Milchsäurepräparate

pH-Wert-Regulierung schützt vor Frühgeburt

Bakterielle Scheideninfektionen können eine Frühgeburt auslösen. Regelmäßiges Kontrollieren des pH-Werts offenbart Störungen rechtzeitig. Bei zu hohem pH-Wert sorgt beispielsweise eine Behandlung mit Milchsäure-Gel für ein gesundes Scheidenmilieu.

pH-Wert- Regulierung schuetzt vor Fruehgeburt
Während der Schwangerschaft sollten Sie den pH-Wert ihrer Scheide überprüfen.
Getty Images/BananaStock RF

Eine bakterielle Vaginose kann unangenehm sein, besonders wegen des fischartigen Geruchs, der für die Erkrankung typisch ist. Doch während einer Schwangerschaft kann eine solche Fehlbesiedelung der Scheide außerdem zu einem ernst zu nehmenden Problem werden. Denn eine bakterielle Scheideninfektion kann eine Frühgeburt auslösen. Frauenärzte schätzen, dass bei rund 40 Prozent der drohenden Frühgeburten eine vaginale Infektion dafür verantwortlich ist. Dabei wandern Bakterien den Geburtskanal herauf und produzieren Botenstoffe, die dem Körper signalisieren, dass es Zeit für die Geburt sei. Als Folge davon setzen die Wehen ein.

Schwangerschaft begünstigt Bakterieninfektionen

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Um eine Frühgeburt durch eine bakterielle Scheideninfektionen zu verhindern, hilft es, den vaginalen pH-Wert zu kontrollieren und ihn zu stabilisieren. Normalerweise sorgen Milchsäurebakterien für ein saures Klima in der Vagina und verhindern so, dass Bakterien sich ausbreiten. Ist das Scheidenmilieu nicht sauer genug, kann es zu einer Infektion kommen. Während einer Schwangerschaft passiert dies wegen der hormonellen Umstellung vergleichsweise oft. Frauenärzte raten Schwangeren deshalb, den pH-Wert in der Scheide regelmäßig zu überprüfen.

Zur Vermeidung einer Frühgeburt: pH-Wert in Scheide regelmäßig prüfen

Zur Kontrolle des pH-Werts in der Scheide gibt es einen Testhandschuh, der im Rahmen eines Programms zur Vermeidung von Frühgeburten entwickelt wurde. Damit können Frauen in Eigenregie ihren vaginalen pH-Wert kontrollieren. Das geht einfach durch Einführen des Zeigefingers im Handschuh in die Scheide und ist ungefährlich. Auf der Zeigefingerspitze des Messhandschuhs befindet sich ein Teststreifen, der entsprechend des Säuregehaltes der Scheidenflüssigkeit seine Farbe verändert. Anhand einer Farb-Vergleichsskala kann die Frau den pH-Wert dann selbst ablesen.

Milchsäure-Gel wirkt besser als Milchsäure-Zäpfchen

Liegt der pH-Wert über 4,5, sollte die Schwangere vorbeugende Maßnahmen ergreifen. Beispielsweise kann sie ihre Scheide mit Milchsäure-Päparaten ansäuern. Diese gibt es in verschiedenen Darreichungsformen. Doch besonders bewährt hat sich ein Milchsäure-Gel. „Im Gegensatz zu Zäpfchen unterstützt ein Milchsäure-Gel offensichtlich die Ansiedlung der für die Normalflora der Scheide wichtigen Milchsäurebakterien. Es hat sich gezeigt, dass das Milchsäure-Gel wirkt und auch sehr gut verträglich ist", berichtet der Frauenarzt Dr. Andreas Clad vom Universitätsklinikum Freiburg seine Beobachtungen. Ein weiterer Vorteil: „Die Behandlung mit Milchsäurezäpfchen kann für die Frau auf Dauer relativ unangenehm sein. So kann es zu Brennen im Scheideneingangsbereich kommen oder zu Ausfluss der Zäpfchenreste", sagt Clad. Das Gel hingegen kühle und befeuchte die gereizte Haut, Ausfluss spiele erfahrungsgemäß nur eine geringe Rolle.

Selbstmessung des pH-Werts reduziert Frühgeburten deutlich

Wie sinnvoll es für Schwangere ist, den vaginalen pH-Wert zu kontrollieren und im saueren Niveau zu halten, belegt ein gemeinsames Modellprojekt von Kaufmännischer Krankenkasse (KKH), Barmer Ersatzkasse (BEK), Techniker Krankenkasse (TK) und Hamburg Münchener Krankenkasse in den Bundesländern Bayern, Hessen, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen und Thüringen, bei dem Wissenschaftler über 150.000 Entbindungen auswerteten. Es zeigte sich, dass von den Frauen, die zweimal wöchentlich ihren vaginalen pH-Wert überprüften, lediglich 0,49 Prozent eine sehr zeitige Frühgeburt hatten. Ohne Selbstmessung waren es 0,79 Prozent.

Warum die Behandlung mit Milchsäure in der Schwangerschaft sinnvoll ist

Durch Bakterien verursachte Scheideninfektionen sind viel häufiger die Ursache von Frühgeburten, als Mediziner bislang dachten. Um Infektionen vorzubeugen, können Schwangere ihre Scheidenflora mit Hilfe von Milchsäureprodukten sauer und gesund halten, erklärt Professor Dr. Werner Mendling im Interview.

Kade Fungin

Autor:
Letzte Aktualisierung: 06. August 2015
Quellen: Mit Informationen des Berufsverbands der Frauenärzte, der Krankenkasse KKH-Allianz und des Frauenarztes Dr. Andreas Clad vom Universitätsklinikum Freiburg

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