Scheidenpilz Behandlung: Was hilft gegen den Pilz?

Eine Scheidenpilz-Infektion geht erfahrungsgemäß nicht von alleine weg, sie sollte frühzeitig behandelt werden. Welche Therapiemöglichkeiten gibt es, wann ist ein Arztbesuch ratsam und wie kann die Behandlung unterstützt werden? Unsere Tipps!

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Eine Selbstbehandlung kann zuweilen schnell zum Ende der Beschwerden bei Scheidenpilz führen. Doch in manchen Fällen ist der Arztbesuch unumgänglich.
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Scheidenpilz ist nicht nur lästig, das Jucken, Brennen und der weiß-bröckelige Ausfluss können die Lebensqualität der betroffenen Frauen stark einschränken. Wenn jedoch bereits beim Auftreten der ersten Symptome mit der Behandlung begonnen wird, lässt sich die Infektion in der Regel schnell und effektiv in den Griff bekommen.

Übersicht: Behandlung von Scheidenpilz

Antipilzmittel aus der Apotheke

Viele Frauen sprechen gut auf eine Behandlung mit lokal wirkenden Salben und Zäpfchen gegen Scheidenpilz an. Diese Antimykotika kann man ohne Rezept in der Apotheke kaufen. Ein Besuch beim Arzt ist dafür nicht nötig. Die Mittel gibt es zum Beispiel in Form von Vaginaltabletten und Cremes oder zur Anwendung in Kombination. Häufig angewendete rezeptfreie Mittel gegen Scheidenpilz sind zum Beispiel Präparate mit dem Wirkstoff Clotrimazol. Dieser wird auch zur Behandlung von Fußpilz eingesetzt.

Video: Wie wird Scheidenpilz behandelt?

Die Behandlung von chronischem Scheidenpilz kann mit den üblichen Antipilzmitteln erfolgen. Sehen Sie, was der Experte empfiehlt

Kade Fungin

 

Wirksam ist eine Behandlung mit Kombinationspräparaten aus Scheidenzäpfchen– oder Tablette und einer Salbe. Das Zäpfchen oder die Tablette wird am besten abends tief in die Scheide eingeführt. Dort löst es sich auf und die Substanz kann wirken. Zusätzlich wird außerhalb der Scheide rund um die Schamlippen, um Damm und After eine Salbe aufgetragen.

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Die Antipilzpittel sollten möglichst schon beim ersten Auftreten von Symptomen an drei aufeinanderfolgenden Tagen angewendet werden. Auch wenn die Symptome bereits nach der ersten Tablette verschwinden, sollte die Behandlung nicht vorher abgebrochen werden. Denn die Pilzerreger (meist Candida albicans) können nur dann vollständig abgetötet werden, wenn die Zäpfchen vollständig aufgebraucht werden. Während der Menstruation ist eine Behandlung mit Zäpfchen oder Vaginaltabletten jedoch nicht sinnvoll, da die Wirkstoffe mit der Blutung nach außen gespült werden.  

Wann zum Arzt bei Scheidenpilz?

Oftmals besteht Unsicherheit, inwieweit man Antimykotika in Selbstmedikation, also ohne vorherigen Arztbesuch anwenden kann, beziehungsweise wann dies nicht zu empfehlen ist. Dafür gibt es einige Grundsätze:

  • Beim erstmaligen Auftreten von Scheidenpilz: So raten Experten zum Arztbesuch, wenn Beschwerden wie Juckreiz, Brennen, Ausfluss und Rötung das erste Mal auftreten und die Frau noch keine Erfahrung mit der Erkrankung und den Symptomen hat. Zwar handelt es sich oft um eine Pilzinfektion. Es können aber auch andere Krankheiten dahinterstehen wie eine bakterielle Vaginose, um Mischinfektion mit Bakterien und Pilzen oder eine Infektion mit Trichomonaden. Nur der Arzt kann sicher klären, welche Erreger für die Beschwerden verantwortlich sind und auf dieser Grundlage eine wirksame Therapie auswählen. Auch kann er die Frau über mögliche Symptome aufklären, die für Scheidenpilz sprechen und Hinweise zur Vorbeugung, zum Beispiel durch die richtige Intimhygiene geben.
  • Wenn die Beschwerden anhalten: Auch wenn trotz Therapie mit Antipilzmitteln keine Besserung der Beschwerden oder eine Verschlechterung zu beobachten ist, sollten betroffene Frauen einen Arzt aufsuchen, damit eine Fehldiagnose oder ein Verschleppen einer anderen Erkrankung vermieden werden kann.
  • in der Schwangerschaft: Bei einem Verdacht auf Scheidenpilz sollten sich Schwangere enstprechend untersuchen lassen. Die Erreger können während der Geburt auf das Kind übertragen werden und dann zu Pilzinfektionen beim Neugeborenen führen. Zudem ist es wichtig, dass der Arzt abklärt, ob es sich möglicherweise um eine bakterielle Infektion mit ähnlichen Symptomen handelt. Tritt diese während der Schwangerschaft auf, besteht ein erhöhtes Frühgeburtsrisiko.
  • bei weiteren Symptomen: Auch wenn unangenehm riechender Ausfluss, Bläschen und wunde Stellen oder Schmerzen beim Wasserlassen auftreten, sollte die Frau einen Arzt aufsuchen und keine Scheidenpilzbehandlung in Eigenregie einleiten. Denn diese Beschwerden können auf andere Erkrankungen hindeuten.

Behandlung bei chronischem Scheidenpilz

Bei häufig wiederkehrendem Scheidenpilz helfen oft die lokal wirkenden Mittel aus der Apotheke nicht mehr. Nicht selten kommt es in diesen Fällen zu einer Resistenz der Pilze gegen einen Wirkstoff oder zu allergischen Reaktionen. Auch kann eine andere Pilzform für die Infektion und die Symptome verantwortlich sein. Diese chronischen Infektionen sollten auf alle Fälle vom Arzt begutachtet und therapiert werden. Oft sind zur Behandlung spezielle Wirkstoffe und auch oral einzunehmende Medikamente erforderlich, die der Arzt je nach vorherrschenden Erregern und individuellen Voraussetzungen auswählt.

Sind Hausmittel bei Scheidenpilz erfolgreich?

Viele Frauen schämen sich, über ihre Scheidenpilzinfektion mit Ärzten oder Apothekern zu sprechen. Sie greifen daher lieber auf Hausmittel zurück. Doch Vorsicht: Diese wirken oft nicht und können die Beschwerden verschlimmern.

So können in Naturjogurt getauchte Tampons als Nährboden für andere Keime dienen, die in der Vagina nichts zu suchen haben. Zudem finden sich auch in naturbelassenem Joghurt chemische Zusätze oder Konservierungsmittel, die der Scheidenflora nicht zuträglich sind. Scheidenspülungen mit Essigwasser sind ebenfalls nicht geeignet. Das Scheidenmilieu hat mit der bestehenden Infektion schon genug zu tun. Die empfindlichen Bakterienkulturen auf der Schleimhautoberfläche werden oft durch Essigkuren zerstört und das gesunde Scheidenmilieu kann sich nur langsam wiederaufbauen. Und Knoblauchzehen sollte man lieber zum Kochen verwenden, anstatt sie in die Scheide zu stecken!

Hausmittel bei Scheidenpilz: Zugreifen oder eher Finger weg?

Mehr Informationen: Mehr Schaden als Nutzen von Hausmitteln bei Scheidenpilz

Hilft eine Anti-Pilz-Diät gegen Scheidenpilz?

Hartnäckig hält sich auch die Empfehlung, bei Scheidenpilz eine sogenannte „Antipilz-Diät“ zu machen. Mit einer streng zuckerarmen Diät soll den Pilzen, die sich im Darm von Zucker ernähren, die Nahrungsgrundlage entzogen werden. Dadurch werde sich die Zahl der Pilzerreger im Darm minimieren – und damit ein wesentlicher Risikofaktor für wiederkehrende Scheidenpilzinfektionen. Eine Wirksamkeit dieser Antipilzdiät zur Behandlung oder Vorbeugung von Scheidenpilzinfektionen konnte jedoch bisher nicht nachgewiesen werden.

Homöopathische Mittel bei Scheidenpilz

Die Homöopathie kennt mehrere Mittel, die bei Scheidenpilz-Infektionen eingesetzt werden können. Doch im Gegensatz zu den Antipilzmitteln aus der Apotheke eignen sich diese nicht zur Selbstbehandlung. Betroffene Frauen, die ihre Pilzinfektion homöopathisch behandeln lassen wollen, sollten sich an einen Gynäkologen oder eine Gynäkologin mit einer homöopathischen Zusatzausbildung wenden.

Muss der Partner mitbehandelt werden?

Bei einer Scheidenpilzinfektion ist es in der Regel nicht nötig, dass der Sexualpartner der betroffenen Frau mitbehandelt wird. Dies ist nur zu empfehlen, wenn der Mann selbst Beschwerden wie zum Beispiel Entzündungszeichen an der Eichel oder Vorhaut sowie Ablagerungen unter der Vorhaut hat. Bei Scheidenpilzinfektionen, die immer wieder erneut aufflammen, ist es jedoch ratsam, dass sich auch der Partner untersuchen lässt. Zudem sollte während und nach einer Scheidenpilzinfektion besondere Vorsichtsmaßnahmen beim Geschlechtsverkehr getroffen werden: Kondome schützen davor, dass es nicht zur gegenseitigen Ansteckung, so genannten Ping-Pong-Infektionen kommen kann.

Milchsäurepräparate während und nach der Scheidenpilz-Behandlung

Frauen, die immer wieder an Scheidenpilz erkranken, sollten nach einer Infektion die Flora der Vagina mit Milchsäurebakterien wiederaufbauen. Die Laktobazillen sind ein natürlicher Bestandteil der Vagina. Sie sorgen für ein saures Klima, das Pilze und Bakterien am Ausbreiten hindert. Ist das Scheidenmilieu nicht sauer genug, kann es zu einer Infektion kommen. Die Milchsäurekur, die es als Gel oder Kapsel in der Apotheke gibt, kann sogar bei einem sich bereits anbahnenden Scheidenpilz eingesetzt werden, um das Scheidenmillieu zu stabilisieren und den Pilz zurückzudrängen. Wenn jedoch nach zwei bis drei Tagen keine Besserung zu spüren ist, sollte der Pilz mit einem Antimykotikum behandelt werden.

Wie kann die Behandlung unterstützt werden?

Neben der Anwendung von Milchsäurepräparaten kann die Scheidenpilzbehandlung mit antimykotischen Mitteln durch weitere Maßnahmen unterstützt werden. Wichtig ist eine zwar sorgfältige, aber nicht übertriebene Intimhygiene. Scheidenspülungen, spezielle Waschlotionen oder Intimspays sind nicht nur unnötig, sie können das angegriffene Scheidenmillieu zusätzlich schädigen.  Eine Intimrasur sollte besser auf die Zeit verschoben werden, wenn die Infektion abgeklungen ist. Während der Behandlung ist es zudem besser, Unterwäsche aus Baumwolle und luftige Kleidung zu tragen. Unterwäsche aus synthetischen Materialien, String-Tangas und enge Hosen verzichten. Diese Kleidung fördert ein feuchtwarmes Klima in der Genitalregion und kann diese zusätzlich reizen.

Gesunde Scheidenflora: Die besten Tipps

Spezial-Sprechstunden für Scheidenpilz-Geplage

Wenn selbst der behandelnde Gynäkologe nach etlichen Therapieversuchen nicht mehr weiterweiß, kann er Frauen mit immer wiederkehrendem, hartnäckigem Scheidenpilz in eine Infektionssprechstunde überweisen. 

Gute technische Ausstattung und spezielle Kenntnisse zeichnen die Ärzte in Infektionssprechstunden aus. Durch zusätzliche Laboruntersuchungen können Infektionsabteilungen zudem feststellen, ob es sich bei den Beschwerden um ein infektiologisches oder ein allergisches Problem handelt. Beim ersten Besuch in einer solchen Spezialsprechstunde ist es empfehlenswert, bisherige Befunde und benutzte Salben und Medikamente gleich mitzubringen. Das erleichtert die Diagnose.

Nachfolgend führen wir einige infektiologischen Sprechstunden in Deutschland auf:

München: Infektiologische Sprechstunde Prof. Weissenbacher

Ansprechpartner: Prof. Ernst Rainer Weissenbacher
Sprechstunde: Anmeldung unter Tel. (089) 242920390 
Adresse: Neuhauser Str. 3a, 80331 München

München: Allgemeine Sprechstunde der Klinik und Poliklinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe am Klinikum der Universität München-Großhadern

Nach eigenen Angaben die größte Sprechstunde dieser Art in Deutschland. Jährlich betreuen die Ärzte rund 4.400 Patientinnen.

Ansprechpartner: Dienstarzt
Sprechstunde: montags und donnerstags: 8 bis 14 Uhr, Anmeldung unter Tel. (089) 7095-6800
Adresse: Marchioninistr.15, 81377 München

Marburg: Sprechstunde "Gynäkologische Infektiologie" an der Klinik für Gynäkologie, Gynäkologische Endokrinologie und Onkologie Philipps-Universität

Die Ärzte hier haben sich unter anderem auf die Beratung und Behandlung bei gynäkologischen Infektionen spezialisiert.

Ansprechpartner: Dr. U.S. Albert
Sprechstunde: mittwochs: 12 bis 16 Uhr nach Vereinbarung, Tel. (06421) 2864400
Adresse: Pilgrimstein 3, 35037 Marburg

Frankfurt/Main: Infektiologische Sprechstunde der Klinik für Gynäkologie und Geburtshilfe am Klinikum der J.W. Goethe-Universität

Vor allem auf HIV-Patientinnen spezialisiert

Ansprechpartnerin: Dr. Caroline Faul-Burbes
Sprechstunde: Anmeldung unter (069) 63014312 oder 63015115
Anschrift: Theodor-Stern-Kai 7, 60590 Frankfurt am Main

Berlin: Institut für Pilzerkrankungen und Mikrobiologie

Spezialambulanz zur Betreuung von Patienten mit Haut- und Schleimhautmykosen

Ansprechpartner: Prof. Hans-Jürgen Tietz
Sprechstunde: Anmeldung unter Tel. (030) 28873650, E-Mail: anmeldung@institut-fuer-pilzkrankheiten.de
Adresse: Luisenstr. 50, 10117 Berlin

Wuppertal: Zentrum für Zentrum für Infektionen in Gynäkologie und Geburtshilfe am Helios Universitätsklinikum der Universität Witten/Herdecke

Sprechstunde für Frauen und ihre Partner mit Infektionen oder Hautproblemen im Genitalbereich

Ansprechpartner: Porf. Dr. Werner Mendling
Sprechstunde: Anmeldung unter (0202) 896-1401
Adresse: Standort Barmen, Heusnerstraße 40 42283 Wuppertal, Gynäkologische Ambulanz, Haus 8, 3. OG

Scheidenpilz: Tipps und Regeln für Betroffene

Autor:
Letzte Aktualisierung: 26. August 2017
Durch: es
Quellen: Mendling, W.: Vaginalkandidose. In: Vaginose, Vaginitis, Zervizitis und Salpingitis, 2. Aufl., Heidelberg, Springer 2006, S. 131-132; Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (DGGG), Arbeitsgemeinschaft für Infektionen und Infektionsimmunologie in der Gynäkologie und Geburtshilfe (AGII),Deutsche Dermatologische Gesellschaft (DDG), Deutschsprachige Mykologische Gesellschaft (DMyKG): Die Vulvovaginalkandidose. Stand August 2010. URL: http://www.dggg.de/fileadmin/public_docs/Leitlinien/1-4-1-vulvovaginalkandidose-2010.pdf (25.05.2011) Gießen, H.: Klassische Substanzen aus dem OTC-Bereich: Clotrimazol. In: DAS PTA MAGAZIN (02) 2008, S. 54 f.

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