Chlamydien - die verkannte Krankheit

Das Gros der Infektionen mit Chlamydien bleibt unentdeckt und wird daher nicht behandelt. Dabei kann die sexuell übertragbare Bakterieninfektion zu Unfruchtbarkeit führen.

Teenager-Liebespaar_Clamydien
Junge Mädchen können sich bei ungeschütztem Sex besonders leicht mit Clamydien infizieren, da sie immunologisch untrainiert sind.
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Von Chlamydien hören viele zum ersten Mal, wenn es zu spät ist: Jede sechste bis siebte Ehe ist heutzutage steril, die Hälfte durch diese Bakterien. Und das ist erst der Anfang, fürchten Fachleute. Denn Mädchen entdecken ihre Lust an der Lust immer früher, haben aber selten Ahnung von sexuell übertragbaren Krankheiten. Dabei sind gerade sie gefährdet, sich Chlamydia trachomatis einzufangen. Einerseits sind die Geschlechtsorgane junger Mädchen anfälliger für Mikroorganismen als bei Erwachsenen. Andererseits sind sie immunologisch untrainiert, da sie noch keinen oder kaum Kontakt mit der männlichen Genitalflora hatten. Je früher Mädchen sexuell aktiv werden und umso häufiger sie ihren Partner wechseln, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass sie sich mit Chlamydien anstecken. Außerdem erhöhen Scheidenentzündungen durch Pilze oder andere Bakterien das Risiko für eine Chlamydieninfektion.

Wenig Wissen über Chlamydien

Etwa zehn Prozent aller 17-jährigen Mädchen haben Chlamydien im Körper, ergab eine Untersuchung von 266 Berliner Schülerinnen. Die Studie zeigte auch, dass die Jugendlichen fast nichts über das Bakterium wissen. Die Ergebnisse seien katastrophal, vor allem weil "die Zeitspanne vom ersten Sexualverkehr bis zum konkreten Kinderwunsch stetig wächst", urteilt Dr. Gisela Gille, Vorsitzende der Ärztlichen Gesellschaft zur Gesundheitsförderung der Frau e.V. (ÄGGF), die die Studie initiiert hat. "Im Schnitt sind das jetzt schon zehn Jahre", erklärt die Gynäkologin.

Symptome von Geschlechtskrankheiten erkennen

 

Chlamydien-Infektion oft ohne Symptome

Das Fatale an Chlamydien ist, dass sie meistens keine Symptome verursachen. Bei zwei von drei Frauen bleibt eine Infektion daher unentdeckt.

Kommt es zu Beschwerden, äußert sich eine Chlamydien-Infektion meist durch vermehrten Ausfluss, Juckreiz und Brennen beim Wasserlassen. Diese Symptome sind jedoch unspezifisch und können leicht mit anderen Infektionen durch Pilze oder andere Bakterien verwechselt werden.

Meist beginnt es mit einer Entzündung in der Schleimhaut des Gebärmutterkanals. In der Hälfte der Fälle wandern die Keime weiter in Richtung Gebärmutter manchmal begleitet von leichten Krankheitsanzeichen wie Zwischenblutungen, ungewöhnlichem Scheidenausfluss oder Unterleibsschmerzen. Die Bakterien können schließlich bis zu den Eileitern vordringen, sie durch Entzündungen verkleben und so zu Unfruchtbarkeit führen. Doch Kinderlosigkeit in Folge von Chlamydien ist nicht nur ein Frauenproblem. Die Keime können auch Männer zeugungsunfähig machen.

Kondome schützen vor Chlamydien

Kondome bieten guten Schutz gegen Chlamydien. Bloß, dass Überzieher bei Jugendlichen wenig beliebt sind. Mädchen greifen lieber zur Pille; regelmäßigen Kondomgebrauch gab in der Berliner Untersuchung nicht einmal jede fünfte Befragte an. Zwar hätten Kondome kein Imageproblem, sagt Doktor Gille, "aber die Hälfte der Jugendlichen findet Sexualverkehr 'ohne' einfach toller als 'mit'." Kondome seien in Deutschland vor allem als Schutz vor AIDS bekannt.

Chlamydien können zudem nicht nur bei vaginalem und analem, sondern auch bei oralem Verkehr übertragen werden den meisten ist diese Ansteckungsgefahr gar nicht bewusst.

Diagnose: Chlamydientest bringt Gewissheit

Liegen Symtome vor, die auf eine mögliche Chlamydieninfektion hinweisen, untersuchen Frauenärzte (bei Frauen) bezihungsweise Urologen Urin und Blut sowie Abstrich aus dem Gebärmutterhalskanal beziehunsgweise der Harnröhre auf das Vorhandensein von Chlamydia trachomatis. 

Beim routinemäßigen Abstrich kann ein Frauenarzt Chlamydien nicht feststellen. Nach ungeschütztem Verkehr mit einem neuen Partner kann sich jede Frau jedoch selbst testen lassen. Für diese Analyse genügen einige Milliliter Urin. Treten Zeichen einer Chlamydieninfektion auf, kann auch ein Abstrich mit einem Wattestäbchen von der betroffenen Region Klarheit schaffen.

Die die gesetzliche Krankenkassen übernehmen einmal jährlich die Kosten für diesen Urintest - allerdings nur bei Frauen bis 25 Jahre, die Abstrich-Untersuchung wird von den Krankenkassen nicht bezahlt.

Bei Männern werden Chlamydien durch einen Abstrich aus dem Harnleiter und eine Urinprobe nachgewiesen. Ansprechpartner für diese Tests ist der Urologe.

Schnelltests auf Chlamydien für daheim

Einen Hinweis auf eine Chlamydien-Infektion können auch in Apotheken erhältliche Schnelltests geben. Bei diesen Test wird aus dem Abstrich aus der Vagina beziehungsweise aus der Harnröhre des Mannes das Bakterium Chlamydia trachomatis nachgewiesen. Bei der Anwendung des Schnelltests sind einige Einschränkungen zu beachten. So können Harnwegsinfekte das Ergebnis verfälschen. Bei einer Schwangerschaft und während der Menstruation sollen die Test nicht durchgeführt werden.

Juckreiz, Ausfluss, Brennen: Was kann alles dahinterstecken?

Chlamydientest bei Schwangerschaft

Zu Beginn einer Schwangerschaft gehört ein Chlamydientest zu den routinemäßigen Vorsorgeuntersuchungen, die die Kassen bezahlen. Denn zum einen können Scheideninfektionen durch Bakterien eine Frühgeburt auslösen. Zum anderen besteht die Gefahr, dass die Mutter das Kind bei der Geburt mit Chlamydia trachomatis ansteckt. Das kann zu einer Entzündung der Augen bis hin zum Erblinden führen. Daher ist dieser Erreger in Entwicklungsländern sehr gefürchtet.

Wie wird eine Chlamydieninfektion behandelt?

Wenn die Infektion frühzeitig diagnostiziert und behandelt, sind keine Spätfolgen zu befürchten. Eine frühzeitige Therapie mit Antibiotika verhindert, dass eine Chlamydieninfektion chronisch wird. Dafür müssen sich Partner immer behandeln lassen, damit kein Ping-Pong-Effekt eintritt.

Sex und Scheidenpilz: Goldene Regeln

Autor:
Letzte Aktualisierung: 19. September 2017
Durch: es
Quellen: Nach Informationen des Robert-Koch-Instituts, der Ärztlichen Gesellschaft zur Gesundheitsförderung der Frau (ÄGGF), der Ärzte-Zeitung und der Medical Tribune

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