Verdacht auf Scheidenpilz

Scheidenpilz selbst behandeln oder doch lieber zum Arzt?

Scheidenpilzmedikamente können in der Apotheke auch ohne Rezept vom Arzt erworben werden. In bestimmten Fällen ist der Arztbesuch jedoch unbedingt zu empfehlen.

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Eine Selbstbehandlung kann zuweilen schnell zum Ende der Beschwerden bei Scheidenpilz führen. Doch in manchen Fällen ist der Arztbesuch unumgänglich.
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Brennen, Juckreiz, Rötung, weißer geruchloser bröckliger Ausfluss - dies sind typische Zeichen für eine Scheidenpilzinfektion oder Vaginalmykose. Viele Patientinnen sprechen gut auf eine Behandlung mit lokalen (örtlich wirkenden) Antipilzmitteln an. Sie werden im Bereich der Scheide und auf äußeren Geschlechtspartien wie Schamlippen angewendet. Es gibt sie zum Beispiel in Form von Vaginaltabletten und Cremes oder zur Anwendung in Kombination. Diese lokalen Antipilzmittel kann man ohne Rezept in der Apotheke kaufen. Sie werden daher im Fachjargon auch OTC-Präparate (OTC: „Over The Counter“ = „Über den Ladentisch“) genannt. Häufig angewendete rezeptfreie Mittel gegen Scheidenpilz sind zum Beispiel Präparate mit dem Wirkstoff Clotrimazol.

Oftmals besteht Unsicherheit, inwieweit man solche Präparate in Selbstmedikation, also ohne vorherigen Arztbesuch anwenden kann, beziehungsweise wann dies nicht zu empfehlen ist. Dafür gibt es einige Regeln.

Wenn die Vaginalmykose erstmals auftritt

So raten Experten zum Arztbesuch, wenn Beschwerden wie Juckreiz, Brennen, Ausfluss und Rötung das erste Mal auftreten und die Frau noch keine Erfahrung mit der Erkrankung und den Symptomen hat. Zwar handelt es sich oft um eine Pilzinfektion, deren häufigster Auslöser der Pilzerreger Candida albicans ist, gegen den lokale rezeptfreie Antipilzmittel in der Regel gut wirken.

Es können aber auch andere Krankheiten dahinterstehen: So hat eine US-amerikanische Studie mit 95 Frauen, die sich wegen Symptomen im Vaginalbereich ein Antipilzmittel mit Clotrimazol aus der Apotheke holten, ergeben, dass nur 33 Prozent von ihnen wirklich eine Pilzinfektion, verursacht durch Candida, hatten. Bei 18 Prozent der Frauen lag eine bakterielle Vaginose vor - eine durch Bakterien ausgelöste Entzündung von Vagina und Scheide, weitere 21 Prozent hatten eine Mischinfektion mit Bakterien und Pilzen, weitere zwei Prozent eine Infektion mit Trichomonaden. Knapp 14 Prozent hatten eine normale Vaginalflora und zehn Prozent andere Diagnosen.

Was Sie bei Scheidenpilz beachten sollten!

Nur der Arzt kann sicher klären, welche Erreger für die Beschwerden verantwortlich sind und auf dieser Grundlage eine wirksame Therapie auswählen. Auch kann er die Frau über mögliche Symptome aufklären, die für Scheidenpilz sprechen.

Wenn die Beschwerden anhalten

Auf jeden Fall sollten anhaltende (zum Beispiel über drei Tage) oder sich verstärkende Beschwerden trotz Therapie mit einem rezeptfreien Antipilzmittel die Patientin zum Arzt führen, damit eine Fehldiagnose oder ein Verschleppen einer anderen Erkrankung vermieden werden kann. Daher sind beispielsweise Antipilzmittel mit Clotrimazol nur in kleinen Mengen, ausreichend für eine Therapie von ein bis drei Tagen, ohne Rezept erhältlich. Ist die Packung aufgebraucht und bestehen noch Beschwerden, sollte die Frau zum Arzt gehen. Dieser wird feststellen, ob die Frau mit ihrer Selbstdiagnose richtig lag oder eine andere Antipilztherapie, zum Beispiel die Einnahme eines Antipilzmittels in Tablettenform, sinnvoll ist beziehungsweise ob die Beschwerden durch eine andere Erkrankung hervorgerufen werden.

Candida albicans in der Schwangerschaft

Bedingt durch die erhöhte Östrogenkonzentration tritt Scheidenpilz vermehrt in der Schwangerschaft auf. Bei entsprechendem Verdacht sollte die Frau auf jeden Fall zum Arzt gehen. Die Erreger können während der Geburt auf das Kind übertragen werden und dann zu Pilzinfektionen beim Neugeborenen (zum Beispiel Mundsoor oder Windeldermatitis) führen. Zudem ist es wichtig, dass der Arzt abklärt, ob es sich überhaupt um eine Pilzinfektion handelt. Beispielsweise kann die durch Bakterien hervorgerufene bakterielle Vaginose zum Teil mit ähnlichen Symptomen wie eine Scheidenpilzinfektion einhergehen. Tritt sie während der Schwangerschaft auf, besteht ein erhöhtes Frühgeburtsrisiko. Der Arzt kann die jeweilige Ursache der Beschwerden sicher feststellen und eine geeignete Behandlung einleiten.

Wenn der Scheidenpilz ständig wiederkehrt

Ein weiterer Grund für den Arztbesuch ist das häufige Wiederauftreten einer Pilzinfektion. Oft sind zur Behandlung spezielle Therapien erforderlich, die der Arzt je nach vorherrschenden Erregern und individuellen Voraussetzungen auswählt. Eine Selbstmedikation ist in diesen Fällen nicht zu empfehlen.

Arztbesuch bei diesen Symptomen:

Auch wenn Symptome wie unangenehm riechender Ausfluss, Bläschen und wunde Stellen oder Schmerzen beim Wasserlassen auftreten, sollte die Frau einen Arzt aufsuchen und keine Scheidenpilzbehandlung in Eigenregie einleiten. Denn diese Beschwerden deuten auf andere Erkrankungen hin.

Wann sollte eine Frau wegen Scheidenpilz zum Arzt?

Scheidenpilzmedikamente können in der Apotheke auch ohne Rezept vom Arzt erworben werden. In bestimmten Fällen ist der Arztbesuch jedoch unbedingt zu empfehlen. Der Experte Professor Dr. Werner Mendling erklärt im Interview, wann eine Frau wegen einer Vaginalmykose zum Arzt gehen sollte.

Kade Fungin

Autor:
Letzte Aktualisierung: 04. Juli 2015
Quellen: Mendling, W.: Vaginalkandidose. In: Vaginose, Vaginitis, Zervizitis und Salpingitis, 2. Aufl., Heidelberg, Springer 2006, S. 131-132; Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (DGGG), Arbeitsgemeinschaft für Infektionen und Infektionsimmunologie in der Gynäkologie und Geburtshilfe (AGII),Deutsche Dermatologische Gesellschaft (DDG), Deutschsprachige Mykologische Gesellschaft (DMyKG): Die Vulvovaginalkandidose. Stand August 2010. URL: http://www.dggg.de/fileadmin/public_docs/Leitlinien/1-4-1-vulvovaginalkandidose-2010.pdf (25.05.2011) Gießen, H.: Klassische Substanzen aus dem OTC-Bereich: Clotrimazol. In: DAS PTA MAGAZIN (02) 2008, S. 54 f.

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