Home » Andere Erkrankungen » Toxisches Schocksyndrom: Wie gefährlich ist das TSS?
Lebensbedrohliche Infektion

Toxisches Schocksyndrom: Wie gefährlich ist das TSS?

Verursacht wird die Infektionskrankheit toxisches Schocksyndrom (TSS) durch Gifte von bestimmten Bakterien. Wird das Syndrom nicht rechtzeitig erkannt und behandelt, droht ein gefährliches Multiorganversagen. Welche Ursachen für TSS bekannt sind, mit welchen Symptomen sich das toxische Schocksyndrom äußert und wie man ihm vorbeugen kann.

Menstruation und Hygieneprodukte
Das Risiko für das toxische Schocksyndrom (TSS) lässt sich durch eine sorgfältige Menstruationshygiene reduzieren.
© iStock.com/LightFieldStudios

Das toxische Schocksyndrom (TSS) ist eine seltene Infektionskrankheit, die hauptsächlich von Bakterien (Streptokokken und Staphylokokken) verursacht wird. Unbehandelt führt die Infektion zu einem lebensbedrohlichen Kreislauf- und Organversagen. Es gibt immer wieder Einzelfälle, in denen die Verwendung eines Tampons oder Diaphragmas in Verbindung mit TSS gebracht wurde – deshalb sollte beides nicht zu lange getragen werden.

Artikelinhalte im Überblick:

TSS: Welche Symptome deuten auf das toxische Schocksyndrom hin?

In der akuten Schockphase zeigen sich normalerweise folgende Symptome:

  • plötzliches hohes Fieber (über 39 °C)
  • Kopfschmerzen
  • Schüttelfrost
  • Schweres Krankheitsgefühl
  • Muskelschmerzen (Myalgie)
  • Erbrechen und wässriger Durchfall
  • Schwindel
  • Rötung der Haut

Im weiteren Verlauf gehören auch ein niedriger Blutdruck (Hypotonie) und ein sonnenbrandähnlicher Hautausschlag zu den Symptomen des toxischen Schocksyndroms.

Ursachen für das toxische Schocksyndrom

Beim TSS reagiert der Körper auf Gifte (Toxine) der Bakterien Staphylococcus aureus und Streptococcus pyogenes. Generell unterscheiden Mediziner zwischen dem mentstruellen und dem nichtmenstruellen TSS, also wenn das Schocksyndrom während der Menstruation oder zu einem anderen Zeitpunkt auftritt.

In den meisten Fällen sind junge Frauen zwischen 15 und 20 Jahren vom toxischen Schocksyndrom betroffen. Da es immer wieder Fälle gibt, in denen Frauen während der Menstruation und bei Benutzung von Tampons erkranken, werden Tampons als Risikofaktoren für das TSS gewertet: Wenn der Tampon zu lange in der Scheide liegen bleibt, kann das die Vermehrung der toxinbildenden Bakterien begünstigen. Dies gilt insbesondere für sehr saugfähige Modelle. Auch Einzelfälle von TSS bei der Anwendung von Menstruationstassen sind inzwischen bekannt. Insgesamt wird das Risiko für das toxische Syndrom durch Tampon oder Menstrutaionstasse jedoch als sehr niedrig eingestuft.

Risikofaktoren für das nichtmenstruelle TSS:

  • Frühere Infektionen der Haut und Weichteile
  • Verbrennungen
  • Infektionen der Atemwege
  • Frühere Geburten und Aborte
  • Wunden durch operative Eingriffe

Wunden durch Geburten, Fehlgeburten und operative Eingriffe können zu potenziellen Eintrittspforten für Bakterien werden, daher gelten sie als Risikofaktor für das nichtmenstruelle TSS. Auch ein zu lange getragenes Diaphragma oder eine zu lange in der Scheide verbleibende Verhütungskappe können ein toxisches Schocksyndrom begünstigen. Als Konsequenz informieren Hersteller von Tampons und solchen Verhütungsmitteln in ihren Packungsbeilagen über die Gefahren des TSS und mit welchen Maßnahmen man das Risiko minimieren kann.

Diagnose von TSS durch den Arzt

Treten plötzliches Fieber und weitere Symptome des TSS auf, sollten Betroffene sofort einen Arzt aufsuchen oder den Notarzt rufen – je nachdem, in welchem Zustand sie sind. Anhand der Symptome, der körperlichen Untersuchung, durch Messen des Blutdrucks sowie Blutuntersuchung im Labor stellt der Arzt die Diagnose. Wichtig für ihn ist der Hinweis, ob Betroffene zum Zeitpunkt der Beschwerden einen Tampon, eine Menstruationstasse oder ein vaginales Verhütungsmittel verwendet haben.

Behandlung des toxischen Schocksyndroms

Sofern nicht bereits geschehen, werden Tampon, Menstruationstasse oder vaginale Verhütungsmittel aus der Scheide entfernt, um die mögliche Quelle der Infektion zu beseitigen. Außerdem wird der infizierte Bereich mit Wasser ausgespült und gesäubert. Anschließend werden meistens intravenös salzhaltige Flüssigkeit verabreicht und bei Hypotonie Medikamente gegeben, die den Blutdruck wieder anheben. Auch Antibiotika werden gegeben, damit die bakterielle Infektion gestoppt wird, intravenös verabreichte Immunglobuline können das Gift der Bakterien neutralisieren. Um schwerwiegende Komplikationen zu verhindern, werden Betroffene meist zur Beobachtung im Krankenhaus aufgenommen.

Tipps und Empfehlungen zur Vorbeugung eines TSS

Um das Risiko für ein toxisches Schocksyndrom zu verringern und um anderen Infektionen vorzubeugen, ist insbesondere während der Periode eine sorgfältige Menstruationshygiene wichtig. In ihren Packungsbeilagen geben Hersteller Tipps zur sicheren Verwendung ihrer Hygieneprodukte.

  • Hygieneprodukte (Tampons, Diaphragma, Menstruationstasse) nur mit gewaschenen Händen einführen und herausnehmen

  • Tampongröße entsprechend der aktuellen Blutungsstärke auswählen. Die Devise lautet: So klein wie möglich und groß wie nötig.

  • Tampon bei starker Blutung häufiger (3-6 Stunden), bei leichterer Blutung seltener (6-8 Stunden) wechseln

  • Spätestens nach acht Stunden den Tampon herausnehmen

  • Blut aus der Menstruationstasse gründlich auswaschen

  • Menstruationstasse, Behältnis zur Aufbewahrung und Diaphragma nach Ende der Periode auskochen

  • Menstruationstasse und Diaphragma bei unangenehmem Geruch durch neue Produkte ersetzen

Wurde das toxische Schocksyndrom durch einen mit Staphylokokken infizierten Tampon verursacht, kommt es häufig zu erneuten Infektionen, sofern weiterhin Tampons verwendet werden. Der Verlauf ist dann zwar in der Regel milder als bei der ersten Infektion. Dennoch sollten Frauen mit überstandenem TSS danach auf Tampons, Menstruationstasse, Diaphragma oder vaginaler Verhütungskappe verzichten und auf andere Hygieneprodukte oder Verhütungsmittel umsteigen.

Juckreiz, Ausfluss, Brennen: Was kann alles dahinterstecken?