Langer Körperkontakt nötig

Krätze: Symptome, Behandlung und Ansteckung bei Scabies

Es juckt und juckt und juckt. Schuld an einem solch schlimmen Juckreiz kann die Krätzemilbe sein. Sie löst die entsprechende Hautkrankheit Krätze aus. An welchen weiteren Symptomen Sie Scabies erkennen und wie Sie die lästigen Parasiten wieder loswerden, erfahren Sie hier.

Krätze Frau kratzt sich
Starker Juckreiz ist das bekannteste Symptom der Krätze.
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Breitet sich die Krätze wieder in Deutschland aus? Seit 2010 steigen zumindest die Krankenhausaufenthalte aufgrund von Krätze an: Die Zahl erhöhte sich von rund 760 Fällen im Jahr 2010 auf etwa 2.780 Menschen nur fünf Jahre später. Daher ist es wichtig, über Krätze informiert zu sein und die Krankheit frühzeitig zu erkennen.

Im Überblick:

Krätze: Milben überleben nur auf menschlicher Haut

Eine bestimmte Milbenart, die Krätzemilbe, ist der Erreger dieser Hautkrankheit. Der Parasit hat sich auf den Menschen spezialisiert und kann sich nur auf unserer Haut vermehren. Befinden sich dort eine männliche und eine weibliche Milbe, verpaaren diese sich auf der Oberfläche unserer Haut.

Symptome von Geschlechtskrankheiten erkennen

Die Männchen sterben danach ab, die befruchteten Weibchen dringen dagegen in die oberste Hautebene, die Hornschicht, ein und bilden bis zu einen Zentimeter lange Milbengänge. Dort legen sie ihre Eier ab, aus denen nur wenige Tage später Larven schlüpfen, die sich nach zwei bis drei Wochen zu geschlechtsreifen Milben entwickeln.

Krätzemilben sind sehr temperaturempfindlich: Bei Temperaturen unter 16 Grad Celsius sind sie bereits in ihrer Beweglichkeit eingeschränkt, bei 34 oder 50 Grad Celsius überleben sie weniger als 24 Stunden beziehungsweise nur zehn Minuten. Lediglich an Temperaturen dazwischen und höhere Luftfeuchtigkeit sind die Milben gut angepasst.

Ansteckung mit Krätze durch längeren Hautkontakt

Da sich die Krätzemilben nur sehr langsam fortbewegen, können sie auch nur durch einen länger andauernden direkten Hautkontakt von der infizierten Person auf eine andere übergehen. Das Robert-Koch-Institut (RKI) schätzt, dass für die Ansteckung bei Krätze mindestens fünf bis zehn Minuten Hautkontakt dafür notwendig sind. Weil die Berührung außerdem eng und großflächig sein muss, ist der häufigste Übertragungsweg Geschlechtsverkehr. Daher zählt Krätze auch zu den sexuell übertragbaren Krankheiten (STD). Weitere Übertragungswege sind:

  • Kuscheln
  • gemeinsames Schlafen in einem Bett
  • Körperpflege von Kindern oder Bedürftigen
  • Spielen

Daher stecken sich meistens Paare, Familien oder auch Wohngemeinschaften gegenseitig an. Seltener, aber nicht unmöglich ist die Übertragung von Krätze durch Bettwäsche, Decken oder andere Textilien. Grund hierfür ist, dass die Parasiten hauptsächlich auf der menschlichen Haut infektiös sind. Bei einer ersten Ansteckung mit Krätze treten erst zwei bis fünf Wochen nach der Übertragung Symptome auf. Bei einer wiederholten Infektion dagegen bereits in den ersten vier Tagen.

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Juckreiz als typisches Symptom für Krätze

Mediziner unterteilen die Scabies je nach Ausprägung in verschiedene Formen. So gibt es unter anderem die gewöhnliche Krätze, Scabies crustosa (Borkenkrätze), Krätze bei Säuglingen oder Kleinkindern, Scabies discreta (gepflegte Krätze) sowie Scabies nodosa. Obwohl Krätze stets mit Juckreiz in Verbindung gebracht wird, gilt das nicht für alle der genannten Formen. Denn die einzelnen Arten unterscheiden sich in ihren Symptomen teils beträchtlich voneinander:

Art der Krätze Symptome Lokalisation
gewöhnliche Krätze verwinkelte Milbengänge (sichtbar); am Ende der Milbengänge befindet sich oft kleines Bläschen; Ekzem mit Papeln sowie Bläschen und Vesikel; starker Juckreiz, der nachts zunimmt vordere Achselfalten, Brustwarzenhof, Ellenbogen, Nabel, Handgelenke, Finger-/ Zehenzwischenräume, Gürtellinie, Leisten, Gesäß, Analfalte, Knöchel, Fußränder, Penis und vor allem Penisschaft
Scabies crustosa (vor allem bei schwachem Immunsystem) starke Hautverhornung; häufig auch Krusten und Borken; Juckreiz kann bei dieser Form fehlen vor allem Handflächen und Fußsohlen; oft auch Kopfhaut, Gesicht und Hals
bei Säuglingen/ Kleinkindern Blasen, Bläschen, Pustel Kopfhaut, Gesicht, Achseln, Knie, Kniekehlen, Unterschenkel, Knöchel, Füße (inklusive Sohlen)
Scabies discreta (vor allem bei sehr reinlichen Menschen) starker Juckreiz, aber kaum Hautveränderungen, da die Erkrankung nicht im vollen Ausmaß ausbricht  
Scabies nodosa (vor allem bei Kleinkindern) juckende, bis erbsengroße Knötchen; bleiben oft monatelang bestehen  
Krätze Oberarm eines Mannes
Krätze am Oberarm eines Mannes
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Scabies crustosa tritt vor allem bei Personen mit schwachem oder unterdrücktem Immunsystem auf, zum Beispiel bei HIV, krankhafter Abmagerung oder Missempfindungen. Weil sich das Immunsystem nicht gegen die Krätzemilben wehren kann, vermehren diese sich ungehindert. Dadurch können sich schließlich mehrere Millionen Parasiten auf und unter der Haut befinden. Da diese Form der Krätze hochansteckend ist, reichen bereits kurze Hautkontakte, wie etwa Händeschütteln oder Umarmungen, um die Milben zu übertragen.

Obwohl Krätze meist mit mangelnder Hygiene verbunden wird, sieht die Realität anders aus. Das ist besonders der Fall bei der Sonderform Scabies discreta. Denn auch Menschen, die sich häufig waschen, können von Krätze befallen werden. Sie verspüren zwar einen starken Juckreiz, aufgrund ihrer Reinlichkeit und der eventuellen Anwendung von Kosmetika sind die Milbengänge aber nicht sichtbar.

Krätze erkennen: Bei ersten Symptomen zum Dermatologen

Wer plötzlich und unerklärlich starken Juckreiz verspürt oder aber entsprechende Hautveränderungen an sich beobachtet, sollte schnellst möglichst einen Dermatologen aufsuchen. Dieser stellt bei entsprechenden Symptomen zunächst eine Verdachtsdiagnose auf Krätze. Um sicherzugehen, dass es sich tatsächlich um Scabies handelt, trägt er ein Stückchen Haut ab und untersucht es unter einem Mikroskop. Krätze: Symptome, Behandlung und Ansteckung bei Scabies

Alternativ führen Mediziner auch einen Klebebandtest durch. Dabei drückt der Arzt durchsichtiges Klebeband auf die betroffenen Hautstellen, zieht es anschließend ruckartig ab und untersucht es ebenfalls mikroskopisch. Eine weitere Methode, den Verdacht auf Krätze zu sichern ist die Auflichtmikroskopie.

Gute Behandlung der Krätze mit Antiscabiosum

Krätze erfordert meist keinen Krankenhausaufenthalt. Lediglich bei Scabies crustosa werden die Betroffenen eingewiesen. Ziel der Behandlung ist die Abtötung der Krätzemilben, ihrer Eier und/oder Larven.

Die körpereigene Abwehr stärken

Am erfolgreichsten ist die Therapie mit dem Antiscabiosum Permethrin. Die Creme wird über Nacht angewandt und auf alle betroffenen Stellen aufgetragen. Ist die Krätze nach der Behandlung mit Permethrin noch immer da oder gibt es Kontraindikationen, empfehlen Experten den Wirkstoff Ivermectin.

Vorbeugung bei gewöhnlicher Krätze: Kuscheleinheiten vermeiden

Um eine Übertragung von Krätze zu verhindern, sollten Betroffene und deren Kontaktpersonen einige Maßnahmen beachten:

  • Keinen engen und länger andauernden Körperkontakt für die Zeit zwischen Infektion und Auftreten der ersten Symptome (bis zu sechs Wochen): Geschlechtsverkehr, Kuscheln, gemeinsames Schlafen in einem Bett, Körperpflege von Kleinkindern oder Kranken sowie Liebkosen und Spielen mit (Klein-)Kindern sollten in dieser Zeit vermieden werden
  • Textilien und Gegenstände mit längerem Körperkontakt (zum Beispiel Kleidung, Bettwäsche, Handtücher, Kuscheltiere) sollten bei mindestens 50 Grad Celsius und für wenigstens zehn Minuten gewaschen werden
  • Kontaminierte Betten sollten mit frischer Bettwäsche bezogen werden
  • Polstermöbel, Kissen, Fußbodenteppiche und ähnliches können mit einem starken Staubsauger gereinigt werden; allerdings müssen Filter und Beutel anschließend entsorgt werden

Ansteckung vermeiden: Bei Scabies crustosa Betroffene sofort isolieren

Bei der hochansteckenden Scabies crustosa dagegen müssen Betroffene sofort isoliert und möglichst im Krankenhaus behandelt werden. Alle Personen, die mit den Erkrankten in den letzten sechs Wochen Hautkontakt hatten, sollten sich untersuchen und gegebenenfalls auch behandeln lassen. Sämtliche Gegenstände, mit denen der Betroffene in Kontakt stand, müssen laut RKI deutlich intensiver gereinigt werden, als bei den anderen Krätzeformen:

  • Kleidung (inklusive Schuhe), Handtücher und Bettwäsche: unbedingt täglich wechseln bis mindestens nach der zweiten Behandlung
  • Bei längerem Körperkontakt mit diesen Textilien oder anderen Gegenständen: intensive Reinigung nötig (autoklavieren) oder – wenn möglich – Einmalartikel verwenden
  • Zimmer des Betroffenen und Gebrauchsgegenstände: gute, tägliche Reinigung oder mindestens drei Tage (bei Textilien mindestens sieben Tage) von niemandem benutzen
  • Bei direktem Hautkontakt mit Polstermöbeln, Kissen, Fußbodenteppichen und ähnlichem: mit starkem Staubsauger reinigen (wie auch bei der normalen Krätze müssen Filter und Beutel danach entsorgt werden) oder mindestens sieben Tage von niemandem benutzen
Juckreiz, Ausfluss, Brennen: Was kann alles dahinterstecken?

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Letzte Aktualisierung:29. Januar 2018
Quellen: Robert-Koch-Institut (Hrsg.): Skabies (Krätze) - RKI-Ratgeber für Ärzte, 2016, Berlin, abgerufen unter: https://www.rki.de/DE/Content/Infekt/EpidBull/Merkblaetter/Ratgeber_Skabies.html; Pschyrembel Klinisches Wörterbuch, 266. Auflage, Walter de Gruyter Verlag, Berlin/ Boston 2014; Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (Hrsg.): Krätze (Skabies): Informationen über Krankheitserreger beim Menschen, 2016, Köln-Ehrenfeld, abgerufen unter: https://www.infektionsschutz.de/erregersteckbriefe/kraetze-skabies/

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