben. Unsere Abwehrzellen können wir durch gesunde Ernährung, regelmäßige Bewegung an der frischen Luft und den Verzicht auf Alkohol und Zigaretten positiv beeinflussen. Frauen, die trotz richtiger Verhaltensweisen immer wieder gegen den Scheidenpilz kämpfen, können ihrem lokalen Schutz mit Bakterienpräparaten auf die Sprünge helfen.


Quelle: Interview mit Dr. Christian Albring, Landesvorsitzende des Verbandes der Frauenärzte e.V. in Niedersachsen
Autor: Susanne E. Kaiser
Stand: Sep 25, 2003


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