Zuckerkranke Mädchen und junge Frauen

Diabetes erhöht das Risiko für Scheidenpilz

Was die "Zuckerkrankheit" mit Scheidenpilz zu tun hat

Immer mehr Mädchen in der Pubertät erkranken an Diabetes mellitus. Das macht sie anfälliger für Scheidenpilz. Daran sollten Eltern denken, wenn ihre Tochter über Jucken, Brennen und krümeligen weißen Ausfluss klagt.

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Immer mehr Jugendliche leiden unter Typ-1-Diabetes mit allen Konsequenzen wie regelmäßige Blutzuckertests - und einem erhöhten Risiko für Scheidenpilz.
Getty Images/iStockphoto

Hat mein Mädchen tatsächlich schon Scheidenpilz? Manche Mütter mögen es gar nicht glauben, wenn ihre Teenager-Tochter an einer vaginalen Pilzinfektion erkrankt. Doch dass Mädchen einen Genitalpilz entwickeln, ist gar nicht so selten. Denn bereits mit acht oder zwölf Jahren beginnt der weibliche Körper Geschlechtshormone zu bilden und die Pubertät beginnt. Kinder sind heutzutage eher geschlechtsreif als in vergangenen Jahrzehnten. Mittlerweile haben Mädchen hierzulande im Schnitt mit 12,5 Jahren ihre erste Regelblutung und Jungen im Alter von 13,5 ihren ersten Samenerguss.

Typ-1- und Typ-2-Diabetes bei Kindern nehmen zu

Die Hormonschwankungen in der Pubertät begünstigen Pilzinfektionen der Scheide - besonders wenn das Mädchen Diabetikerin ist. Nach Hochrechnungen wird die Zahl der Kinder unter 15 Jahren mit Typ-1-Diabetes europaweit von rund 94.000 im Jahr 2005 um 70 Prozent auf 160.000 im Jahr 2020 steigen.

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Durchschnittlich liegt die Zunahme bei 3,9 Prozent pro Jahr. Je jünger die Kinder sind, desto stärker steigt bei ihnen die Rate der Neuerkrankungen, stellten Forscher der Queen's University Belfast fest. Genetische Faktoren allein erklären das nicht. Veränderter Lebensstil, mehr Leibesfülle und eine wachsende Zahl von Kaiserschnittgeburten könnten eine Mitschuld tragen, vermuten die Wissenschaftler.

Auch die Zahl der Jugendlichen mit Typ-2-Diabetes wächst. Die im Volksmund „Alterszucker“ genannte Krankheit nimmt zu, weil es immer mehr dicke Kinder gibt. Experten schätzen, dass jedes Jahr 210 Jugendliche unter 18 Jahren in Deutschland neu an Typ-2-Diabetes erkranken.

Diabetes begünstigt vaginale Pilzinfektionen

Junge Diabetikerinnen sind gefährdeter als gesunde Mädchen, einen Scheidenpilz zu entwickeln, berichtet Dr. Anja Oppelt, Gynäkologin und LIFELINE-Expertin. Unter anderem wegen des erhöhten Zuckergehalts im Blut und Scheidensekret könnten sich Genitalpilze besser vermehren. Eine Infektion bemerken Mädchen und ihre Mütter meist an den typischen Symptomen: weißer quarkähnlicher Ausfluss, starkes Jucken und Brennen beim Wasserlassen.

Um einen Vaginalpilz zu behandeln, gibt es zum Beispiel Vaginalcremes und -tabletten, die rezeptfrei in der Apotheke erhältlich sind. Die Pilzinfektion sollte dann innerhalb weniger Tage abgeklungen sein. Um sicher zu gehen, dass ihre Tochter tatsächlich an Scheidenpilz leidet, sollten Eltern mit ihr einen Arzt aufsuchen.

Übertriebene Intimhygiene schadet der Vagina

Um einer vaginalen Pilzinfektion vorzubeugen, müssen junge Diabetikerinnen auf richtige zu viel Genitalhygiene achten. Vor allem gilt, nach dem Toilettengang von vorn nach hinten zu wischen, um keine Pilze aus dem Darm in Richtung Scheide zu verschleppen.

Lifeline-Expertin Oppelt warnt zudem vor zu viel Genitalhygiene. Intimsprays und Scheidenspülungen, aber auch Seifen und aggressive Duschgels können die Vagina angreifen und Pilzen das Vermehren erleichtern. Zum Reinigen ist am besten lauwarmes Wasser zu benutzen. „Zusätzlich kann eine Diabetikerin Milchsäurepräparate verwenden, um Scheidenpilz vorzubeugen", sagt Oppelt. Die gibt es beispielsweise als vaginal anzuwendendes Gel für eine siebentägige Milchsäure-Kur.

Falls eine junge Diabetikerin häufiger an Scheidenpilz erkrankt, kann dies darauf hindeuten, dass ihr Blutzucker schlecht eingestellt ist. Um das zu korrigieren, empfiehlt sich ein Besuch beim behandelnden Arzt.

Scheidenpilz: Was Sie beachten sollten

Autor:
Letzte Aktualisierung: 11. Januar 2015
Quellen: Nach Informationen von Dr. Anja Oppelt, Gynäkologin und LIFELINE-Expertin im Special Scheidenpilz; Roswitha Spallek: Sexualität in der Pubertät. Familienhandbuch des Staatsinstituts für Frühpädagogik (IFP). URL: www.familienhandbuch.de/cmain/f_Fachbeitrag/a_Erziehungsbereiche/s_601.html, Stand: 06.02.2009; Patterson, Christopher C et. al: “Incidence trends for childhood type 1 diabetes in Europe during 1989-2003 and predicted new cases 2005-20: a multicentre prospective registration study”. In: The Lancet, 373 (2009), S. 2027-2033; Prof. Dr. med. Thomas Danne: Diabetes mellitus und Übergewicht - Häufigkeit des Kinder-Diabetes verdoppelt, URL: http://www.diabetes-deutschland.de/archiv/3840.htm, Stand 12. August 2010

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