Tückischer Tripper

Ähnliche Symptome: Scheidenpilz oder Gonorrhö?

Gonorrhö – besser bekannt als Tripper – ist eine Geschlechtskrankheit, mit der sich heute zunehmend junge Menschen anstecken. Frauen ahnen oft nichts von der Infektion, weil sie keine Beschwerden haben.

Tripper_Mikroskop-Diagnose
Unter dem Mikroskop lassen sich die Erreger der Gonorrhö (Tripper) nachweisen – die sogenannten Gonokokken.
Getty Images/iStockphoto

Die junge Frau ist unsicher: Hat sie sich einen Tripper eingefangen? "Ich hatte im vergangenen Jahr wiederholt Beschwerden mit Scheidenpilz, die aber nach der Behandlung mit Salbe immer sofort verschwanden. Nun hat mein Freund wahrscheinlich Gonorrhö, also Tripper, und ich frage mich: War das gar kein Scheidenpilz, sondern habe ich eine chronische Gonorrhö?", schreibt sie im Scheidenpilzforum an das Lifeline-Gesundheitsteam. Hier kann Frauenärztin Anja Oppelt die 23-Jährige beruhigen: "Wenn die bisherige Therapie bei den Pilzinfektionen jeweils prompt angeschlagen hat, war das ganz sicher keine Gonorrhö." Sie rät ihr aber vorsichtshalber zum Test auf Tripper: "Denn theoretisch kann Gonorrhö über einen langen Zeitraum zur Unfruchtbarkeit führen."

Symptome von Geschlechtskrankheiten erkennen

Tripper ist eine bakterielle Infektionskrankheit, die äußerst ansteckend ist. Sie wird durch das Bakterium Neisseria gonorrhoeae – geläufiger ist der Begriff Gonokokken – ausgelöst und kann nicht nur in den Genitalien, sondern auch im Rachen und im Darm zu Entzündungen führen. Unbehandelt breitet sich die Entzündung im gesamten Körper aus und kann die Organe schädigen – dann sprechen Mediziner von einer chronischen Gonorrhö. Schwerwiegende Folgen sind möglich: Etwa Unfruchtbarkeit durch chronische Entzündung der Eileiter oder des Gebärmutterhalses bei Frauen sowie entzündete Hoden oder Prostata bei Männern.

Oft keine Beschwerden bei Gonorrhö – trotzdem ansteckend

Oftmals kommt es innerhalb von zwei bis sieben Tagen nach der Ansteckung mit Tripper zu einer eitrigen Entzündung. Beim Mann zeigt sie sich oft als Harnröhrenentzündung mit eitrigem, schleimigem Ausfluss und Schmerzen beim Wasserlassen, oft beschrieben als ein Gefühl "als ob sich Glassplitter in der Harnröhre befänden". Auch Entzündungen von Nebenhoden und Prostata können hinzukommen. Rund zehn Prozent der betroffenen Männer bemerken keine Symptome.

Bei infizierten Frauen sind es sogar 40 bis 80 Prozent, die keine Anzeichen beobachten, trotz der bakteriellen Infektion von Harnröhre, Gebärmutterhals oder Eileiter. Auch die Bartholin-Drüsen an den kleinen Schamlippen können von der Entzündung betroffen sein. Einige Frauen bemerken einen eitrigen, grün-gelben Ausfluss, der für die Entzündung des Gebärmutterhalses spricht. Nicht zu verwechseln mit dem weißen bröckeligen Ausfluss, der für eine Pilzinfektion der Scheide typisch ist. Eine Harnröhrenentzündung ausgelöst durch Tripper verursacht wie bei Männern Schmerzen beim Wasserlassen und häufgen Harndrang. Starke Unterbauchschmerzen oder Fieber können ein Zeichen für die obere Gonorrhö sein, die Entzündung der Eileiter, die unbehandelt Eileiterschwangerschaften und Unfruchtbarkeit begünstigt.

Auch Rachen und Darm können betroffen sein

Schmerzen im Bereich des Enddarms können darauf hinweisen, dass Tripper eine Entzündung des Enddarms verursacht hat. Ausfluss, Durchfall und Juckreiz sind ebenfalls Anzeichen. Es gibt aber auch symptomlose Verläufe. Gonorrhö kann – durch Oralverkehr übertragen – auch im Rachen vorkommen, dann kann sie sich etwa durch Halsschmerzen, Rötung und Schluckstörungen äußern.

Kondome können Tripper verhindern

In Entwicklungsländern ist die Infektion vielfach noch sehr verbreitet. Hierzulande haben andere Sexkrankheiten wie Herpes genitalis und Chlamydien dem Tripper inzwischen den Rang abgelaufen. Bei jungen Erwachsenen nimmt Gonorrhö allerdings wieder zu. Der Grund dafür ist Sex ohne Kondom. Wichtig zu wissen: Infizieren kann man sich durch Kontakt mit infizierten Schleimhäuten, also beim ungeschützten Vaginal- aber auch Analverkehr. Auch Oralverkehr ist ein möglicher Übertragungsweg. Ebenfalls möglich: Eine Ansteckung über die Hände oder über Sexspielzeug.

Mögliche Spätfolge: Unfruchtbarkeit

Eine Infektion mit dem Erreger der Gonorrhö sollte auf jeden Fall behandelt werden. Ansonsten kann ein Tripper ernste Folgen nach sich ziehen. Bei Frauen besteht etwa die Gefahr, dass die Bakterien aus der Scheide aufsteigen und sich Gebärmutter, Eileiter und Eierstöcke entzünden und verkleben. Das kann im schlimmsten Fall zu Unfruchtbarkeit führen. Der Test beim Arzt bringt Gewissheit. Auch bei Männern kann eine Gonorrhö zu Unfruchtbarkeit führen, wenn die Infektion die Samenleiter verklebt. Weitere Spätfolgen können eine Blutvergiftung (Sepsis), schmerzhafte Gelenkschwellungen und Hautveränderungen wie Bläschen an Händen und Handgelenken sein.

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Frauen haben zudem ein erhöhtes Risiko für anhaltende Schmerzen im Unterleib. Außerdem können vor allem bei Männern Vernarbungen und Verengungen der Harnröhre auftreten, was das Wasserlassen erschwert.

Bei Tripper Antibiotika – auch für den Sexpartner

Um herauszufinden, ob es sich tatsächlich um Gonorrhö handelt, macht der Arzt einen Abstrich, das heißt er entnimmt mit einem sterilen Wattetupfer etwas Flüssigkeit aus der Harnröhre, der Scheide oder dem After. Dann untersucht er den Abstrich unter dem Mikroskop auf Gonokokken. Um ganz sicher zu gehen, gibt er festgestellte Erreger in ein Labor, das dann eine Bakterienkultur züchtet. Falls sich der Verdacht auf Gonorrhö erhärtet, ist es wichtig, dass auch der Sexualpartner behandelt wird. Ansonsten droht ein sogenannter Ping-Pong-Effekt, bei dem die Partner sich immer wieder neu anstecken. Die Behandlung erfolgt mit Antibiotika. Während dieser Zeit sollte Sex unterbleiben, um kein erneutes Infizieren zu riskieren.

Autor:
Letzte Aktualisierung: 19. Oktober 2017
Durch:
Quellen: Nach Informationen des Robert Koch-Instituts, von urologielehrbuch.de, dem Deutschen Grünen Kreuz und Pro Familia; https://www.tk.de/tk/krankheiten-a-z/krankheiten-g/gonorrhoe/28040

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