Hausmittel gegen Scheidenpilz: Mehr Schaden als Nutzen!

Viele Hausmittel gegen Scheidenpilz stammen aus der Küche. Da sollten sie auch bleiben! Denn Knoblauch und Essig tun der Scheidenflora gar nicht gut, sondern reizen sie zusätzlich zur bestehenden Infektion. Auch Naturjoghurt ist kein guter Tipp unter Freundinnen. Häufig ist er mit Keimen belastetet und kann selbst zur Infektionsquelle werden.

hausmittel gegen scheidenpilz
Hausmittel gegen Scheidenpilz stammen meist aus der Küche. Und dort sollten sie auch bleiben, denn Knoblauch, Joghurt oder Essig tun der Scheidenflora gar nicht gut.
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Statt zum Arzt oder Apotheker zu gehen, auf Hausmittel gegen Scheidenpilz zu setzen, klingt für viele Frauen vielversprechend. Dabei helfen Hausmittel selten - im Gegenteil, oft sind sie gar schädlich.

Knoblauch – seine Schärfe stört das Scheidenmilieu

Mediziner raten davon ab, eine Pilz- oder Bakterieninfektion mit Knoblauch in der Scheide zu bekämpfen. Denn "das Gewürz ist zu scharf und stört das Scheidenmilieu", erklärt Dr. Anja Oppelt, Gynäkologin und Lifeline-Expertin. Gleich der biblischen Redewendung wird so versucht, den Teufel mit dem Beelzebub auszutreiben. Denn Knoblauch greift die Milchsäurebakterien in der Vagina an. Die Milchsäurebakterien aber verhindern das Vermehren von Hefepilzen, die zur Scheidenpilzinfektion führen.

Naturheilkundlich orientierte Frauenärzte empfehlen bei chronischem Scheidenpilz zwar reichlich Knoblauch – allerdings auf dem Speiseplan. Wie Zwiebeln, Kümmel oder Meerrettich gilt das Liliengewächs als pilzhemmend. Eine konventionelle Behandlung einer Vaginalmykose ersetzt dies dennoch nicht.

Scheidenpilz: Tipps und Regeln für Betroffene

Essigwasser schädigt die Vaginalflora

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Hartnäckig hält sich außerdem die Meinung, dass Essigwasser gegen Scheideninfektionen hilft. Ob als Spülung oder mit einem Tampon in die Vagina gebracht, soll Obstessig Pilzen und Bakterien den Garaus machen. Die Idee dahinter: Bei einer Infektion erhöht sich der pH-Wert der Scheide – und Ansäuern soll ihn wieder senken. Doch das ist falsch gedacht, urteilen Frauenärzte.

Die Erklärung: Essig zerstört die meist sehr empfindlichen Bakterienkulturen auf der Oberfläche der Vaginalschleimhaut. Als Folge kann sich das gesunde Scheidenmilieu nur langsam wieder aufbauen. "Von solchen Selbstversuchen sollte jede Frau die Finger lassen", warnt Dr. Albrecht Scheffler vom Berufsverband der Frauenärzte in Berlin - "denn diese Hausmittel schaden mehr als dass sie nutzen."

Teebaumöl reizt die Schleimhäute der Vagina

Teebaumöl hat in den vergangenen Jahren einen regelrechten Boom erlebt. Kaum ein Arzneischrank, in dem nicht ein Fläschchen davon steht, um bei Hautproblemen oder Verdauungsbeschwerden zum Einsatz zu kommen. Teebaumöl wird nun ebenfalls als Hausmittel gegen Scheidenpilz gepriesen. Viele Gynäkologen sagen jedoch auch in diesem Fall, dass Teebaumöl die Schleimhäute der Vagina reizt, so auch Dr. Helga Seyler, Frauenärztin bei der Beratungsstelle "Pro Familia" in Hamburg. Das bekomme der Scheide gar nicht gut - schon gar nicht als Zugabe zu einer Pilzinfektion.

Wie wird Scheidenpilz behandelt?

Generell kann die Behandlung bei chronisch wiederkehrendem Scheidenpilz mit den üblichen Antipilzmitteln erfolgen. Sehen Sie im Video, was Experte Professor Dr. Werner Mendling empfiehlt.

Kade Fungin

Frischer Joghurt auf Tampon? Nährboden für Keime

Stichwort Joghurt: Er enthält Laktobazillen, die in einem gesunden Scheidenmilieu dafür sorgen, dass Pilze sich nicht über Gebühr vermehren können, und eine Infektion entsteht. In Joghurt getauchte Tampons gelten daher bei vielen Frauen als Geheimtipp gegen Scheidenpilzinfektionen. Gynäkologen raten ebenso von dieser Methode ab – nicht nur, weil ein Tampon die Schleimhäute austrocknet. Frauenarzt Scheffler hält eine Joghurtbehandlung sogar für gefährlich: Im Joghurt befänden sich nämlich nicht nur erwünschte Bakterien. Er kann auch als Nährboden für andere Keime dienen, die in der Vagina nichts zu suchen haben – bis hin zum typischen Scheidenpilz-Erreger Candida albicans (Hefepilz). Außerdem befinden sich in Naturjoghurt ebenso chemische Zusätze oder konservierende Mittel, die der Vaginalflora nicht zuträglich sind.

Sicherer als selbst herumzudoktern, ist es, einen Apotheker um Rat zu fragen. Tritt eine Scheidenpilzinfektion zum ersten Mal auf, sollte eine Frau besser einen Gynäkologen konsultieren, um die Symptome eindeutig abklären zu lassen.

Abwarten und Tee trinken verlängert nur das Leiden

Bei einer erstmaligen Pilzinfektion denken viele Frauen zunächst: "Erst mal abwarten, vielleicht verschwinden die Symptome von selbst wieder." Doch Gynäkologin Anja Oppelt weiß: Das Problem auszusitzen, bringt in der Regel nicht viel. Denn je länger dem Pilz kein Paroli geboten wird, desto mehr Zeit haben die Sporen sich zu vermehren. "Nur wenn eine Frau eine stabile Scheidenflora hat, kann es sein, dass die dortigen Milchsäurebakterien die Pilzinfektion in den Griff bekommen. Allerdings ist die Entzündung dann noch nicht stark ausgeprägt."

Auch eine Behandlung mit Milchsäurepräparaten ist sinnvoll. Tritt allerdings nach drei Tagen Therapie keine Besserung ein, sollte die Frau einen Gynäkologen aufsuchen. Auch Scheidenpilze, die keine Beschwerden verursachen, sollten behandelt werden. Sie erhöhen nämlich die Gefahr für bakterielle Infektionen. Diese können aufsteigen und schlimmstenfalls die Eileiter entzünden und verkleben.

Brottrunk: Stärkt Abwehrkräfte gegen Pilze

Viele Frauen, die unter wiederkehrendem Scheidenpilz leiden, schwören auf den sogenannten Brottrunk. Dabei handelt es sich um ein säuerlich schmeckendes Getränk aus vergorenem Vollkornbrot und Wasser. Bei der Gärung entstehen so genannte Brotsäure-Bakterien. Sie sind säureresistent und sehr gesundheitsfördernd. Zudem enthält das Gebräu reichlich Milchsäurebakterien und Enzyme.

Der Nutzen des Brottrunks ist zwar noch nicht belegt, es gibt aber zahlreiche Rückmeldungen von Frauen, die eine positive Wirkung beobachtet haben. Vermutlich ist es die Stärkung der Abwehrkräfte, die dem Körper hilft, sich gegen eine Pilzinfektion zur Wehr zu setzen. Wahrscheinlich wirkt sich ferner der hohe Anteil an Milchsäurebakterien günstig aus.

Die größten Mythen rund um Scheidenpilz

Brottrunk mit Wasser verdünnen oder Saft beimischen

Expertin Anja Oppelt empfiehlt Frauen, mit wiederkehrendem Scheidenpilz, den Brottrunk ruhig auszuprobieren. Pur getrunken reicht ein Glas à 0,2 Liter am Tag. Um den säuerlichen Geschmack zu mindern, können Patientinnen den Brottrunk mit Wasser verdünnen oder Apfelsaft beimischen. Von Tampons und Sitzbädern mit Brottrunk rät die Gynäkologin hingegen ab: Über ihre Wirksamkeit sei nichts bekannt. Außerdem bestehe bei Sitzbädern grundsätzlich die Gefahr, dass Pilze aus dem Darm in die Scheide gelangen.

Eine akute Scheidenpilzinfektion sollte auch medikamentös behandelt werden, niemals nur mit Brottrunk. Hierfür stehen zuverlässige Mittel mit nachgewiesener Wirksamkeit zur Verfügung, die es rezeptfrei in der Apotheke gibt. Das Scheidenpilz-Hausmittel gibt es in Reformhäusern, Drogerien und gut sortierten Supermärkten. Eine 0,75- Liter-Flasche Brottrunk kostet um die 1,70 Euro.

Autor:
Letzte Aktualisierung: 08. August 2017
Quellen: Dr. Anja Oppelt, Gynäkologin und Lifeline-Expertin, Dr. Albrecht Scheffler, Vorsitzender des Berufsverbandes der Frauenärzte in Berlin, Dr. Helga Seyler, Frauenärztin bei Pro Familia in Hamburg im Familienplanungs-Rundbrief (11/02)

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