Symptome, Ursachen, Behandlung, Vorbeugen

Scheidenpilz erkennen und behandeln

Scheidenpilz kommt häufiger vor als man gemeinhin annimmt: Immerhin drei von vier Frauen leiden einmal im Laufe ihres Lebens unter einer Vaginalmykose, bei manchen kehrt die Infektion immer wieder zurück. Was Sie über Scheidenpilz wissen sollten und wie er behandelt wird, erfahren Sie hier.

Frau Jucken Vagina
Brennen und starker Juckreiz im Intimbereich sind typische Symptome für Scheidenpilz.
© iStock.com/SIphotography

Im Laufe ihres Lebens leidet beinahe jede Frau einmal an einer Pilzinfektion der Scheide, medizinisch als Vaginalmykose bezeichnet, die damit zu den häufigsten Infektionen im Intimbereich gehört. Manche Frauen sind immer und immer wieder betroffen oder leiden unter chronischem Scheidenpilz.

Im Überblick:

Was ist Scheidenpilz?

Die Infektion wird entsprechend der umgangssprachlichen Bezeichnung Scheidenpilz durch Pilze verursacht – und zwar meist durch den Hefepilz Candida albicans. Das natürliche Scheidenmilieu, welches normalerweise diese Erreger abhält, ist bei einer Vaginalmykose gestört. Es finden sich darin zu wenig Bakterien, die das Scheidenmilieu ansäuern, also den pH-Wert niedrig halten und so den Pilzen das Leben schwer machen. Der Hefepilz verursacht den typischen Juckreiz bei Scheidenpilz.

Video zu Scheidenpilz

Scheidenpilz - Vaginale Pilzerkrankung, Vaginalmykose. 1. Folge - Mykosen

Dieses Thema ist sehr spannend und aktuell für uns alle. Denn drei von vier Frauen leiden im Laufe ihres Lebens wenigstens einmal an einer vaginalen Pilzinfektion. Lassen Sie uns ganz schnell mit dem Mythos aufräumen, dass die Infektion etwas mit der schlechten Hygiene zu tun hat. Das ist nicht wahr. Wie Sie sich und Ihrem Partner helfen können und wir gemeinsam die Pilzinfektion besiegen, sehen Sie hier.

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Wer kann Scheidenpilz bekommen?

Eine Pilzinfektion der Scheide kann prinzipiell jede Frau treffen und ist eine häufig auftretende Erkrankung.  Je nach Lebensphase variiert die Wahrscheinlichkeit für eine Infektion:

  • in der Schwangerschaft treten sie besonders häufig auf
  • ein Fünftel aller Frauen im gebärfähigen Alter weisen eine Vaginalmykose auf
  • bei Kindern und nach den Wechseljahren tritt Scheidenpilz seltener auf

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Ursachen und Risikofaktoren des Vaginalpilzes

Meist wird eine Pilzinfektion der Scheide durch einen Hefepilz (Candida albicans) hervorgerufen. Dieser Hefepilz kann im Mundraum auch Soor auslösen. Bei einer gesunden Frau überwiegen in der Scheidenflora Milchsäurebakterien (Laktobazillen), die ein saures Milieu erzeugen, das krankmachende Bakterien und Pilze am Vermehren hindert. Verschiedene Ursachen können das empfindliche Gleichgewicht der Scheide stören.

Generell machen sich Hefepilze immer dann breit, wenn das Immunsystem einer Frau geschwächt ist. Deshalb spielen auch die richtige Kleidung und gesunde Ernährung eine Rolle bei der Vorbeugung von Scheidenpilz und bakteriellen Infektionen.

Risikofaktor: Erkrankungen, geschwächtes Immunsystem & Stress

Verschiedene Faktoren können das Auftreten von Scheidenpilz begünstigen. Dazu gehören

  • geschwächtes Immunsystem durch Einnahme von Antibiotika,

  • Erkrankungen wie Diabetes,

  • Zustände der Immunschwäche, beispielsweise während einer Chemotherapie.

Auch Umweltgifte wie Formaldehyd und Unverträglichkeiten gegen Nahrungsmittel können die Entstehung eines Scheidenpilzes begünstigen. Diese Ursachen kommen besonders in Betracht, wenn der Scheidenpilz wiederholt und häufig auftritt.

Risikofaktor: Hormonelle Veränderungen

Veränderungen im Hormonhaushalt durch die Antibabypille, während der Pubertät, Menstruation, Schwangerschaft oder Wechseljahre können ebenfalls das Auftreten einer Vaginalmykose begünstigen.

Weitere Risikofaktoren

  • Stress

  • Verwenden von aggressiven Intimwaschmitteln und -sprays oder übertriebene Intimpflege

  • falsche Intimhygiene, indem nach dem Stuhlgang zur Scheide hin gewischt wird

  • Geschlechtsverkehr, wenn der Partner infiziert ist (Ping-Pong-Infektion)

  • gemeinsam benutzte Toilettenartikel, Wäsche oder Handtücher

  • eng anliegende Kleidung aus synthetischen Stoffen

Symptome: Jucken, Ausfluss, Rötung

Scheidenpilz macht sich bei einer Frau durch typische Symptome bemerkbar. Dazu gehören:

  • Juckreiz an der Vulva, den Schamlippen und dem Scheideneingang
  • bröckeliger, weißer Ausfluss, mitunter Quark ähnlich
  • Brennen, Rötung und Schwellung des Scheidenbereichs

Weitere Symptome wie Schmerzen bei Berührung, beim Wasserlassen und beim Geschlechtsverkehr können für einen Scheidenpilz sprechen. Im Gegensatz zum Scheidenpilz tritt bei bakterieller Vaginose ein unangenehmer, meist fischartiger Intimgeruch auf.

Mehr zu den Symptomen bei Scheidenpilz erfahren Sie hier. 

Juckreiz, Ausfluss, Brennen: Was kann alles dahinterstecken?

Aussehen von Scheidenpilz

Erkennbar ist bei Scheidenpilz manchmal ein weißer Belag auf der Vulva und den inneren Schamlippen. Er kann auf eine schwere Infektion hinweisen. Wenn auch Hautreizungen auftreten, insbesondere Rötungen, Pusteln und Hautrisse, mitunter auch in angrenzenden Körperregionen, wie etwa der Oberschenkelinnenseite, spricht das für eine schwere Scheidenpilz-Infektion.

Wann zum Arzt?

Ein Arztbesuch wird notwendig,

  • wenn nach drei Tagen Antipilz-Therapie keine Besserung eintritt,
  • bei wiederkehrenden Pilzinfektionen,
  • in der Schwangerschaft,
  • bei Unsicherheit, ob es sich tatsächlich um Scheidenpilz handelt.

Diagnose & Verlauf

Um herauszufinden, ob es sich um einen Scheidenpilz handelt, fragt der Frauenarzt zunächst nach der Krankheitsgeschichte und den aktuellen Beschwerden (Anamnese).  Daran schließt sich die körperliche Untersuchung an, bei der der Gynäkologe die typischen Symptome wie den veränderten Ausfluss feststellen kann. Dabei macht er auch einen Abstrich, der unter dem Mikroskop die Hefebakterien zeigt.

Früh erkannt und gleich behandelt, heilt der Scheidenpilz schnell ab. 95 Prozent aller betroffenen Frauen haben nach der Behandlung Ruhe. Wird er allerdings nicht oder nicht konsequent behandelt, kann chronischer Scheidenpilz entstehen, der sehr lästig ist.

Scheidenpilz: Behandlung

Eine Pilzinfektion lässt sich in der Regel gut selbst behandeln. In Apotheken gibt es Antipilzmittel, die einfach zu handhaben sind: Antipilz-Cremes (Antimykotika) werden ein- bis zweimal täglich mittels Applikator in die Scheide eingeführt und ein- bis zweimal dünn auf die Schamlippen aufgetragen. Sicherheitshalber sollte der Afterbereich mitbehandelt werden, da sich auch dort Pilzsporen befinden können.

Behandlung mit Antipilzmitteln

Vaginaltabletten gegen Scheidenpilz werden mithilfe eines Applikators oder mit dem Finger in die Vagina eingeführt. Während der Menstruation sind sie nicht sinnvoll, da das Blut den Wirkstoff aus der Scheide spült. Wichtig ist, sich jeweils an die Hinweise auf der Packung zu halten und die Behandlung nicht vorzeitig abzubrechen, wenn keine Beschwerden mehr spürbar sind. Um sämtliche Pilze abzutöten, ist die vollständige Dosis der Wirkstoffe nötig. Während der Behandlung sollte man sehr genau darauf achten, täglich Unterwäsche, Handtuch und Waschlappen zu wechseln. Die Mitbehandlung des Partners ist notwendig, um den Ping-Pong-Effekt zu vermeiden.

Behandlung mit Hausmitteln

Von Hausmitteln wie Knoblauch und Essig sollten betroffene Frauen lieber die Finger lassen – sie können die Scheidenflora weiter schädigen und neben einem Scheidenpilz auch eine Vaginose auslösen.

Behandlung in der Schwangerschaft

Scheidenpilz in der Schwangerschaft sollte unbedingt behandelt werden, damit sich kein chronischer Infekt entwickeln kann. Auch in der Schwangerschaft können lokal wirkende Antipilzmittel, zum Beispiel mit den Wirkstoffen Clotrimazol und Nystatin, angewendet werden. Schwangere und Stillende sollten die Einnahme von Medikamenten jedoch immer unbedingt vorher mit ihrem Arzt oder Apotheker besprechen, auch wenn die Präparate rezeptfrei erhältlich sind.

Was ist Scheidenpilz?

Woran erkenne ich Scheidenpilz? Was führt zu einer Scheidenpilzinfektion, und wie kann ich vorbeugen? Das Wichtigste darüber erläutert Experte Professor Dr. Werner Mendling im Interview.

Kade Fungin

Scheidenpilz vorbeugen

Diese einfachen Maßnahmen helfen, Scheidenpilz vorzubeugen:

  • nach dem Toilettengang immer von vorne nach hinten wischen,

  • Intimbereich mit klarem Wasser oder einer Intimwaschlotion mit Milchsäure waschen,

  • keine Intimsprays benutzen,

  • keine luftdichten Slipeinlagen tragen,

  • in den letzten Tagen der Periode keine oder sehr kleine Tampons verwenden,

  • leichte Unterwäsche aus Baumwolle tragen und täglich wechseln,

  • auf enge, synthetische Kleidung verzichten,

  • beim Sex mit einem neuen Partner immer Kondome benutzen,

  • nasse Badesachen rasch ausziehen,

  • in der Sauna immer auf ein Handtuch setzen.

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