Kaum spezifische Symptome

Hepatitis B: Häufig durch Sex übertragen

Neben bekannten Erkrankungen wie Tripper oder Chlamydien zählt auch Hepatitis B zu den sexuell übertragbaren Krankheiten. Die Gefahr, bei ungeschütztem Geschlechtsverkehr daran zu erkranken unterschätzen dennoch viele. Eine einfache Impfung schützt vor der Infektion.

Paar küsst sich
Bis zu 70 Prozent der Neuerkrankungen bei Hepatitis B gehen auf ungeschützten Geschlechtsverkehr zurück.
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Hepatitis B ist eine der häufigsten Infektionskrankheiten der Welt. Laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) litten oder leiden insgesamt rund zwei Milliarden Menschen daran. Etwa drei Prozent der Weltbevölkerung sind chronisch infiziert. Bei Hepatitis B handelt es sich um eine Leberentzündung. Ein auffälliges Symptom, das aber nur bei etwa einem Drittel der Erkrankten auftritt, ist der sogenannte Ikterus, die Gelbsucht. Dabei verfärben sich Haut, Schleimhäute und Augen.

Die körpereigene Abwehr stärken

Hepatitis B am häufigsten südlich der Sahara und in Ostasien

Das Hepatitis-B-Virus (HBV) ist ein ziemlich hartnäckiger Geselle: Gegenüber äußeren Einflüssen ist es vergleichsweise stabil und auch Desinfektionsmittel richten meist nur wenig dagegen aus. Manchmal kommt es neben der Hepatitis-B-Infektion zu einem Ausbruch von Hepatitis D. Das Hepatitis-D-auslösende Virus besitzt keine Hülle, ist also ein defektes Virus, und kann daher ausschließlich zusammen mit Hepatitis B auftreten, nie alleine. In diesem Fall sprechen Mediziner von einer Simultan- oder Superinfektion, die größtenteils schwere chronische Krankheitsverläufe hat. Insgesamt gibt es fünf verschiedene Hepatitiden: Hepatitis A, B, C, D und E.

Nicht überall auf der Welt ist der HBV gleich häufig: Mit fünf bis zehn Prozent chronisch erkrankten Erwachsenen sind die afrikanischen Regionen südlich der Sahara sowie Ostasien am stärksten von Hepatitis B betroffen. Während im Mittleren Osten und dem indischen Subkontinent noch rund zwei bis fünf Prozent der Erwachsenen an der chronischen Form leiden, sind es in Westeuropa und Nordamerika weniger als ein Prozent. In Deutschland leben Schätzungen zufolge circa 600.000 Personen mit chronischer Hepatitis B. Ab 2001 sank die Zahl der jährlichen Neuerkrankungen, seit 2014 steigt sie wieder an.

Hepatitis-B-Viren tummeln sich vor allem im Blut

Da nur Menschen dem Virus als Wirt dienen, kann lediglich der Mensch die Erkrankung weitergeben. Die wichtigsten Ansteckungsquellen sind dabei (symptomarme/-lose) chronisch und neu infizierte Personen. Besonders in der Frühphase sind Neuerkrankte ansteckend: In dieser Zeit löst fast jedes Viruspartikel die Leberentzündung aus. Dann reichen bereits kleinste Blutmengen Betroffener aus, die in winzige Verletzungen der Haut oder Schleimhäute und dadurch in den Blutkreislauf gelangen, um Hepatitis B zu verursachen.

Hochkonzentriert ist das Virus im Blut enthalten. In weiteren Körperflüssigkeiten wie Speichel, Tränenflüssigkeit, Sperma, Vaginalsekret, Menstruationsblut und Kolostrum (milchartiges Sekret, das die weiblichen Brustdrüsen kurz vor und nach der Geburt absondern) sind ebenfalls Erreger enthalten – allerdings in deutlich geringerer Menge.

40 bis 70 Prozent der Hepatitis-B-Fälle durch ungeschützten Sex

Somit kann Hepatitis B auch durch ungeschützten Geschlechtsverkehr übertragen werden. Auch wenn die Infektionszahlen in Deutschland vergleichsweise niedrig sind: Hierzulande stecken sich junge Erwachsene vor allem beim Sex an. Mehr als zwei Drittel und damit bis zu 70 Prozent der Neuerkrankungen gehen auf diesen Infektionsweg zurück. Mit regelmäßigen Tests auf Geschlechtskrankheiten und der Verwendung von Kondomen bei häufig wechselnden oder bereits infizierten Partnern kann man sich vor einer Ansteckung durch Sex schützen.

Symptome von Geschlechtskrankheiten erkennen

Weitere Risikogruppen sind laut Robert-Koch-Institut (RKI):

  • Einreisende aus Ländern mit hoher Hepatitis-B-Prävalenz
  • Urlauber, die sich durch sexuelle Kontakte im Ausland mit dem Virus angesteckt haben
  • medizinisches Personal
  • Personen, die sich Drogen durch Injektionen zuführen
  • Männer, die Sex mit Männern haben
  • Sexarbeiter/-innen
  • Neugeborene, sofern die Mutter Virusträgerin ist. Wird der Säugling nicht umgehend behandelt, manifestiert sich in 95 Prozent der Fälle eine chronische Erkrankung.

Gelbe Haut als auffälligstes Symptom der Hepatitis B

Abhängig von der Stärke des Immunsystems, dem Infektionsweg und der Menge der Erreger, die übertragen wurden, dauert es 45 bis 180 Tage, bis sich die Krankheit manifestiert. Dabei muss es aber nicht immer zu Symptomen kommen. Denn diese werden überwiegend durch die Immunabwehr – nicht die Infektion selbst – hervorgerufen. Daher können sich die HBV bei einem schwachen Immunsystem zwar stark vermehren, bemerkbar macht sich die Erkrankung aber nicht. Das ist besonders der Fall bei Kleinkindern und Personen mit reduzierten Abwehrkräften.

Ein wehrhaftes Immunsystem äußert sich in der frühen Phase der akuten Hepatitis B durch unspezifische Symptome wie Abgeschlagenheit, Appetitlosigkeit, Unwohlsein, Übelkeit, Erbrechen, Fieber oder auch Gelenkschmerzen. Drei bis zehn Tage später verfärbt sich der Urin dunkel und der Ikterus (Gelbsucht) tritt auf. Der Grund für die Gelbfärbung ist, dass die Funktion der entzündeten Leber eingeschränkt ist: Sie ist nicht mehr in der Lage, den gelben Gallenfarbstoff Bilirubin abzubauen. Dieser lagert sich im Körper ab. Die Hochphase ist nach ein bis zwei Wochen, später verblasst der ungewöhnliche Hautton wieder.

In den meisten Fällen verläuft die Leberentzündung aber ohne Symptome.

Diagnose von Hepatitis B mittels Blutuntersuchung

Besteht der Verdacht auf Hepatitis B, bringt ein Bluttest Gewissheit: Denn im Blut sind Antikörper gegen das HBV enthalten. Die chronische oder akute Hepatitis B wird durch Antikörper und -gene wie HBsAg, Anti-HBc, Anti-HBc-IgM, HBeAg und Anti-HBe oder Virus-DNA nachgewiesen. Bei einer akuten oder aktiven chronischen Gelbsucht ist viel Virus-DNA im Blut zu finden. Ruht die Erkrankung stattdessen, ist die Menge eher gering.

Bei einer Erstdiagnose kommen unter Umständen weitere Untersuchungen auf den Patienten zu:

  • Anamnese
  • Nachweis eventueller weiterer Infektionen (zum Beispiel Hepatitis D)
  • klinisch-chemische Labortests
  • Oberbauchsonographie

Lässt sich der Umfang und mögliche Verlauf einer chronischen Hepatitis B nicht auf eine dieser Arten klären, muss der Arzt eine Leberbiopsie anordnen. Dabei entnimmt er Lebergewebe und analysiert es anschließend.

Selten Therapie bei akuter Hepatitis B nötig

Wegen der sehr hohen Spontanheilungsrate von 95 bis 99 Prozent bei Erwachsenen muss die akute Hepatitis B in den meisten Fällen nicht behandelt werden. Weil sie sich aber zu einer fulminanten Leberentzündung weiterentwickeln kann, muss sie auf jeden Fall überwacht werden. Bei einer fulminanten Hepatitis B handelt es sich um eine sehr schwer und rasch verlaufende Form der Erkrankung, die auch ein akutes Leberversagen bedingen kann.

Fällt allerdings der Quick-Wert (Parameter, der die Funktionalität der Blutgerinnung überprüft) unter 50 Prozent oder kommt es zu Einschränkungen bei der Lebersynthese, muss der Erkrankte sofort eine antivirale Therapie bekommen. Dabei setzen Mediziner Hemmstoffe der HBV-DNA-Polymerase und bei der fulminanten Hepatitis B Nukleosid- beziehungsweise Nukleotidanaloga ein. Viele Betroffene empfinden Bettruhe, kohlenhydratreiche und fettarme Ernährung in der akuten Phase als angenehm. Trotzdem haben spezielle Diäten keinen Einfluss auf die Erkrankung. Um die Leber nicht zusätzlich zu stressen, sollten Betroffene in dieser Zeit auf Alkohol verzichten.

Antivirale Therapie bei chronischer Leberentzündung

Sind die Viren länger als sechs Monate im Blut nachweisbar, sprechen Mediziner von einer chronischen Hepatitis B. Sie entwickelt sich zwar nur bei rund zehn Prozent der Erwachsenen, dafür aber bei fast 90 Prozent der betroffenen Kleinkinder und Personen mit schwachem Immunsystem.

Die häufigste Konsequenz einer schweren chronischen Hepatitis B ist eine Leberzirrhose oder ein Leberzellkarzinom. Diese durch HBV induzierten Folgekrankheiten fordern jedes Jahr weltweit rund 780.000 Menschenleben.

Daher behandeln Ärzte diese Verlaufsform mit einer antiviralen Therapie mit Interferon Alpha beziehungsweise PEG-Interferon Alpha. Schwangere oder Patienten mit dekompensierter oder fortgeschrittener Leberzirrhose sollten die Medikamente dagegen nicht einnehmen. In diesen Fällen oder wenn die Interferon-Therapie nicht anschlägt, können Patienten Nukleosid- beziehungsweise Nukleotidanaloga einnehmen. Die Arzneien werden allerdings dauerhaft verschrieben, da die Viruslast im Blut nach dem Absetzen wieder steigt. Hilft das alles nicht und ist die Zerstörung der Leber schon weiter vorangeschritten, steht dem Betroffenen eine Lebertransplantation bevor.

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Beste Vorbeugung: Frühzeitige Impfung gegen Hepatitis B

Mit einer rechtzeitigen Impfung gegen Hepatitis B (aktive Immunisierung) können Patienten der Erkrankung ausreichend vorbeugen. Die ständige Impfkommission (STIKO) des RKI empfiehlt die Schutzimpfung im Säuglings- oder Kindes- beziehungsweise Jugendalter – spätestens allerdings bis zum 18. Lebensjahr. Die Immunisierung besteht aus drei Impfungen im Zeitraum von maximal einem Jahr. Der Schutz hält anschließend mindestens zehn Jahre. Eine Auffrischung ist nur nötig, wenn die Betroffenen einer Risikogruppe angehören.

Ist virulentes Blut in den Kreislauf einer Person eingedrungen, ist eine Postexpositionsprophylaxe möglich: Der Patient erhält dabei eine aktive und zugleich eine passive Impfung (Antikörper, die Hepatitis-Viren bekämpfen). Die Expositionsprophylaxe betrifft dagegen vor allem medizinisches Personal: Sie sollen bei allen Patienten auf eine ausreichende Basishygiene achten und unter anderem Schutzkittel oder -schürze, -handschuhe, -brille oder Gesichts- sowie Mund-Nasen-Schutz anwenden, sofern es nötig ist. Scharfe oder spitze Gegenstände, an denen möglicherweise infektiöses Blut oder andere Körperflüssigkeiten kleben, müssen außerdem sicher entsorgt werden. Da Hepatitis-B-Viren sehr widerstandsfähig gegenüber herkömmlichen Desinfektionsmitteln sind, können eventuell verunreinigte Gegenstände nur mittels Hitze ausreichend desinfiziert werden.