Scheidentrockenheit – die besten Hilfen

Keine Frau spricht gerne darüber, obwohl viele betroffen sind und es durchaus Hilfen gibt: Scheidentrockenheit. Woher sie kommt, warum auch junge Frauen an einer trockenen Vagina leiden können, wie Sie vorbeugen und was helfen kann – all das haben wir hier zusammengefasst.

Scheidentrockenheit
Scheidentrockenheit kann sogar längeres Sitzen zum Problem machen
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Übersicht: Scheidentrockenheit

Vermutlich handelt es sich bei Scheidentrockenheit um eines der letzten medizinischen Tabuthemen. Leidet eine Frau unter einer zu trockenen Vagina, spricht sie meist nicht darüber. Denn Scheidentrockenheit ist mit vielen Vorurteilen belastet: mangelnde Libido, kein befriedigender Sex. Dabei ist vermutlich jede Frau mindestens über einen gewissen Zeitraum in ihrem Leben betroffen.

Normalerweise sind Vagina und Scheideneingang leicht feucht, denn Scheidenwand und Drüsen der Gebärmutter sondern ständig etwas Feuchtigkeit ab. Die Scheidenflora sorgt dabei für ein saures Milieu mit einem pH-Wert von etwa 4. Dieses saure Sekret fungiert als natürliche Barriere gegen eindringende Krankheitskeime.

Juckreiz, Ausfluss, Brennen: Was kann alles dahinterstecken?

Zusätzlich bilden bei sexueller Erregung Drüsen in der Scheidenregion (Bartholinsche Drüsen) ein Sekret. Diese Flüssigkeit wirkt wie ein natürliches Gleitmittel. Medizinisch wird dieser Vorgang als Lubrikation bezeichnet, vom lateinischen Verb lubricare ("schlüpfrig machen").

Scheidentrockenheit: Symptome im Überblick

Wenn eine oder beide dieser Scheidensekret-Formen zu wenig oder gar nicht gebildet werden, treten typische Anzeichen auf. Diese Symptome von Scheidentrockenheit sind unterschiedlich und manchmal zu verwechseln mit den Symptomen anderer Krankheiten. Die wichtigsten Anzeichen sind:

  • Jede Stofffalte im Schritt der Unterwäsche irritiert die Haut am Scheideneingang

  • Die Haut im Intimbereich fühlt sich wund an

  • die Scheidenhaut juckt und brennt, ist ständig gereizt

  • Radfahren, Sitzen und andere mechanische Belastungen des Intimbereichs führen zu Schmerzen

  • leichtes Brennen beim Wasserlassen

  • Schmerzen beim Geschlechtsverkehr

Vor allem das Jucken im Genitalbereich und das Brennen beim Wasserlassen können auch durch Scheidenpilz oder eine Blaseninfektion zustande kommen. Meist sind diese Anzeichen bei Scheidentrockenheit jedoch nicht ganz so ausgeprägt wie bei Infektionen durch Pilze oder Bakterien. Im Vordergrund stehen die Empfindlichkeit auf mechanische Reize und damit auch die Schwierigkeiten beim Sex.

Ursachen für Scheidentrockenheit

Als Auslöser für eine trockene Vagina kommen verschiedene Faktoren infrage. Mit die bekannteste Ursache ist der Östrogenmangel in und nach den Wechseljahren. Dadurch werden die Schleimhäute im Genitalbereich dünner (vaginale Atrophie), schlechter durchblutet und die Drüsen bilden weniger Sekret.

Auch bei Frauen, die noch nicht in den Wechseljahren sind, kann ein niedriger Östrogenspiegel Ursache für eine trockene Scheide sein. Oft klagten darüber Frauen, die lange eine Antibabypille genommen haben. Das enthaltene Pillen-Östrogen Ethinylestradiol kann in der verwendeten niedrigen Dosierung dazu führen, dass in der Scheide zu wenig Östrogen vorhanden und die Schleimhaut dünner und weniger ausgereift sei.

Daneben gibt es jedoch noch einige andere Ursachen, die weit weniger bekannt sind, aber ebenso viele Frauen betreffen können:

  • Rauchen

  • übertriebene Intimhygiene

  • chronische Erkrankungen wie Bluthochdruck, Diabetes, Multiple Sklerose, Endometriose

  • Medikamente, die den Östrogenspiegel senken, etwa im Rahmen einer Krebstherapie

  • Manche Antibabypillen – vor allem Mikropillen mit ihrer niedrigen Dosis an Gestagen und Östrogen können als Nebenwirkung zu Scheidentrockenheit führen.

  • Schwangerschaft oder Stillzeit – gleich nach der Geburt und während der Stillzeit sinkt der Östrogenspiegel ab, was zu vorübergehender Scheidentrockenheit führen kann.

  • Scheidentrockenheit kann auch infolge einer Pilzinfektion auftreten.

Auch psychische Ursachen sind möglich

Allerdings ist Scheidentrockenheit nicht immer die Folge von körperlichen Veränderungen, Krankheiten oder Medikamenten. Auch psychische Faktoren spielen eine große Rolle.

So wird etwa beim Geschlechtsverkehr die Scheide nicht ausreichend feucht, wenn es Probleme in der Partnerschaft gibt, die Frau eigentlich keinen Sex mit dem Mann haben möchte oder sich von ihm enttäuscht oder seelisch verletzt fühlt. Weitere mögliche psychische Ursachen für Scheidentrockenheit sind:

  • Stress
  • Nervosität
  • Angst
  • Depressionen

Trockene Vagina – welche Behandlungsoptionen gibt es?

Doch was hilft gegen Scheidentrockenheit, wenn die Ursachen so vielfältig sein können? Auf Dauer ist es sicher wichtig, die auslösenden Faktoren zu vermeiden oder abzumildern. Das bedeutet beispielsweise, bestehende Krankheiten wie Diabetes möglichst gut zu behandeln oder bei Stress Entspannungsübungen zu erlernen.

Falls Östrogenmangel der Auslöser ist, kann der Arzt östrogenhaltige Vaginalcremes und -zäpfchen verschreiben. Damit wird der Hormonmangel lokal dort behandelt, wo er Beschwerden auslöst, nämlich direkt an/in der trockenen Scheide. Sie stellen keine Hormontherapie dar, und Gynäkologen halten mögliche Bedenken daher für unbegründet.

Milchsäureprodukte: Mittel der Wahl, wenn eine Pilzinfektion Grund für die Scheidentrockenheit ist

Wenn Frauen nach einer Pilzinfektion über eine trockene Scheide klagen, ist das eine Folge der Entzündung. Denn der Pilz schleift die oberste Hautschicht in der Vagina ab. Davon erholt sich die Haut nur langsam, da sie Zellschicht für Zellschicht wieder aufbauen muss. „Das dauert in der Regel drei bis fünf Wochen“, sagt Gynäkologin Dr. Anja Oppelt. Um den Körper dabei zu unterstützen, kann die Frau Produkte, die Milchsäure enthalten (zum Beispiel eine Milchsäurekur), in ihre Scheide einführen. Diese säuern das Milieu in der Vagina an – so wie es bei einer gesunden Frau von Natur aus der Fall ist. Dadurch wird die Scheidenflora regeneriert und stabilisiert, Pilze und Bakterien in Schach gehalten sowie Infektionen verhindert.

Bei Milchsäureprodukten haben Kundinnen derzeit die Wahl zwischen Gel, Tabletten und Zäpfchen. Welche Form am besten wirkt, müsse eine Frau ausprobieren, sagt Dr. Oppelt: „Die Verträglichkeit kann unterschiedlich sein.“ Ein Vorteil von Milchsäure-Gel ist, dass es Kondome unversehrt lässt. Milchsäure-Zäpfchen hingegen können Latex angreifen.

Falls es mit einem Milchsäurepräparat allein nicht gelingt, die Schleimhaut der Scheide zu regenerieren, „kann eine Frau zusätzlich für eine gewisse Zeit ein Östrogenpräparat verwenden", rät Oppelt. Das empfiehlt die Ärztin insbesondere auch Frauen, die immer wieder an Scheidenpilz erkranken, da deren Schleimhaut entsprechend malträtiert ist.

Scheidentrockenheit vorbeugen und lindern: Hausmittel und Tipps

Zusätzlich gibt es verschiedene Tipps, die dabei helfen können, die Scheide feucht zu halten und Scheidentrockenheit zu verhindern oder lindern:

  • Verzichten Sie auf Körperpflegeprodukte, die den empfindlichen Säureschutzmantel der Haut im Genitalbereich angreifen könnten. Dazu gehören alkalische Lotionen, Duschgele, Seifen, Intimsprays, aber auch Enthaarungscremes.

  • Waschen Sie sich im Genitalbereich nicht zu häufig. Einmal täglich mit lauwarmen Wasser unter der Dusche abspülen reicht.

  • Benutzen Sie kein feuchtes Toilettenpapier, weiches Toilettenpapier reicht. Wischen Sie dabei bitte immer von vorne nach hinten ab. Falls Sie meinen, nach dem Stuhlgang nicht richtig sauber zu sein, befeuchten Sie etwas Toilettenpapier mit kaltem Wasser und reinigen Sie den Analbereich vorsichtig nach hinten. Danach mit trockenen Toilettenpapier die Feuchtigkeit abtupfen, um Wundwerden zu vermeiden.

  • Während der Menstruation: Falls Ihre Vagina zu Trockenheit neigt, sollten Sie besser Binden statt Tampons benutzen, da Letztere zusätzlich austrocknen können.

  • So gesund Schwimmen auch sein mag: Bei einer Neigung zu Scheidentrockenheit könnte der längere Aufenthalt in gechlortem Wasser das Problem verstärken.

  • Verzichten Sie auf stramm sitzende Wäsche und String-Tangas. Sie reizen nur die empfindliche Haut im Genitalbereich und begünstigen Scheidentrockenheit zusätzlich.

Gesunde Scheidenflora: Die besten Tipps

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Letzte Aktualisierung: 22. August 2017
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