Wie der Pilz in die Vagina gelangt

Pille, Sex und Scheidenpilz: Wie sind die Zusammenhänge?

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Hormone und Sexualleben scheinen für die Entstehung von Scheidenpilz eine wichtige Rolle zu spielen
Getty Images/Hemera

Warum bekommt die eine Frau ständig Scheidenpilz und die andere nicht? Diese Frage können Wissenschaftler auch heute nur teilweise beantworten. Hormone und Sexualleben, das Scheidenmilieu und die lokale Infektabwehr in der Scheide scheinen dafür eine wichtige Rolle zu spielen.

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Etwa drei bis vier Frauen erleiden mindestens einmal im Leben eine Phase mit wiederkehrendem Scheidenpilz (Candidose). Und etwa fünf Prozent der Frauen klagen über jährlich mehrfach wiederkehrende Infektionen. Diese treten entweder spontan auf, also ohne zunächst ersichtlichen Zusammenhang, oder oftmals auch nach dem Geschlechtsverkehr. Scheidenpilzinfektionen können einen schweren Verlauf nehmen und stellen besonders in diesen Fällen eine große Beeinträchtigung für die Frauen dar. Nicht selten resultieren daraus Partnerschaftsprobleme. Doch wie kommt es, dass einige ansonsten gesunde Frauen verstärkt unter Scheidenpilz leiden, während andere verschont bleiben?

Von der Pilzbesiedlung zur Infektion

Sex und Scheidenpilz: Goldene Regeln

Pilze können auf unterschiedliche Art in die Scheide gelangen. Häufig geschieht dies über den eigenen Mund- oder Darmtrakt. Erreger können aber beispielsweise ebenso aus dem Darmtrakt anderer Menschen oder durch das Sperma eines Sexualpartners übertragen werden. Die Anwesenheit der Erreger allein führt jedoch noch nicht zur Infektion. Die krankmachende Wirkung von Keimen wird durch weitere Faktoren beeinflusst, etwa dadurch, inwieweit es den Erregern gelingt, an der Scheidenwand anzuhaften (Adhäsion), und wie die Bedingungen für Wachstum und Vermehrung (Kolonisation) und für das Eindringen der Keime in das Gewebe (Invasion) sind. Diese Prozesse können wiederum durch verschiedene Faktoren begünstigt oder vermindert werden. So hemmt eine gesunde Scheidenflora, die vornehmlich aus Laktobazillen besteht, das Wachstum eingeschleppter Krankheitserreger und kann so einer Infektion vorbeugen. Denn die Laktobazillen sorgen für ein saures Milieu in der Scheide und damit für ungünstige Wachstumsbedingungen.

Sex und Sexualverhalten als Risikofaktoren für Scheidenpilz

Wird die Scheidenflora beispielsweise durch eine Behandlung mit Antibiotika zerstört oder das saure Milieu beim Geschlechtsverkehr durch die Samenflüssigkeit vorübergehend neutralisiert, steigt das Risiko für eine Pilzinfektion. Bestimmte sexuelle Neigungen wie Oral- und Analverkehr, häufig wechselnde Partner und eine starke sexuelle Aktivität stellen ein besonderes Risiko für die Entstehung von Scheidenpilz dar, denn dadurch können verstärkt Keime in die Scheide gelangen.

Dennoch - etwa 20 Prozent der Frauen, die eine hohe Besiedlung mit Scheidenpilzen aufweisen, erkranken trotzdem nicht daran. Wissenschaftler vermuten, dass vor allem bestimmte Prozesse der lokalen Infektabwehr in der Scheide eine Rolle spielen. Von Frau zu Frau scheint es erblich bedingt große Unterschiede in der Neigung zu solchen Reaktionen zu geben.

 

Der Einfluss der Hormone auf die Neigung für Candidose

Auch die weiblichen Hormone beeinflussen das Risiko für Scheidenpilz. Frauen, die hohe Östrogenspiegel haben, erkranken häufiger. Ebenso ist der höhere Östrogenspiegel in der Phase nach dem Eisprung der Grund, warum sich Scheidenpilzsymptome zumeist in den Tagen vor der Regel bemerkbar machen. Unter dem Einfluss von Östrogen steigt der Gehalt an Zucker (Glykogengehalt) in den Scheidenzellen. Pilze finden so ein gutes Nahrungsangebot. Östrogen fördert zudem den Übergang der Pilzerreger (Hefepilze) von der Hefeform in die sogenannte Hyphenform. Nur in dieser Form können die Erreger in das Gewebe eindringen und letztlich eine Pilzinfektion hervorrufen.

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Wegen der stark erhöhten Östrogenspiegel während der Schwangerschaft tritt Scheidenpilz besonders häufig bei schwangeren Frauen auf. Auch die Pille, die ebenfalls Östrogen enthält, steht im Verdacht, das Scheidenpilzrisiko zu steigern. Jedoch geht von den heute gebräuchlichen sogenannten Mikropillen, die nur sehr geringe Hormonkonzentrationen enthalten, wahrscheinlich ein eher geringes Risiko für eine Infektion mit Scheidenpilz aus. Hierzu gibt es allerdings unterschiedliche Studiendaten.

Wie bekommt man das Problem in den Griff?

Die Möglichkeiten einer Scheidenpilzinfektion vorzubeugen, sind sicherlich begrenzt, da offenbar auch die genetische Veranlagung eine Rolle spielt und sich bestimmte andere Risikofaktoren nur schwer vermeiden lassen. Eine akute Scheidenpilzinfektion lässt sich jedoch oft gut und schnell mit Cremes oder einer Kombination aus Creme und Vaginaltabletten - etwa mit dem Wirkstoff Clotrimazol -  behandeln. Schwere und hartnäckige oder häufig wiederkehrende Scheidenpilzinfektionen erfordern ein besonderes Therapiekonzept, das der Arzt auf der Grundlage einer genauen Erregeranalyse sowie nach Feststellung weiterer vorhandener Risikofaktoren erstellt.

Kann man sich beim Sex mit Scheidenpilz infizieren?

Viele Paare machen sich Sorgen, dass es sich beim Scheidenpilz um eine Geschlechtserkrankung handelt. Die Wahrscheinlichkeit sich beim Sex mit Scheidenpilz zu infizieren ist jedoch verhältnismäßig gering.

Kade Fungin

Autor: Claudia Urban
Letzte Aktualisierung: 12. Dezember 2013
Quellen: Mylonas, I. et al: Vaginale Candidose In: Der Gynäkologe (3) 2006, S. 206-212 Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (DGGG), Arbeitsgemeinschaft für Infektionen und Infektionsimmunologie in der Gynäkologie und Geburtshilfe (AGII),Deutsche Dermatologische Gesellschaft (DDG), Deutschsprachige Mykologische Gesellschaft (DMyKG): Die Vulvovaginalkandidose. Stand August 2010. URL: http://www.dggg.de/fileadmin/public_docs/Leitlinien/1-4-1-vulvovaginalkandidose-2010.pdf (25.05.2011)

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