Juckreiz und Brennen im Intimbereich: Nicht immer steckt Scheidenpilz dahinter!

Scheideninfektionen werden zu einem großen Prozentsatz von einer Pilzinfektion verursacht. Doch oft sind noch andere Erreger mit im Spiel, wenn es zu Juckreiz im Genitalbereich oder zu Scheidenbrennen kommt: Bakterien oder Einzeller können ähnliche Symptome hervorrufen. Im Zweifelsfall sollte daher unbedingt ein Facharzt zu Rate gezogen werden.

Scheideninfekt- Was, wenns kein Pilz ist
Scheidenpilz oder bakterielle Vaginose? Eine ärztliche Untersuchung sorgt für Klarheit.
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Viele Frauen kennen das Problem: Die üblichen Symptome einer Scheidenpilzinfektion treten auf, aber das Pilz-hemmende Präparat hilft nicht. Der Grund hierfür ist, dass laut einer US-amerikanischen Studie nur ein gutes Drittel aller Scheideninfektionen alleine auf den Hefepilz Candida albicans zurückzuführen sind. Bei knapp 20 Prozent der untersuchten Patientinnen lag eine Mischinfektion von Bakterien und Pilzen vor, bei weiteren zehn Prozent waren es Bakterien alleine, die die Probleme verursachten.

Juckreiz, Ausfluss, Brennen: Was kann alles dahinterstecken?

Trichomonaden, einzellige Krankheitserreger (Trichomonas vaginalis), die über den Geschlechtsakt übertragen werden, fand man bei vier Prozent der Patientinnen. Zu guter Letzt konnte bei 13,5 Prozent der untersuchten Frauen mit Vaginalbeschwerden gar kein Erreger festgestellt werden. In diesen Fällen tippten die Untersucher häufig auf psychosomatische Beschwerden oder einen Mangel an weiblichen Sexualhormonen, ohne die die Scheidenschleimhaut leicht austrocknet und spröde wird.

Wann ist es ein Scheidenpilz?

Woher weiß eine Frau nun, ob sie wirklich unter einem Scheidenpilz leidet oder ob sich hinter den Beschwerden wie Jucken im Intimbereich, Schmerzen beim Wasserlassen und Geschlechtsverkehr eine andere Infektion versteckt? Ein Scheidenpilz oder auch Vaginalpilz genannt, zeichnet sich durch einen weißlich-cremigen oder weißlich-bröckeligen Ausfluss aus, der meist geruchlos ist oder ein wenig nach Hefe riecht.

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Er wird nicht nur über den Geschlechtsakt übertragen, man kann ihn sich auch auf fremden Toiletten oder im Schwimmbad einfangen. Besonders enge scheuernde Bekleidung, Unterwäsche und Slipeinlagen, die die Haut nicht atmen lassen, sowie ungeeignete Intimpflegeprodukte (Seife, Lotions, Deodorants) bieten dieser Infektion beste Bedingungen.

Wann ist es kein Vaginalpilz?

Manchmal sind bei Beschwerden im Intimbereich aber auch andere Erreger im Spiel – sie können zusätzlich zu oder unabhängig von einer Scheidenpilzinfektion auftreten. Für den Laien sind sie meist schwer zu unterscheiden, da Bakterien oder Einzeller ähnliche Symptome hervorrufen können wie eine Pilzinfektion. Oft diagnostizieren die Ärzte das Bakterium Gardnerella vaginalis. Es zählt zu den Darmbakterien.

Ist die Scheide mit diesem Erreger befallen, sind die Symptome (Jucken und Schmerzen) einer Pilzinfektion zum Verwechseln ähnlich; sie fallen jedoch in der Regel weniger stark aus. Der Ausfluss ist eher beige-grau und wässrig. Der Geruch, der durch die Abbauprodukte der Erreger entsteht, ist fischartig und sehr unangenehm. Einer solchen Infektion ist nur noch mit Antibiotika beizukommen. Unbehandelt können die Erreger auch die Eileiter und Eierstöcke befallen und schlimmsten Falls zu Unfruchtbarkeit führen.

Auch Gonorrhoe kann hinter Juckreiz stecken

Einen sehr stark ausgeprägten Juckreiz kann auch das Bakterium Neisseria gonorrhoeae auslösen, der Erreger der Geschlechtskrankheit Gonorrhoe (auch Tripper genannt). Achtung: Gonorrhoe ist hoch ansteckend. Während der Menstruation besteht die Gefahr eines Übergriffes der Infektion auf die Gebärmutter, die Eileiter sowie die Eierstöcke, was zu einer bleibenden Unfruchtbarkeit führen kann.

Auch Einzeller, wie die zu den Geißeltierchen zählenden Trichomonaden (Trichomonas vaginalis), zählen zu den sexuell übertragbaren Krankheitserregern. Der Ausfluss ist häufig grünlich-schaumig und übel riechend. Auch diese Infektion wird wie Gonorrhoe mit einem Antibiotikum behandelt. Ebenfalls zu den sexuell übertragbaren Krankheiten zählt eine Infektion mit Chlamydien, die auch mit vaginalem Ausfluss und Entzündungssymptomen einhergeht und mit Antibiotika behandelt wird.

Bei Frauen in der Menopause können infektionsartige Symptome auch gänzlich ohne die Beteiligung von Erregern auftreten. Ein Östrogenmangel kann verantwortlich sein. In diesem Fall kann eine Hormontherapie hilfreich sein. Wichtig: All diese Erkrankungen können nur von einem Arzt diagnostiziert und behandelt werden. Frei verkäufliche Präparate gegen Scheidenpilz helfen gegen diese Infektionen nicht. Zudem sollte immer auch der Partner mit behandelt werden, um einer Neuinfektion (Ping-Pong-Effekt) vorzubeugen.

Weitere mögliche Ursachen für Beschwerden im Intimbereich:

  • Kontaktallergien gegen Intimspray oder Waschmittel

  • Filzläuse: Beim genaueren Hinschauen kann man diese Tierchen leicht erkennen.

  • Milbenbefall

  • Feigwarzen

  • Weißfluss bei jungen Mädchen: Dieser zeigt an, dass die weiblichen Hormone anfangen zu wirken und in einiger Zeit mit der ersten Menstruationsblutung zu rechnen ist.

  • Nicht-infektiöse Erkrankungen: Hauterkrankungen wie Lichen sclerosus und Lichen planus gehen ebenso mit entzündungsbedingtem Juckreiz im Bereich von Schamlippen und Scheide einher.

  • Syphilis

  • Vulvodynie

Starke brennende Schmerzen sind typisch für Herpes genitalis

Stehen Brennen und Schmerzen im Vordergrund, ist auch an Herpes genitalis zu denken. Die durch Geschlechtsverkehr übertragbare Erkrankung wird durch Herpes simplex-Viren hervorgerufen. Im Genitalbereich bilden sich kleine sehr schmerzhafte Bläschen und Geschwüre. Daneben können Fieber, aber auch Juckreiz, verstärkter Ausfluss und Schwellungen sowie Probleme beim Wasserlassen (Dysurie) bestehen. Daher denken manche Frauen eventuell zuerst an Scheidenpilz.

Zu Juckreiz und teilweise schmerzhaften Entzündungen im Bereich der Scheide und der äußeren weiblichen Geschlechtsorgane kommt es auch bei bakteriellen Infektionen mit Erregern wie Staphylococcus aureus oder A-Streptokokken. Hier ist eine Antibiotikatherapie erforderlich.

Juckreiz lindern: Joghurt-Tampon kann alles nur noch schlimmer machen

Manche Frauen gehen gegen die Pilzinfektion mit Tampons vor, die sie in naturbelassenem Joghurt getränkt haben. Dr. Albrecht Scheffler, Landesvorsitzender des Berufsverbands der Frauenärzte e.V. warnt jedoch vor solchen Therapieversuchen: "Es kann passieren, dass die ohnehin erkrankte Scheide zusätzlich mit Stäbchenbakterien aus dem Joghurt infiziert wird." Wenn also Symptome im Scheidenbereich auftreten, ist in jedem Fall ein Arztbesuch der richtig Weg, um die Ursache für die Erkrankung herauszufinden, vor allem, wenn Salben und Vaginaltabletten nicht den gewünschten Erfolg zeigen. Wichtig ist zudem, ansteckende Geschlechtskrankheiten ausschließen zu lassen.

Scheidenpilz selbst ist zwar eine der häufigsten Infektionen im Genitalbereich, aber keine Geschlechtskrankheit im engeren Sinne – obwohl eine Scheideninfektion natürlich beim Sex übertragen werden kann. Mit mangelnder Intimhygiene haben die genannten Infektionen übrigens gar nichts zu tun. Im Gegenteil kann eine zu gewissenhafte Reinigung im Genitalbereich die Scheidenflora derart schwächen, dass Erreger wie Pilze und Bakterien erst recht leichtes Spiel haben.

Was ist eine bakterielle Vaginose?

Wenn es im Intimbereich juckt und brennt, vermehrter Ausfluss und Intimgeruch bemerkt wird, kann das eine Scheideninfektion durch Bakterien sein, was auch bakterielle Vaginose genannt wird. Was das genau ist, erklärt Professor Werner Mendling im Interview.

Kade Fungin

Autor:
Letzte Aktualisierung: 10. August 2017
Quellen: Nach Informationen der Gynecol. Tribune, ProFamilia und der Pressestelle des Berufsverbands der Frauenärzte e.V.

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