Doppelrolle von Candida albicans

Wieso manche Frauen ständig Scheidenpilz bekommen

Potenzielle Scheidenpilz-Erreger besiedeln den Intimbereich fast jeder gesunden Frau. Warum aber bekommen nur manche Scheidenpilz, und das unter Umständen immer wieder? Verschiedene Gründe spielen hier eine Rolle, wie Wissenschaftler entdeckten.

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Kolonien des Hefepilzes Candida albicans: Solange die mikroskopisch kleinen Erreger in Kugelform vorliegen, sind sie harmlos. Bilden sie jedoch Pilzfäden (Hyphen) aus, haben sie pathogene (krank machende) Wirkung und können unter anderem Scheidenpilz auslösen.
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Scheidenpilz kann man getrost als Volkskrankheit bezeichnen: Drei Viertel aller Frauen kennen die Symptome wie Jucken, Brennen und bröckeligen Ausfluss aus eigener Erfahrung. Fast jede Zehnte plagt das Problem dauerhaft oder immer wieder.

Candida albicans kann in zwei Formen vorliegen

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Fest steht: Beinahe jeder Mensch trägt Hefepilze der Art Cancida albicans mit sich herum, die unter anderem Scheidenpilz auslösen können. Den Grund, warum sie nicht immer Beschwerden hervorrufen, haben jetzt Forscher geklärt. Es komme darauf an, in welcher Form die Candida-Pilze vorliegen, schreibt Scheidenpilz-Experte Professor Antonio Cassone von der Uni Perugia in Italien in einer Studienarbeit zum Thema.

Der Hefepilz ist sehr anpassungsfähig und robust. Er kann im menschlichen Körper die Rolle eines harmlosen Mitbewohners einnehmen. Dann liegt Candida albicans in kugeliger Gestalt vor, der sogenannten Yeast- oder Y-Form (engl. "yeast" = Hefe). Womöglich nützt der Pilz in diesem Zustand sogar der Scheidenflora, so Cassone. Milchsäurebakterien sorgen dafür, dass ihre Zahl gering bleibt und sie sich nicht unkontrolliert vermehren.

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Die größten Risikofaktoren für Scheidenpilz

Wenn die Abwehr allerdings geschwächt ist, können die Hefepilze in ihre H-Form (Hyphe = Pilzfaden) übergehen, die Scheidenschleimhaut oder andere Gewebe infizieren. Das passiert beispielsweise häufig nach einer Antibiotikatherapie, beim Vorliegen einer Immunschwäche-Krankheit wie Aids oder großer psychischer Belastung, etwa durch Stress. Auch ein schlecht eingestellter Diabetes (Zuckerkrankheit) sowie hormonelle Schwankungen durch Schwangerschaft oder die Einnahme der Antibabypille begünstigen Scheidenpilz.

Dass es manche Frauen häufiger als andere oder sogar immer wieder trifft, erklärt Cassone mit Unterschieden in der Zusammensetzung der Scheidenflora sowie der komplexen Abwehrmechanismen des Körpers. In der krank machenden H-Form produzierten die Erreger zudem Stoffe, die es ihnen ermöglichen, sich vor dem menschlichen Immunsystem zu verstecken, erläutert der Professor. Eine Spontanheilung ist demnach sehr unwahrscheinlich.

Milchsäure stärkt die Scheidenschleimhaut gegen Erreger

Scheidenpilz lässt sich aber mit antimykotischen Medikamenten (Anti-Pilz-Mitteln) wie Vaginalcremes und Tabletten aus der Apotheke gut in den Griff bekommen. Sie werden lokal angewendet, also direkt im Bereich der Scheide. Auch zum (Wieder-)Aufbau einer gesunden Scheidenflora gibt es rezeptfreie Präparate mit Milchsäure.

Gesunde Scheidenflora: Die besten Tipps

Autor:
Letzte Aktualisierung: 14. Januar 2015
Quellen: Cassone A. Vulvovaginal Candida albicans infections: pathogenesis, immunity and vaccine prospects. BJOG 2014; DOI: 10.1111/1471-0528.12994.

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