Vorsicht bei Feigwarzen – selten eindeutige Symptome

Sie klingen unangenehm, treten in der Regel aber ohne Symptome auf: Feigwarzen. Die dafür verantwortlichen Viren werden meist bei der schönsten Nebensache der Welt übertragen. Wie Sie Feigwarzen erkennen können und welche Behandlung Wirkung zeigt.

Paar wird intim
Feigwarzen werden in der Regel durch Geschlechtsverkehr übertragen.
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Obwohl der Begriff Genitalwarzen nach Schmerzen und lästigen Empfindungen unterhalb der Gürtellinie klingt, verläuft die Erkrankung in den meisten Fällen glimpflich. Gynäkologin Anja Oppelt aus Linz in Österreich warnt aber: "Feigwarzen deuten auf ein geschwächtes Immunsystem hin – Frauen werden dadurch auch anfälliger für Bakterien und Pilze."

Die körpereigene Abwehr stärken

Bei den auch als spitze Kondylome (Condylomata acuminata) bezeichneten Warzen handelt es sich um stecknadelkopfgroße, rötliche, grau-gelbe oder weißliche Knötchen. Sie treten zwar überwiegend im Genitalbereich auf, in seltenen Fällen bevölkern sie aber auch Mund oder Rachen.

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Feigwarzen: Nur selten eindeutige Symptome

Betroffene bemerken in der Regel nicht, dass sie sich die Warzen-auslösenden Viren eingefangen haben. Denn: Die große Mehrheit der Infektionen verläuft symptomlos. Nur bei wenigen Patienten lösen die Viren drei Wochen bis acht Monate nach der Ansteckung das Wachstum von Hautverdickungen aus. Diese treten entweder einzeln auf oder verbreiten sich beetartig in den betroffenen Regionen. Bei Frauen manifestieren sich die Warzen in der Regel an Scheide und Schamlippen, bei Männern am Penis. Es ist allerdings auch möglich, dass die Kondylome in Harnröhre, Analkanal, Enddarm oder Gebärmutterhals aufsteigen. Warzen, die sich dort befinden, werden meist noch seltener bemerkt.

Obwohl sie in der Regel keine Schmerzen verursachen, können die Hautverdickungen jucken und leicht bluten. Letzteres können Betroffene durch minimale Spuren auf dem Toilettenpapier entdecken. Ebenfalls möglich ist, dass die Warzen nässen. Durch dieses übelriechende Sekret ist der After bei Patienten stets feucht. Bei Frauen, deren Vagina befallen ist, kann es zusätzlich zu Ausfluss und Blutungen beim Geschlechtsverkehr kommen.

Symptome von Geschlechtskrankheiten erkennen

Ursache Nr. 1 für Feigwarzen: ungeschützter Sex

Verantwortlich für Symptome wie diese sind Humane Papillomviren (HPV). Dahinter verbergen sich viele verschiedene Arten. Allein bei Infektionen im Genitalbereich haben Forscher bislang über 40 Untergruppen von HPV nachgewiesen. Darunter gibt es schlimme und harmlose Vertreter. In 90 Prozent der Fälle verursachen die relativ ungefährlichen Typen HPV sechs oder HPV elf die unangenehmen Feigwarzen. Sehr schädlich sind dagegen Humane Papillomviren der Typen 16 und 18: Sie sind verantwortlich für Gebärmutterhalskrebs und stehen außerdem in Verbindung mit Mund- und Rachentumoren.

Übertragen werden die Humanen Papillomviren meistens durch Sex mit infizierten Personen. Möglich, wenn auch ungleich seltener, sind aber auch andere Ansteckungsquellen wie das Berühren infizierter Hautstellen, gemeinsam benutzte Gegenstände (Handtücher, Sexspielzeug), gemeinsames Baden und Saunen sowie Whirlpools. Auch während der Geburt ist eine Übertragung auf den Säugling möglich, wenn die Mutter infiziert ist. Über kleinste Verletzungen der (Schleim-) Haut dringen die Viren in die oberste Hautschicht (Epidermis) ein. Dort können sie Monate und Jahre überleben. Auch wenn die HP-Viren keine Symptome auslösen, bleibt die betroffene Person unbehandelt aber virulent, also ansteckend.

Risikofaktoren für die Entstehung von Feigwarzen sind daher:

  • häufig wechselnde Partner
  • Analverkehr
  • Rauchen
  • bereits vorhandene andere Infektion
  • Geburt durch infizierte Mutter

Anamnese, Inspektion und Palpation – so diagnostiziert der Arzt

Hegen Sie nun den Verdacht, an Feigwarzen zu leiden, sollten Sie umgehend zum Arzt gehen. Denn: Aus unbehandelten und lange bestehenden Kondylomen können sich bösartige Tumore, zum Beispiel ein Analkarzinom entwickeln. Zwar tritt das in der Praxis eher selten auf, doch Vorsicht ist immer besser als Nachsicht!

Nach einer eingehenden Anamnese wird sich der Mediziner die betroffene Stelle ansehen und abtasten. Unter Umständen sind auch eine Untersuchung der Vagina mit dem Spekulum oder eine Proktoskopie von Analkanal und unterem Rektum nötig. Zusätzlich gibt es noch die Essigprobe. Dabei betupft der Arzt die infizierten Bereiche mit einer Essiglösung – handelt es sich um Feigwarzen, verfärben sich diese anschließend weiß. Allerdings ist die Methode nicht eindeutig, da auch andere Pilzerkrankungen zu einer Weißfärbung führen.

Feigwarzen: Behandlung mit Immunmodulatoren

Bei vereinzelten Genitalwarzen verschreiben Mediziner Immunmodulatoren für die lokale Anwendung. Besonders wirksam ist das Virostatikum Imiquid als fünfprozentige Creme. Diese muss drei Mal wöchentlich über einen Zeitraum von vier Monaten nachts auf die betroffenen Stellen aufgetragen und nach sechs bis zehn Stunden mit Wasser abgewaschen werden.

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Eine weitere Möglichkeit bieten Ätzmittel (Anwendung erfolgt durch den Arzt) und Zytostatika wie Podophyllotoxin. Diese blockieren die Zellteilung und lassen das Warzengewebe absterben. Während die 0,15-prozentige Creme für beide Geschlechter zugelassen ist, sollten nur Männer die 0,5-prozentige Lösung verwenden. Die Mittel sollten drei Tage lang je zwei Mal aufgetragen werden. Nach einigen behandlungsfreien Tagen folgt ein weiterer Behandlungszyklus. Höchstens vier Mal dürfen Betroffene diese Anwendung wiederholen.

Grüntee-Katechine als alternative Behandlungsmöglichkeit bei Feigwarzen

Daneben sollen auch antioxidativ, -viral und auf das Immunsystem stimulierend wirkende Grüntee-Katechine erfolgsversprechend sein: Bei einer drei Mal täglichen Anwendung über mehrere Wochen hinweg, ist die Zahl der wiederkehrenden Infektionen sehr gering.

Da Sie in der Schwangerschaft die Finger von Podophyllotoxin oder Imiquid lassen sollten, kommt stattdessen eine Therapie mit Trichloressigsäure oder eine Kältebehandlung (Kryotherapie) infrage. Allerdings ist die Rückfallrate bei diesen Methoden vergleichsweise hoch.

Juckreiz, Ausfluss, Brennen: Was kann alles dahinterstecken?

Weitere operative Maßnahmen wie Elektrokoagulation (Gewebe wird durch Strom zerstört), CO-Laser oder Ausschaben dienen ebenfalls der Entfernung von Kondylomen.

Verbreitete, lange bestehende Feigwarzenbeete, Tumore, intraanale beziehungsweise intrarektale Hautverdickungen werden ebenfalls vorwiegend operativ entfernt. Hier stehen eine flüssigkeitsgestützte Elektrokoagulation mit Ausschabung oder CO-Laser-Therapie zur Verfügung.

Impfung gegen Gebärmutterhalskrebs beste Vorsorge

Wer häufig unter Humanen Papillomviren leidet, kann mit einem Interferon-beta-Gel vorbeugen. Es hilft allerdings nur bei kleinen Feigwarzen bis zu einem Durchmesser von drei Millimetern.

Die beste Vorsorge ist aber inzwischen die Impfung gegen Gebärmutterhalskrebs, die es seit 2006 gibt. Dabei handelt es sich um zwei bis drei Impfungen, die junge Mädchen in Abstand von sechs Monaten bekommen sollten. Seit 2016 sind in Deutschland drei verschiedene Arzneistoffe erhältlich: Vervarix wirkt nur gegen die gefährlichen HPV Typen 16 und 18 und Gardasil zusätzlich gegen die am häufigsten Feigwarzen auslösenden HPV Typen sechs und elf. Der neue Impfstoff Gardasil 9 hilft gegen die HPV Typen sechs, elf, 16, 18, 31, 33, 45, 52 und 58. Am effektivsten wirkt die Prophylaxe, wenn sie noch vor dem ersten Geschlechtsverkehr geschieht. Die Impfung erhalten Mädchen von neun bis 17 Jahren in Deutschland kostenlos. Bei Jungen ist die rund 450 Euro teure Maßnahme dagegen keine Krankenkassenleistung. Einen absolut sicheren Schutz vor Kondylomen stellt aber auch die Impfung nicht dar, denn: Auch andere Typen des Humanen Papillomvirus können Feigwarzen auslösen.

Feigwarzen vorbeugen mit Kondomen und regelmäßiger Kontrolle

Daher sind Kondome eine weitere Schutzmaßnahme beim Geschlechtsverkehr. Doch auch hier ist eine hundertprozentige Vorsorge nicht garantiert, da die Viren auch an nicht mit dem Präservativ bedeckten Stellen sitzen und übertragen werden können.

Auch wenn das Virus unbemerkt ausheilen kann: Es bleibt weiterhin im Körper und erhöht so das Risiko für Gebärmutterhalskrebs. Daher sollten sich Frauen, die sich einmal mit HPV infiziert haben, regelmäßig untersuchen lassen, um einen Tumor frühzeitig erkennen und behandeln zu können. Den Krebsabstrich zahlt einmal im Jahr die Krankenkasse. Zusätzlich wird ein so genannter HPV-Test angeboten, den Patientinnen selbst begleichen müssen. Dabei fallen Kosten zwischen 70 und 100 Euro an.

Mehr zur Feigwarzen: Symptome und Behandlung auf Lifeline lesen!

Autor:
Letzte Aktualisierung: 16. Oktober 2017
Durch: nas
Quellen: Robert-Koch-Institut, Pro Familia, Gespräch mit Dr. Anja Oppelt, Gynäkologin, Pharmazeutische Zeitung, Deutsche Krebsgesellschaft, Pschyrembel Klinisches Wörterbuch, Thieme Der Körper des Menschen

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